
Starke Bindung- schlechte Beziehung?
Hast Du schon jemals über den Unterschied zwischen Bindung und Beziehung nachgedacht? Beides wird gerne in einem Atemzug genannt und doch gibt es gewaltige Unterschiede zwischen diesen beiden Aspekten in Bezug auf Partnerschaft und Liebe. Wenn wir Bindung und Beziehung verwechseln, kann das fatale Folgen haben, z.B. dafür sorgen dass wir in Beziehungen feststecken, die uns nicht mehr gut tun und emotionale Abhängigkeiten entwickeln.
Transkription
Hast du schon jemals über den Unterschied zwischen Bindung und Beziehung nachgedacht?
Beides wird ja gerne in einem Atemzug genannt und doch gibt es gewaltige Unterschiede zwischen diesen beiden Aspekten in Bezug auf Partnerschaft und Liebe.
Wenn wir Bindung und Beziehung verwechseln,
Kann das fatale Folgen haben.
Zum Beispiel kann es dafür sorgen,
Dass wir dann in Beziehungen feststecken,
Die uns nicht mehr gut tun und emotionale Abhängigkeiten entwickeln.
Starke Bindung,
Schlechte Beziehung – wie das zusammenhängt und warum es so schwer ist,
Sich aus schwierigen und toxischen Beziehungen zu lösen,
Darum geht es in dieser Episode und natürlich gibt es auch ein paar Impulse,
Wie es trotzdem gelingen kann.
Leben,
Lieben,
Lassen – der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Hallo zusammen und herzlich willkommen beim Leben,
Lieben,
Lassen Podcast.
Ich bin Claudia Bechert-Möckel,
Persönlichkeits- und Beziehungscoach.
Ich unterstütze von Herzen gern Menschen dabei,
Sich selbst und andere besser zu verstehen und gelingende Beziehungen zu führen.
In dieser Folge sind wir dem spannenden Zusammenhang zwischen Bindung und Beziehung auf der Spur.
Denn der ist enorm wichtig für unsere Erfahrungen in Partnerschaft und Liebe.
Und schon mal vorweg – Bindung und Beziehung sind nicht das Gleiche.
Aber sie hängen miteinander zusammen.
Man könnte auch sagen,
Bindung ist ein Aspekt von Beziehung.
Und vielleicht kennst du das ja auch,
Dass du an jemandem dran klebst oder dran geklebt hast,
Als gäbe es kein Morgen mehr.
Auch dann,
Wenn die Beziehung eigentlich grottenschlecht ist.
Oder wahr.
Schlechte Beziehung trotz starker Bindung – was steckt da eigentlich dahinter?
Das möchte ich dir gerne am Beispiel meiner Klientin Sarah zeigen.
Gleich.
Sarah ist Anfang 40,
Eine wunderbare,
Herzliche,
Selbstbestimmte und auch beruflich erfolgreiche Frau.
Und doch steckt sie seit Jahren fest in einer Beziehung zu Benni.
Benni,
Der sich in seiner Ehe weder geliebt noch gesehen fühlt,
Hält dennoch daran fest,
Weil er niemanden enttäuschen will – weder seine Frau noch seine Kinder.
Und die gemeinsame Firma will er schon gar nicht aufgeben.
Benni entscheidet sich also,
Die Struktur seiner Ehebeziehung aufrechtzuerhalten,
Auch wenn er unglücklich ist,
Und gönnt sich als Zuflucht für seine emotionalen und sexuellen Bedürfnisse die Affäre zu Sarah.
So kann er nämlich beiden seiner Bedürfnisse Raum geben.
Er hat eine Familie und er hat eine Liebe.
Für Benni scheint das optimal zu sein.
Alles kann so bleiben,
Wie es ist.
Er kann an seiner Ehe und an der Familie und den Umst��nden festhalten und er kann sich geliebt fühlen und hat ein emotionales Zuhause bei Sarah.
Für ihn passt das so.
Sarah dagegen hat keinen Einfluss auf die Gestaltung der Beziehung.
Denn Benni bestimmt,
Wann sie sich sehen,
Wann sie telefonieren,
Was sie zusammen machen oder eben auch nicht.
Und Benni bestimmt auch,
Was Sarah über ihn erfahren darf und was nicht.
Im Grunde gibt er kaum etwas von seinem Innenleben preis.
Sarah weiß nicht genau,
Was in ihm vorgeht,
Wie er über bestimmte Themen denkt und wie er fühlt,
Denn immer wenn sie ihn daraufhin anspricht,
Macht er einfach dicht.
Aber es ist nicht so,
Dass sich Benni gar nicht für Sarah interessieren würde.
Wenn er da ist,
Fragt er mal nach und erkundigt sich,
Was sie denn so macht und wie es ihr geht.
Aber er selbst hält sich mit allem,
Was persönlicher Natur ist,
Bedeckt.
Sarah hat im Prinzip keine Ahnung davon,
Was ihn beschäftigt,
Umtreibt und welche Art von Mensch Benni eigentlich in seinem Inneren ist.
Sarah macht das sehr traurig.
Sie fühlt sich einsam und seltsam ungewollt.
Eigentlich,
Stellen wir beide zusammen fest,
Hat sie eine Nicht-Beziehung.
Der Mann,
Den sie so liebt,
Zeigt sich kaum in ihrem Leben,
Er ist schlichtweg so gut wie nie anwesend und wenn doch,
Dann bestimmt er,
Wie die kurzen Kontakte aussehen und wie oft sie Kontakt über WhatsApp haben.
Und kaum etwas von dem,
Was sich Sarah in einer Beziehung so vorstellt,
Kann hier gelebt werden.
Und dennoch hält sie an dieser Beziehung fest bzw.
An der Illusion einer Beziehung,
So als ob dieser Mann der Einzige auf der Welt wäre.
Sarah ist emotional abhängig und regelrecht süchtig nach Benni.
Sie nimmt alles hin,
Auch wenn sie leidet und erträgt den Schmerz der Lieblosigkeit,
Der sie quält.
Was passiert hier eigentlich?
Wie kann eine so taffe und kluge Frau,
Die auf eigenen Beinen steht und sonst super klar kommt in ihrem Leben,
Sich so dermaßen verlieren?
Die Sache ist die,
Sarah hat zwar eine starke,
Intensive Bindung an Benni,
Aber sie hat eine schlechte Beziehung mit ihm.
Das ist ganz typisch für ungesunde Beziehungsdynamiken und für sogenannte toxische Beziehungen.
Starke Bindung bedeutet also nicht zwangsläufig,
Dass die Bindung positiv sein muss und dass sie zwangsläufig mit einer guten Beziehung einhergeht.
Bindung ist der Kleber,
Der uns in der Beziehung andocken lässt und in uns das Gefühl erzeugt,
Verbunden zu sein und verbunden sein zu wollen.
Und ob wir eine starke Bindung an jemanden haben,
Das sagt nichts über die Qualität dieser Bindung aus und damit kann man nicht zwingend auf eine gute Beziehung schließen.
Aber fühlen wir uns sehr stark an jemanden gebunden,
Dann sehnen wir uns natürlich auch nach der Erfülltheit einer guten Beziehung.
Eine gute Beziehung aber braucht natürlich umgekehrt eine starke Bindung.
Nur eben ist für eine gute und erfüllte Beziehung auch die Qualität,
Also die Beschaffenheit der Bindung wichtig,
Stärke allein reicht nicht.
Das ist ziemlich komplex,
Daher versuche ich es auch so bildhaft wie möglich zu erklären.
Mein Anspruch ist nicht etwa wissenschaftliche Exaktheit,
Alle Experten mögen mir das nachsehen.
Mir geht's darum,
Zusammenhänge runterzubrechen und ganz allgemein verständlich zu machen,
Damit sie erlebbar und erfahrbar werden.
Was ist also Bindung und was ist Beziehung?
Bindung bezieht sich auf eine tiefe Verbundenheit und ein Zugehörigkeitsgefühl.
Wir alle haben ein Bindungsbedürfnis von Geburt an,
Ich habe schon in anderen Podcastfolgen darüber gesprochen.
Wir sind mit einem emotionalen Radar dafür ausgestattet,
Emotional an anderen Menschen anzuducken.
Das ist für unsere Entwicklung existenziell.
Wir brauchen Bindung,
Ganz besonders am Anfang unseres Lebens ist sie überlebenswichtig.
Und wenn alles gut läuft,
Erfüllt sich das Bindungsbedürfnis in der ersten Beziehung unseres Lebens,
Nämlich in der zu unseren Eltern.
Wenn wir in unseren Herkunftsfamilien sicher waren,
Wenn unsere Elternfiguren für uns da waren,
Auf uns eingegangen sind,
Uns geschützt und unterstützt haben,
Wir Liebe erfahren haben und Beständigkeit und auch richtig gesehen wurden,
So wie wir sind,
Dann haben wir das Gefühl der sicheren Bindung in uns verankert.
Ich bin geliebt und sicher.
Ich werde unterstützt und darf ich selbst sein.
So ungefähr ist dann die innere Haltung.
Ein Urvertrauen entsteht in uns selbst und sowas wie eine innere Zuversicht in das Leben und in die Menschen an sich.
Das dazu führt,
Dass wir auch natürlicherweise erwarten und voraussetzen,
Dass eine starke,
Sichere Bindung Bestandteil von Beziehung ist.
Wenn dich dieses Thema noch ein bisschen tiefer interessiert,
Dann empfehle ich dir nochmal die Folgen zu den vier Bindungsstilen und die Folge über das Urvertrauen des Leben lieben lassen Podcasts.
Hör da gerne nochmal rein.
Alle genannten Folgen findest du wie immer als Link in der Podcastbeschreibung,
Den Shownotes unter dieser Episode.
Wurden unsere frühkindlichen Bindungsbedürfnisse nicht so gut erfüllt?
Hatten wir das Gefühl,
Nicht zuverlässig emotional verfügbare Eltern zu haben?
Konnten uns diese Eltern aus verschiedensten Gründen nicht vermitteln,
Dass sie uns sehen,
So wie wir sind,
Dass sie für uns da sind?
Haben wir vielleicht nicht genügend Unterstützung erfahren oder waren unsere Eltern schlichtweg nicht da?
Dann besteht der Wunsch und das Bedürfnis nach Bindung ja dennoch und er verstärkt sich möglicherweise sogar.
Denn wenn wir nicht sicher sein können,
Dass uns etwas selbstverständlich zur Verfügung steht,
Sowas wie die elterliche Liebe,
Dann hört ja das Bedürfnis danach nicht auf.
Viel wahrscheinlicher ist es,
Dass die emotionale Kopplung an die Bezugspersonen noch intensiver wird,
Weil wir von der Bindung zu diesen Menschen Mama oder Papa abhängen und sie so dringend brauchen.
Es scheint Paradox zu sein,
Ich weiß,
Aber es folgt einer inneren Logik.
Sogar Kinder,
Die von ihren Eltern Verwahrlosung oder Misshandlungen erfahren,
Emotional,
Sexuell oder körperlich,
Und leider kommt das ja immer noch vor und jeder tragische Fall ist einer zu viel,
Aber diese Kinder wenden sich nicht etwa ab von ihren Eltern,
Egal was ihnen angetan wird.
Zumindest tun sie das nicht,
Solange sie klein sind.
Diese Kinder halten an der schwachen Bindung von der Elternseite quasi doppelt so stark fest,
Weil sie Angst haben,
Die Bindung zu verlieren,
Die ja nicht sicher ist.
Das Bindungssystem des Kindes wird durch die Trennung von der Bindungsperson oder durch äußere oder innere Bedrohungsgefühle,
Durch Schmerz und Gefahr erst recht aktiviert.
Das bedeutet starke Bindung von Seiten des Kindes bei gleichzeitiger schlechter Beziehung.
So ist es auch Sarah ergangen.
Sarah hat eine kindheitvolle Anspannung und Angst erlebt.
Sie wuchs mit dem Gefühl auf,
Nicht richtig zu sein,
Sich daher stark anpassen zu müssen und keine eigene Meinung oder Bedürfnisse äußern zu können,
Stets vorsichtig und wachsam zu sein.
Ihre Eltern waren offenbar emotional wenig offen.
Sie konnten nicht gut auf Sarah eingehen und das führte dazu,
Dass sie sich allein,
Wertlos und wenig beachtet gefühlt hat.
Auch Unterstützung in schwierigen Situationen war gar kein Thema.
Aber der Wunsch nach der Erfüllung dieser so wichtigen Grundbedürfnisse war so stark,
Dass sie als Kind einfach immer nur versuchte,
Alles richtig zu machen,
Um doch noch ein bisschen Liebe und Anerkennung zu erfahren.
Kommen wir dann mit dieser Erfahrung von starker Bindung bei schlechter Beziehungsqualität in einer erwachsenen Paarbeziehung an,
Dann kann es sein,
Dass wir die alte Bindungserfahrung wiederholen und unsere Sehnsucht nach guter und sicherer Bindung,
Die aus der Kindheit kommt,
Wiedererleben und unter allen Umständen versuchen,
Die doch noch zu bekommen.
Und haben wir schon mal Erfahrungen mit starker Bindung und schlechter Beziehungsqualität gemacht,
So wie Sarah,
Dann ist uns das irgendwie vertraut,
Sodass wir im schlimmsten Falle und wieder kleben bleiben an einem Menschen,
Der nicht für uns da ist.
Auch wenn Sarah vom Verstand her weiß,
Dass sich in ihrer Beziehung alles nur um Benni und nichts um sie dreht,
Bleibt sie dennoch an ihm haften,
Weil ihr dieser Art von Bindung und Beziehung vertraut ist.
Sie folgt,
Ohne es zu wollen,
Dem Wiederholungszwang und der kindlichen Sehnsucht.
Wir alle sehnen uns danach,
Eine starke Bindung herzustellen in unseren Paarbeziehungen,
Emotional anzudocken und eine gewisse Sicherheit zu erfahren.
Wir wollen Zugehörigkeit spüren.
Eine gute Erwachsenenbeziehung ist jedoch auf Augenhöhe.
Sie ist ein Versuch,
Die Bedürfnisse beider Partner in Einklang zu bringen,
Auch wenn es dabei manchmal holprig zugehen kann.
Eine Erwachsenenbeziehung beruht auf Geben und Nehmen.
Gehen wir unbewusst mit kindlichen,
Unerfüllten Bedürfnissen in die Beziehung,
Dann wünschen wir uns emotionale Versorgung,
Schutz und Verfügbarkeit,
So wie es für uns als Kind notwendig gewesen wäre.
Doch im Erwachsenenleben sind wir zuerst einmal selbst zuständig für die Erfüllung unserer Bedürfnisse,
Weil Partner oder Partnerin eben nicht Mama und Papa sind.
Das ist hart,
Ich weiß.
Und es bedeutet im Notfall auch die Bremse ziehen zu können,
Wenn man feststellt,
Dass man zwar stark an jemandem festhält,
Aber die Beziehung eigentlich einseitig oder wenig erfüllend ist.
Zusammenfassend bedeutet das,
Eine starke Bindung an jemanden muss nicht heißen,
Dass diese Bindung eine gute Qualität hat.
Auch eine ungesunde Bindung kann stark sein.
Sie kann sogar eine Art Suchtcharakter bekommen.
Eine gute Beziehung zu haben,
Braucht aber nicht nur eine starke Bindung,
Sondern auch eine von guter Qualität.
Und dazu noch ein gehöriges Maß an Autonomie.
Der Fähigkeit,
Selbst zu sein und auch selbst wirksam zu sein und uns notfalls auch ablösen zu können,
Weil wir für uns selbst entscheiden.
Außerdem ist für eine gute Beziehung entscheidend,
Dass andere Aspekte von Partnerschaft auch in relativ guter Balance sind.
Nicht nur die Bindung,
Sondern zum Beispiel auch das Verhältnis von Anpassung und Selbstbehauptung und das Verhältnis von Geben und Nehmen.
Was gebe ich in die Beziehung hinein und was mein Partner oder meine Partnerin?
Am Beispiel von ungesunden und toxischen Beziehungen kann man bilderbuchhaft sehen,
Wie das Phänomen starke Bindung und schlechte Beziehung in die emotionale Abhängigkeit führt.
Abhängige Beziehungen und toxische Beziehungen starten nämlich mit der sogenannten Love-Bombing-Phase,
In der neue Partner,
Die Partnerin,
Scheinen der Traum meiner Sehnsucht zu sein.
Ich werde angehimmelt und geliebt,
Bekomme jede Menge Aufmerksamkeit und stehe im Mittelpunkt des Interesses.
Wow.
Sarah fühlte sich wie im siebten Himmel.
Das muss er sein,
Der einzig wahre Seelenpartner.
Es war einfach viel zu schön,
Um wahr zu sein,
Wie Benni sich um sie bemühte und alles nach ihr ausrichtete.
Er hob sie regelrecht auf ein Podest.
Sie fühlte sich wie eine Königin.
Was ihr im Rausch nicht wirklich auffiel,
War,
Dass eigentlich alles viel zu schnell ging.
Benni machte Pläne,
Redete von der Zukunft,
Von Heirat und überholte sie regelrecht auf positive Weise.
Anfangs kam mir das komisch vor und sie wollte ihn noch ein bisschen bremsen,
Aber dann ließ sie irgendwann alle Zweifel fahren und ließ sich mit dem Gefühl,
Nun endlich einmal wichtig zu sein,
Ohne halten in diese Beziehung hineinplumpsen.
Jetzt hatte sie angedockt und ihr Bindungssystem war in Hochform.
Die starke Bindung war aktiviert,
In der Aussicht auf eine darauf folgende gute Beziehung.
Doch dann kam etwas völlig Unerwartetes.
Der Treibstoff,
Der sie so sehr zu Benni hingezogen hatte,
Die massive Aufmerksamkeit und die vielen Liebessignale,
Wurden ihr nun immer mehr entzogen.
Benni kam immer seltener.
Wenn sie sich beklagte,
Machte er ihr Schuldvorwürfe.
Manchmal meldete er sich gar nicht mehr oder durch plötzlich einsetzende Kritik fühlte sich Sarah immer öfter nicht okay und nicht lebenswert.
Sie musste Rücksicht auf ihn nehmen,
Schließlich ist er verheiratet.
Benni schaffte es,
Ihr das glaubhaft zu machen.
Die Beziehung verschlechterte sich immer mehr,
Doch Sarah war wie festgeklebt,
Unfähig sich zu lösen.
Die starke Bindung wurde der Klebstoff,
Der sie festhalten ließ,
Egal wie schlimm es wurde.
Nur ab und zu gab es mal ein paar winzige Krümel an Aufmerksamkeit und dann wieder nicht.
Und dieses Unvorhersehbare,
Dieses Nicht-Wissen,
Nicht-Vertrauen-Können verstärkte die Suchtwirkung emotionaler Abhängigkeit und irgendwann hatte sie überhaupt keine Kontrolle mehr über das,
Was passierte.
Immer mal hatte sie die Nase voll davon und wenn sie soweit war,
Die Sache doch zu beenden,
Dann fand Benni einen Weg,
Sie wieder davon zu überzeugen,
Dass sie ihm doch wichtig sei,
Dass später noch alles gut werden würde.
Doch in Wirklichkeit investierte er kaum etwas in diese Beziehung.
Diese Art von,
Wie ich es nenne,
Nicht-Beziehung nutzte nur ihm.
Sarah hat den Absprung noch nicht ganz geschafft,
Aber wir arbeiten daran.
Es fällt ihr nämlich schwer,
Sich nicht schuldig zu fühlen für die Einseitigkeit dieser Beziehung und sie wird immer wieder an ihrem alten Schmerz ihrer Ur-Beziehungswunde getriggert.
Sich für Liebe anstrengen zu müssen,
Sich verantwortlich zu fühlen für die schlechte Beziehung und alles einfach auszuhalten.
Aber ich bin sicher,
Dass auch sie an den Punkt kommt,
Wo sie selbstbestimmt entscheiden kann,
Ob sie in dieser Beziehung bleiben möchte,
Die ihr nichts zu bieten hat außer Schmerzen und ein paar winzige Minuten des Glücks.
Wenn du dich dabei erkennst,
Wenn dir irgendetwas aus meiner Beschreibung bekannt vorkommt,
Dann möchte ich dich einladen zu einer kleinen Übung,
Die dir zeigen kann,
Ob das Verhältnis stimmt von dem,
Was sich für dich erfüllt in dieser Beziehung und von dem,
Was der Preis ist,
Den du dafür zahlst.
Ich nenne es die Waage-Übung.
Halte deine Hände vor dich hin wie kleine Schalen,
Mit der Hand-Innenfläche nach oben.
Schließe deine Augen und stell dir doch jetzt einmal vor,
Du legst in die linke Hand all das Gute,
Das Wertvolle,
Das Erfüllende,
Das du in dieser Beziehung hast.
Lass dir einen Moment Zeit dafür.
Spürst du Liebe,
Anerkennung,
Verbundenheit,
Wertschätzung vielleicht,
Nähe,
Verstanden werden oder Miteinander?
Was von dem,
Was dir wirklich wichtig ist,
Kann in dieser Beziehung gelebt werden?
Stell dir vor,
Wie du das alles in die linke,
Offene Hand legst.
Und in die rechte Hand legst du nun das,
Was dich belastet,
Was du aushältst,
Was schwer für dich ist und dich traurig macht oder verletzt.
Was ist der Preis,
Den du für diese Beziehung bezahlst?
Bewege nun wie bei einer Waage deine Hände ein bisschen auf und ab.
Und prüfe,
Ob es ein Gleichgewicht gibt oder nach welcher Seite deine innere Waage ausschlägt.
Lass dann diese Wahrnehmung einen Moment auf dich wirken.
Ich bin gespannt,
Was du für dich feststellst.
Und ich wünsche dir,
Dass du eine innere Haltung findest,
Die ungefähr so lautet.
Ich will diese Beziehung,
Aber nicht um jeden Preis.
Wenn der Preis ist,
Dass du dich permanent traurig,
Allein oder verletzt fühlst,
Nicht gesehen und nicht geliebt,
Wenn deine Bedürfnisse keine Rolle spielen und du kaum einen Einfluss auf die Gestaltung der Beziehung hast,
Dann ist der Preis definitiv zu hoch.
Dann wird es Zeit,
Deine Trennungskompetenz zu aktivieren.
Auch wenn es richtig weh tut.
Trennungskompetenz ist total unterschätzt,
Aber genauso wichtig wie Beziehungskompetenz.
Denn wenn wir uns nicht lösen können,
Wenn es Not tut,
Dann rutschen wir in die Abhängigkeit.
Und das ist wirklich keine gute Voraussetzung für gelingende Beziehungen.
Dann wollen wir die Beziehung sprichwörtlich um jeden Preis,
Auch wenn es bedeutet,
Sich selbst aufzugeben.
Eine Beziehung ist ein Fließen.
Wir geben etwas hinein und es strömt auch etwas zu uns hin.
Es muss nicht in jedem Moment ausgewogen sein.
Es geht um die Tendenz.
Balance ist in Beziehungen entscheidend.
In allen Bereichen.
Können wir die auf Dauer nicht herstellen,
Haben wir eine Plus-Minus-Beziehung.
Sie ist einseitig.
Mein Lieblingsmerksatz daher,
Es geht in Beziehungen nicht um Harmonie.
Es geht um Balance.
Sorgen wir für Balance,
Und darum muss man manchmal auch ein bisschen ringen,
Dann entsteht im besten Falle eine Win-Win-Situation.
Eine Plus-Plus-Beziehung.
Synergie.
Dann sind wir zusammen mehr als die Summe der Teile.
Nicht immer,
Aber immer öfter.
Und das wünsche ich dir von Herzen.
Alles Liebe,
Deine Claudia.
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