27:53
27:53

Nähewunsch und Freiheitsdrang – Bindung und Autonomie

by Claudia Bechert-Möckel

rating.1a6a70b7
Bewertet
4.8
Group
Aktivität
Meditation
Geeignet für
Alle
Aufrufe
184

Stell dir vor, du stehst an einer Kreuzung. Der eine Weg führt dich zu tiefer Verbindung mit anderen – zu Nähe, Geborgenheit, und einem Gefühl von Zugehörigkeit – alles, wonach Du Dich sehnst in Sachen Verbundenheit. Der andere Weg führt dich zu dir selbst – zu Freiheit, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Auch das ist Dir natürlich wichtig. Für welchen Weg wirst Du Dich entscheiden Verbundenheit oder Selbstwirksamkeit, Bindung oder Autonomie?

Transkription

Stell dir doch mal vor,

Du stehst an einer Kreuzung.

Der eine Weg führt dich zu tiefer Verbindung mit anderen,

Zu Nähe,

Geborgenheit und einem Gefühl von Zugehörigkeit.

Alles,

Wonach du dich vielleicht sehnst in Sachen Verbundenheit.

Und der andere Weg führt zu dir selbst,

Zu Freiheit,

Selbstbestimmung und Unabhängigkeit.

Und auch das ist dir natürlich wichtig.

Für welchen Weg wirst du dich entscheiden?

Verbundenheit oder Selbstwirksamkeit?

Bindung oder Autonomie?

Es ist unglaublich schwer,

Oder?

Denn egal welchen der beiden Wege du nimmst,

Es wird dir am Ende etwas fehlen.

Etwas,

Nachdem du dich sehnen wirst und es dann nicht vorkommen wird in deinem Leben.

Ein echtes Dilemma.

Eins,

Das die meisten von uns aus eigener Erfahrung kennen,

Weil sie sich entweder für den Wunsch nach Liebe selbst aufgegeben haben oder weil ihnen ihre Unabhängigkeit und ihr Freiheitsdrang so wichtig war,

Dass sie tiefe Verbindungen verunmöglicht oder vielleicht sogar versehentlich verhindert haben.

Aber was,

Wenn ich dir sage,

Dass diese beiden Wege eigentlich gar keine Gegensätze sind?

Dass es diese Entweder-oder-Entscheidung so gar nicht geben muss?

Dass es im Grunde ein Sowohl-als-auch-ist,

Was man so als die gesunde Balance zwischen Bindung und Autonomie bezeichnet?

Dass sie vielmehr wie zwei Seiten einer Medaille sind und unser Selbstwertgefühl maßgeblich davon abhängt,

Wie wir diese beiden Seiten miteinander in Balance bringen.

In dieser Folge geht's um die Beziehung zwischen Bindung und Autonomie und wie sie unsere Innenwelt,

Aber auch unsere Partnerschaften prägen kann.

Und dabei schauen wir auch,

Wie du dein Selbstwertgefühl in dieser Hinsicht stärken kannst,

Mit zwei einfachen,

Aber wirkungsvollen Übungen.

Leben,

Lieben,

Lassen – der Podcast zum Thema Persönlichkeit,

Beziehung und Selbstliebe.

Von und mit Claudia Bechert-Möckel.

Hallo und herzlich willkommen mal wieder bei Lieben,

Lieben,

Lassen,

Deinem Selbstcoaching-Podcast mit Herz und Verstand.

Und ich bin wie immer Claudia Bechert-Möckel,

Persönlichkeits- und Beziehungscoach.

Ich unterstütze in meiner Arbeit Menschen dabei,

Sich selbst und andere besser zu verstehen,

Um gelingende Beziehungen zu führen.

Und in diesem Podcast schenke ich dir jede Woche Inspirationen für dich,

Dein Leben und deine Beziehungen.

Und ich habe ja auch hier schon öfter davon gesprochen,

Dass Beziehungen eine Art Ökosystem darstellen.

Dass sie bestimmte Gesetzmäßigkeiten haben,

Die ganz egal,

Ob wir sie sehen wollen oder nicht,

Ob wir diese Gesetzmäßigkeiten beachten oder nicht existieren,

Und sie werden immer auch ihre Wirkung zeigen,

Auch wenn wir sie vielleicht versuchen,

Außer Kraft zu setzen.

Es ist so ähnlich wie bei dem Ökosystem da draußen.

Und eine dieser natürlichen Gesetzmäßigkeiten von Beziehungen – und ich glaube im Grunde auch die wichtigste – das ist die Balance von Bindung und Autonomie,

Auf der im Grunde das ganze Gleichgewicht der Beziehung beruht,

Wenn es eins gibt.

Aber nicht nur das.

Diese Balance oder Disbalance in Sachen Bindung und Autonomie hat auch noch einen riesengroßen Einfluss auf unser Selbstwertgefühl und deshalb finde ich es so wichtig,

In dieser Folge nochmal darauf einzugehen.

Auch wenn wir das schon öfter getan haben,

Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Denn es ist ja so,

Viele Probleme im Beziehungskontext haben genau mit dieser Balance zu tun und immer wieder kommen auch Fragen dazu von euch rein.

Wir gehen also dem Zusammenspiel von Bindung und Autonomie nochmal auf den Grund.

Du erfährst,

Warum beides wichtig ist,

Wie du ein gesundes Gleichgewicht finden kannst und wie das deinen Selbstwert stärkt.

Okay,

Fangen wir nochmal am Anfang an.

Bindung und Autonomie – was bedeutet das eigentlich?

Auch wenn du vielleicht als Leben,

Leben,

Lassen,

Vielhörerinnen oder Hörer längst Bescheid weißt,

Lohnt es sich sicher,

Da nochmal hinzuschauen.

Bindung ist unser menschliches Grundbedürfnis nach Nähe.

Es geht darum,

Sich mit anderen verbunden zu fühlen.

Ganz egal,

Ob es in der Familie ist,

In Freundschaften oder eben in einer Beziehung,

In einer Partnerschaft.

Von Geburt an,

Weil wir eben Bindungswesen sind,

Suchen wir nach Sicherheit und Geborgenheit in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Das gibt uns Halt und Orientierung.

Dieser Wunsch nach Verbundenheit steckt in unseren Genen.

Wir haben ein Bindungsbedürfnis unser ganzes Leben lang.

Wir wollen uns gewollt,

Geliebt und auch als Teil von etwas fühlen.

Wir wollen dazugehören,

Anerkennung durch andere finden,

Natürlich auch gebraucht werden,

Eine Bedeutung für jemanden haben.

Die Sehnsucht danach,

Die hört nie auf.

Und am Anfang unseres Lebens,

Wenn wir quasi ja noch nicht fertig auf die Welt kommen,

Da hängt sogar unser Überleben von dieser Bindung ab.

Und das ist auch der Grund,

Warum es sich für dich auch als erwachsener Mensch noch so anfühlen kann,

Als würdest du sterben,

Wenn du jemanden verlierst,

Der dir wichtig ist.

Wenn du eine unfreiwillige Trennung erleiden musst oder wenn du in einer ganz schlimmen Verlustangst steckst.

Die Autonomie dagegen,

Das ist ja unser Streben nach Eigenständigkeit.

Ich selbst sein,

Selbst etwas zu wollen.

Das bedeutet,

Entscheidungen selbst zu treffen,

Für uns einzustehen und unser Leben nach unseren eigenen Werten gestalten zu können.

Uns zu entsprechen,

Grenzen zu haben und für die auch einzutreten,

Nein sagen zu können,

Wenn es sein muss,

Oder sich selbstbestimmt zu entscheiden und damit auch ernst genommen und akzeptiert zu werden.

Aber zur Autonomie gehört eben auch das Gefühl zu haben,

Einfluss auf unser Leben und seine Gestaltung zu haben,

Selbst wirksam zu sein,

Eine eigene Meinung,

Einen Standpunkt haben zu dürfen,

Uns selbst wichtig zu nehmen und unsere eigenen Bedürfnisse,

Ein Recht darauf zu haben.

Schon das Kleinkind,

Das lautstark,

Ich will alleine,

Ruft,

Zeigt ja diesen Drang,

Selbst die Kontrolle für sein Leben zu übernehmen.

Und in den meisten Strömungen der Entwicklungspsychologie geht man davon aus,

Dass das Bedürfnis nach Autonomie,

Anders als das Bedürfnis nach Bindung,

Später erwacht.

Das Bindungsbedürfnis existiert schon vorgeburtlich und wird in der Symbiose mit der Mutter natürlich auch gelebt.

Und da wir als nicht fertige Wesen auf die Welt kommen,

Sondern eben als winziger Mensch von anderen und deren Liebe und Versorgung abhängen,

Bleibt die symbiotische Verschmelzung,

Meist ist das mit der Mutter,

In den ersten Lebensmonaten auch bestehen.

Aber mit dem Erwachen des Ichs,

Nämlich dann,

Wenn das Kind erkennt,

Ich bin ich und du bist du,

Also nicht ich,

Und das ist meist dann,

Wenn das Kind im Spiegel an seine eigene Nase fassen kann und erkennt,

Ah,

Das bin ich.

Da jedenfalls beginnt nach gängiger Lesart auch das Autonomiebedürfnis.

Und das wächst von da an stetig.

Und damit auch der Drang,

Die Welt zu entdecken,

Also die Exploration.

Und das kleine Kind,

Beobachte das mal zum Beispiel auf einem Spielplatz,

Das sucht immer an einer neuen,

Fremden Situation die Nähe der Mutter oder des Vaters,

Bleibt also in deren Schutz,

Wagt sich dann aber ein paar Schritte vielleicht zu den anderen Kindern hin,

Also marschiert in eine eigene Richtung,

Aber dann dreht es sich immer mal wieder um,

Kommt nochmal zurück in die sichere Zone der Erwachsenen,

Um sich Rück zu versichern,

Um dann wieder loszugehen zu den anderen Kindern.

Und wenn es da Ärger gibt,

Flog es zurück wieder in die Sicherheit zur Mutter und Trost suchen.

Das ist ein hervorragendes Beispiel für die Wechselwirkung zwischen Bindung und Autonomie,

Zwischen Sicherheit und Exploration.

Und du siehst ja auch an dieser Situation mit dem kleinen Kind auf dem Spielplatz die Ambivalenz der beiden Grundbedürfnisse.

Bindung und Autonomie bei der Arbeit sozusagen.

Denn das Spannende ist ja das,

Beide Bedürfnisse sind Teil unseres menschlichen Wesens und sie beeinflussen sich wechselseitig.

Wenn wir zu stark auf Bindung setzen,

Verlieren wir uns vielleicht in Abhängigkeiten und geben uns im schlimmsten Falle selbst auf,

Über Abhängigkeit in Beziehungen haben wir hier schon wahnsinnig oft gesprochen.

Wenn wir aber ausschließlich auf Autonomie bestehen,

Dann fühlen wir uns möglicherweise isoliert oder einsam,

Auch wenn wir hervorragend unser eigenes Ding machen können.

Immer fehlt etwas,

Wenn wir uns auf einen der beiden Pole konzentrieren.

Es fühlt sich unvollkommen an.

Weil es eben nicht,

Wie ich schon ganz am Anfang dieser Folge gesagt habe,

Zwei Wege sind und du musst dich nur für einen entscheiden.

Sondern es sind zwei Seiten ein und derselben Sache.

Mensch zu sein,

Das bedeutet die Balance zwischen Bindung und Autonomie zu finden oder so wie ich gern sage,

Den Tanz zwischen den beiden Polen zu tanzen.

So,

Dass wir beiden Bestrebungen in uns gerecht werden können und zwar immer wieder aufs Neue.

Denn diese Balance zwischen Ich-Selbst-Sein und mit Dir verbunden,

Das ist nix Starres.

Diese Balance wird in jeder Liebe,

In jeder Freundschaft,

In jeder Familie immer wieder neu ausgelotet oder eben ausgetanzt.

Und das ist etwas sehr Bewegliches,

Lebendiges,

Natürliches.

Diese Balance ist also keine feste Größe,

Sondern ein dynamisches Spiel.

Immer wieder wird es neu ausgehandelt.

Mit anderen und mit dir selbst,

Innen und außen.

Denn diese Balance von Bindung und Autonomie hat nicht nur Einfluss auf die Gestaltung unserer Beziehungen,

Sondern auch auf unseren Selbstwert.

Ja,

Unser ganzes Selbstverständnis.

Wie wir uns mit uns selbst fühlen,

Das hat sehr viel damit zu tun,

Ob wir uns erlauben,

Sowohl unser Bindungsbedürfnis als auch unser Autonomiebedürfnis leben zu können.

Oder ob wir uns zwischen diesen beiden Polen vollkommen zerrissen fühlen.

Denn unser Selbstwertgefühl entsteht genau an dieser Balance.

In gesunden Beziehungen,

Da spüren wir,

Dass wir geliebt werden,

Ohne uns aufzugeben.

Gleichzeitig erfahren wir auch,

Dass wir auch ohne ständige Bestätigung durch andere wertvoll sind.

Einfach aus uns selbst heraus.

Ich habe ein Beispiel für dich.

Stell dir vor,

Du bist in einer sehr engen Freundschaft.

Du möchtest deinem Freund,

Deiner Freundin helfen,

Fühlst dich aber dabei überfordert,

Weil du dabei deine eigenen Bedürfnisse ignorierst.

Das ist ein Ungleichgewicht.

Es führt dazu,

Dass du dich irgendwann ausgelaugt und vielleicht sogar gering geschätzt fühlst.

Zerrissen vielleicht.

Dein Selbstwertgefühl bekommt einen Knacks,

Denn nix davon fühlt sich wirklich so an,

Als könntest du irgendwas richtig machen.

Nicht für dich und nicht für deinen Freund oder deine Freundin.

Wer bist du also,

Wenn du es nicht hinkriegst?

Unser Selbstwertgefühl entsteht genau an dieser Schnittstelle zwischen Bindung und Autonomie.

Zwischen gemocht werden und selbst sein.

Vielleicht stellst du dir das gleich mal vor für deine wichtigsten Beziehungen.

Vielleicht ist es deine Partnerschaft,

Eine Freundschaft oder deine Familie.

Such dir eine wichtige Beziehung aus,

In der du dir gar nicht so sicher bist,

Ob du dort diese Balance halten kannst.

Und jetzt stellst du dir mal diese beiden Kräfte,

Autonomie und Bindung,

Wie eine Waage vor.

Auf der einen Seite liegt dein Wunsch nach Verbundenheit mit diesem Menschen und alles,

Was du dafür tust.

Kompromisse,

Anpassung,

Entgegenkommen,

Hingabe,

Verständnis.

Das alles sind wichtige Strategien,

Die wir brauchen,

Um Bindung herzustellen.

Die sind also okay,

Wenn du nicht zu viel davon machst.

Leg also alles,

Was mit der Bindung zu diesem Menschen zu tun hat,

In die eine Schale der Waage.

Wie bemühst du dich um diese für dich so wichtige Beziehung?

Was tust du dafür?

Leg jetzt mal in die andere Waagschale dein Autonomiebedürfnis und deine Strategien der Selbstbehauptung,

Die dich bei dem Wunsch,

Du selbst zu sein,

Unterstützen.

Grenzen setzen,

Eine klare Position und Meinung vertreten.

Auszuhalten,

Dass deinem Gegenüber nicht alles gefallen wird,

Was du sagst und machst.

Und trotzdem an dir festzuhalten,

Deine Meinung zu sagen,

Eigene Werte und Prinzipien zu haben.

Was tust du genau in dieser Beziehung,

Um deinen Autonomiebestrebungen Raum zu geben?

Und jetzt schau mal in deiner inneren Vorstellung,

Wohin die Waage ausschlägt.

So ist das momentan um deine innere Balance bestellt,

In dieser Beziehung.

Wenn eine Seite der Waage zu schwer wird,

Gerät unser inneres Gleichgewicht aus der Balance.

Dann fühlst du dich klein,

Nicht richtig und wahrscheinlich auch nicht wirklich okay.

Dein Selbstwert leidet.

Ein gesundes Selbstwertgefühl entsteht,

Wenn wir beides in Einklang bringen.

Es bedeutet,

Dass du dich in Beziehungen zeigen kannst,

Mit deinen Bedürfnissen,

Deinen Stärken,

Aber auch deinen Schwachstellen.

Gleichzeitig bedeutet das,

Dass du Nein sagen kannst,

Wenn es nötig ist und dass du dir erlaubst,

Eigene Entscheidungen zu treffen,

Ohne Schuldgefühle.

Du merkst also eine innere Balance zwischen deinem Autonomie und deinem Bindungsbedürfnis ist enorm wichtig.

Dass du ein Gefühl dafür hast in dir selbst,

Aber das allein reicht nicht aus.

Denn wir brauchen auch noch die Fähigkeit,

Unsere innere Balance im Außen,

Also in einer richtig realen Beziehung auch leben zu können.

Also kurz gesagt,

Für unsere beiden Bedürfnisse auch aktiv einzutreten.

Zu erwarten,

Dass beides Raum haben darf in unserem Leben.

Die innere Haltung braucht also den Mut zu einem entsprechenden Verhalten im Außen.

Erst dann leben wir auch unsere innere Balance.

Und da ist auch ein Knackpunkt,

Das ist nämlich nicht immer möglich.

Viele Menschen haben in ihrer Kindheit,

Also in ihren prägenden Bindungserfahrungen gelernt,

Dass es nicht okay ist,

Zum Beispiel seinen eigenen Autonomiebedürfnissen Raum zu geben.

Sie haben vielleicht Ablehnung erfahren,

Weil sie eine eigene Meinung hatten.

Ihre Bestrebungen,

Einen eigenen Weg einzuschlagen,

Wurden unterdrückt.

Zum Beispiel passiert sowas,

Wenn sie sehr autoritäre Eltern hatten,

Die alles bestimmt haben.

Oder manche wurden auch verstoßen,

Schuldig gemacht oder schlecht behandelt,

Wenn sie etwas anderes wollten als die Eltern.

Dabei lernt man dann,

Dass der Wunsch,

Man selbst zu sein,

Überhaupt keinen Platz hat,

Wenn man gemocht werden will.

Und wenn man die Wahl hat,

Zwischen ich selbst sein oder nicht mehr dazugehören,

Also aus der Verbindung rauszufallen oder abgelehnt zu werden,

Dann muss sich ein Kind,

Das noch nicht selbst sein Leben gestalten kann,

Sondern wirklich abhängig ist,

Für die Aufgabe seines Selbst und für die Sicherheit der Bindung entscheiden.

Es darf dann also nur eine Seite der Medaille geben.

Und das,

Diese Haltung,

Nehmen Menschen mit in ihr Leben.

Und so entwickeln sie,

Mal ganz grob runtergebrochen,

Einen abhängigen Bindungsstil.

Unsicher.

Bindung und Beziehung um jeden Preis bedeutet das,

Auch wenn es Selbstaufgabe bedeutet.

So,

Wie sie das gelernt haben.

Andere Menschen wiederum,

Die haben in ihren früheren Beziehungen vielleicht etwas ganz anderes gelernt.

Zum Beispiel,

Lass mich in Ruhe mit deiner Nähe wünschen.

Ich kann dir gar nicht sagen,

Wie viele Menschen mir in meinen Beratungen schon erzählt haben,

Dass sie sich an keinen Trost,

An keine liebevolle Umarmung,

Kein Streicheln oder Kuscheln erinnern können.

Letztens erst hat mir eine Klientin erzählt,

Dass ihre Mutter immer sagte,

Man erzieht seine Kinder am besten,

Wenn man sie von sich weg erzieht.

Boah.

Und diese Distanz,

Die hat die Klientin auch wirklich in ihrem Aufwachsen sehr,

Sehr schmerzlich zu spüren bekommen.

Komm alleine klar,

War die Message.

Das hat sie gelernt.

Sei selbstständig.

Unabhängig.

Ich habe keine Erwartungen.

Und ein emotional so unsicher gebundenes Kind,

Das kann daraus den Rückschluss ziehen.

Meine Nähewünsche sind nicht okay.

Und sie werden immer wieder frustriert und enttäuscht.

Am besten,

Ich brauche nichts und komme alleine klar,

Denn ich will nicht mehr bedürftig und damit schwach sein.

Obwohl ich mich so sehr nach liebevoller Nähe sehne,

Mache ich mich am besten für immer frei,

Um nicht mehr enttäuscht zu werden.

Genauso entstehen die Superautonomen,

Die stark und frei sind und innen traurig und einsam und voller Angst.

Dass sich die Sehnsucht nach Nähe nie erfüllen wird.

Aber von außen sieht das keiner.

Eine ganze Folge über die Superautonomie habe ich gemacht,

Die sehr viel Resonanz von Euch bekommen hat,

Weil sich viele,

Viele darin wiedererkannt haben.

Wenn es Dich interessiert,

Hör da gerne nochmal rein.

Ich stecke Dir die Folge in die Shownotes.

Du siehst also,

Die Polarisierung,

Also die Entscheidung für eine der beiden Seiten,

Hinterlässt bei uns immer ein riesengroßes tiefes Loch.

Eine Bedürftigkeit,

Eine Sehnsucht,

Die uns nie,

Nie loslässt.

Und wie es um Deine gelebte Balance zwischen Autonomie und Bindung bestellt ist,

Das kannst Du mit einer einfachen Übung überprüfen.

Stell Dir dazu einfach mal vor,

Du stehst vor einer schwierigen Entscheidung in einer Beziehung.

Sollst Du jetzt Deine eigenen Bedürfnisse durchsetzen oder lieber Rücksicht nehmen?

Und wenn Du magst,

Nimm ein Blatt Papier und male Dir auf der rechten Seite und auf der linken Seite dieses Blattes jeweils einen kleinen Kreis.

Unter den linken Kreis schreibst Du Bindung,

Unter den rechten Autonomie.

Und jetzt verbindest Du die beiden Kreise.

Nun hast Du die Balanceebene zwischen Autonomie und Bindung vor Dir.

Nimm am besten einen grünen Stift und spüre mal in Dich hinein.

Wo auf dieser Balanceebene liebst Du die Beziehung,

Über die Du gerade nachdenkst?

Mach das mal ganz intuitiv.

Wenn Du Dich zum Beispiel zu sehr auf die Bindung fokussierst,

Also wenn Du Dich zu sehr anpasst,

Stellst Du Dich dann selbst zurück,

Nur um Harmonie zu wahren oder die Anerkennung zu sichern?

Opferst Du Deine eigenen Wünsche und Werte,

Um geliebt zu sein?

Oder hast Du vielleicht das Gefühl,

Alles alleine schaffen zu müssen,

Um unabhängig und stark zu wirken?

Willst Du nicht so viel von Dir zeigen?

Machst Du eher so Dein Ding und bestimmst gerne,

Wo es in der Beziehung lang geht?

Dann befindest Du Dich wahrscheinlich eher auf der Autonomieseite.

Mach Dein grünes Kreuz da,

Wo es sich für Dich stimmig anfühlt.

Und was siehst Du?

Wie ist es um Dein Verhältnis von Autonomie und Bindung,

Distanz und Nähe in Deiner Beziehung bestellt?

Eine gute Balance,

Ein gesundes Selbstwertgefühl entsteht,

Wenn wir beides in Einklang bringen können.

Das wäre so ungefähr die Mitte dieser Balancebene.

Es bedeutet,

Dass Du Nein sagen kannst,

Wenn es nötig ist und dass Du Dir erlaubst,

Eigene Entscheidungen zu treffen und Dich trotzdem für die Beziehung engagierst und der oder dem anderen entgegengehst.

Und wenn Du das jetzt noch mit Rot,

Also mit einem roten Kreuz für Deine Partnerin oder Deinen Partner machst,

Dann kannst Du sehr genau erkennen,

Wie ausbalanciert oder eben nicht ausbalanciert Eure Beziehung ist in Bezug auf Autonomie und Bindung.

Schreib mir,

Wenn Du magst,

Gerne Deine Erfahrungen und Erkenntnisse in die Kommentare unter dieser Folge.

Ich bin nämlich sehr gespannt,

Was Du herausfindest.

Wie erkennst Du noch,

Ob Deine Balance aus dem Gleichgewicht geraten ist?

Vielleicht erkennst Du Dich ja an einem der folgenden Szenarien wieder.

Du sagst oft Ja,

Obwohl Du Nein meinst,

Weil Du Angst hast,

Vor Ablehnung oder weil Du Konflikte vermeiden möchtest.

Du fühlst Dich verantwortlich für das Glück anderer und hast Angst,

Sie zu enttäuschen.

Oder Du ziehst Dich gerne zurück,

Weil Du Dich von Erwartungen und Anforderungen anderer überwältigt fühlst.

Du suchst das weiter,

Wenn es Dir zu emotional wird,

Obwohl Du Dir genau das doch eigentlich so sehr gewünscht hattest?

Das sind Anzeichen dafür,

Dass entweder Dein Bindungsbedürfnis in den beiden ersten Beispielen nämlich oder Dein Autonomiebedürfnis in den beiden letzten Beispielen gerade überwegt.

Und die gute Nachricht ist,

Mit etwas Übung kannst Du lernen,

Die Balance wiederherzustellen.

Und weil ich ja weiß,

Wie viele von Euch konkrete Übungen und Tools lieben,

Kommen hier noch zwei praktische Übungen,

Die Dir helfen,

Deine Balance zwischen Bindung und Autonomie zu finden.

Die erste heißt die Bedürfnis-Landkarte.

Nimm Dir ein Blatt und teile es in zwei Spalten ein,

Bindung und Autonomie.

Und überleg Dir mal Situationen aus Deinem Alltag,

Nimm am besten eine ganz bestimmte Beziehung und denke mal nach.

Wo und wann hast Du Dich in dieser Beziehung nach mehr Nähe gesehnt?

Wo war es Dir wichtig und wo war es Dir wichtig,

Unabhängig zu bleiben?

Wann wolltest Du etwas anderes als Dein Partner oder Deine Partnerin?

Lass Dir ein bisschen Zeit dafür und trage das dann mal auf der Bindungs- und Autonomie-Seite auf Deinem Blatt ein.

Und dann notierst Du,

Wie sich diese Situationen angefühlt haben,

Zum Beispiel,

Es war sehr eng in meiner Brust,

Als ich Ja gesagt habe,

Obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte.

Ich war unfrei und traurig,

Weil ich die Harmonie wahren wollte.

Oder ich hatte große Angst,

Als sie oder er nicht mehr mit mir gesprochen hat.

Und jetzt schreibst Du noch dazu,

Wie Du Dich dann aufgrund dieser Gefühle verhalten hast.

Gab es Momente,

In denen Du Deine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt hast,

Obwohl Du sie deutlich gespürt hast?

Oder hast Du Dich zurückgezogen,

Obwohl Du eigentlich Unterstützung gebraucht hättest?

Was hat Dir gefehlt?

Wie hast Du Dich dabei gefühlt?

Und welches Verhalten hat das ausgelöst?

Diese Übung kann Dir helfen,

Muster zu erkennen und ein besseres Gefühl dafür zu bekommen,

Was Du in Deinem Leben brauchst.

Und dafür gilt es dann loszugehen.

Und diese Übung kann Dir auch helfen,

Beim nächsten Mal schon etwas mehr Mut aufzubringen,

Für Dein Bedürfnis auch einzutreten,

In der Realität,

In der Beziehung.

Ich weiß,

Das ist beängstigend,

Aber Du kennst das von mir,

Fang klein an und wachse dann über Dich hinaus.

Aber fang an,

Gehe los,

Dann bist Du auf dem Weg.

Und zwar mit dem Ziel,

Dass Deine Bedürfnisse nicht nur etwas sind,

Das Du in Dir spürst,

Was schon mal recht gut ist,

Sondern dass Du auch dafür sorgst,

Dass sie in Deinem Leben vorkommen können.

Denn nur dann wirst Du Dich gut fühlen und einen stabilen Selbstwert leben können.

Die zweite Übung,

Die mag ich sehr,

Die heißt der innere Dialog.

Schließ dafür Deine Augen,

Wenn es gerade möglich ist,

Und stell Dir mal zwei innere Stimmen in Dir vor.

Eine,

Die sich sehr nach Nähe und Verbindung sehnt,

Und eine,

Die für Freiheit und Unabhängigkeit steht.

Diese beiden Aspekte in Dir kannst Du Dir auch als eigene Anteile oder Wesenheiten vorstellen.

Du kannst ihnen eine Gestalt geben,

Ein Gesicht,

Eine Erscheinung,

Eine Farbe oder Form.

Nimm Dir einen Moment Zeit und lass die inneren Bilder auftauchen.

Vielleicht magst Du Dir auch vorstellen,

Die beiden Anteile stehen oder sitzen sich gegenüber.

Was siehst Du?

Und jetzt lässt Du beide Stimmen zu Wort kommen.

Was wünschen sie sich?

Und von was wünschen sie sich mehr in Deiner Beziehung?

Wovor haben sie Angst?

Wer von beiden behauptet sich oder setzt sich mehr durch?

Die Bindung oder die Autonomie?

Hör ihnen genau zu.

Ich mache das manchmal in ganz bestimmten Situationen,

In denen ich eine innere Zerrissenheit in mir spüre.

Und diese Übung,

Finde ich,

Schenkt sehr viel Klarheit,

Wenn man es schafft,

Den beiden Stimmen den Raum zu geben,

Den sie auch brauchen.

Dass sie mal gehört werden.

In meiner Visualisierung ist es dann möglich,

Dass sie sich am Ende die Hand reichen oder sich miteinander verbinden.

Einmal habe ich sogar gesehen,

Dass sie miteinander durch den Raum getanzt sind.

Ein kleines Mädchen und eine sehr souveräne Frau.

Aber Deine inneren Bilder können natürlich ganz anders aussehen.

Ich kann nur so viel sagen.

Wenn Du Dich auf diesen inneren Dialog einlässt,

Auf diese Visualisierung,

Kannst Du ein tiefes Verständnis über Deine innere und auch über die gelebte Balance von Autonomie und Bindung bekommen.

Und dann weißt Du nämlich auch,

Was es im Alltag für Dich konkret zu üben gibt.

In kleinen Schritten.

Überfordere Dich nicht.

Ja,

Und dann überleg Dir im Anschluss,

Wie beide Bedürfnisse in einer Situation gleichzeitig erfüllt werden können.

Zum Beispiel könntest Du ja sagen,

Okay,

Ich verbringe Zeit mit meiner Familie,

Aber ich nehme mir danach auch bewusst einen Abend für mich.

Oder,

Ja,

Ich werde Dir an dieser Sache entgegenkommen,

Weil ich Dich verstehe und weil Du mir viel bedeutest,

Aber beim nächsten Mal werden wir wieder neu darüber verhandeln.

Bei dieser Übung merkt man sehr genau,

Dass es meistens nicht darum geht,

Entweder das eine oder das andere zu wählen,

Sondern einen Weg zu finden,

Wie beide gelebt werden können.

Wenn Du lernst,

Auf Deine inneren Bedürfnisse zu hören und sie in Einklang zu bringen,

Stärkst Du Deinen Selbstwert.

Du erkennst,

Dass Du überhaupt nicht perfekt sein musst,

Um geliebt zu sein.

Und dass Du es wert bist,

Deine Grenzen zu setzen und für Dich einzustehen.

Und dass Du dennoch liebenswert bist und geliebt wirst.

Am Ende,

Das ist mir wichtig,

Geht's wirklich darum,

Sich selbst besser zu verstehen,

Denn das ist ja auch das Anliegen dieses Podcasts.

Je bewusster Du Dir über Deine eigenen Bedürfnisse bist,

Umso leichter wird es Dir fallen,

Entscheidungen zu treffen,

Die Dir gut tun.

In Beziehungen,

Im Beruf und in Deinem Alltag.

Egal ob Du Dich nach mehr Nähe sehnst oder Deine Freiheit bewahren möchtest,

Diese Balance kannst Du selbst beeinflussen,

Sie liegt in Deinen Händen.

Und mit jeder einzelnen bewussten Entscheidung stärkst Du nicht nur den Selbstwert,

Sondern auch Deine Fähigkeit,

Das Leben und Deine Beziehungen selbstbestimmt und erfüllt zu gestalten oder auf dem Weg dahin zu sein.

Und das wünsche ich Dir von ganzem Herzen,

Alles Liebe,

Deine Claudia

4.8 (14)

Neueste Bewertungen

Antje

December 10, 2024

In emot. Extremsituationen war es bei mir noch wichtig zu lernen, dass das "Innere Kind" absolute Sicherheit forderte. Mein Bewusstsein, es gibt keine, und ich brauche keine, absolute Sicherheit. Nur so kam ich wieder halbwegs in Balance. Danke für Ihre Podcasts, die mich in meinem therap. Prozess enorm unterstützen!💝

© 2026 Claudia Bechert-Möckel. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

Trusted by people. It's free.

Insight Timer

Get the app

How can we help?

Sleep better
Reduce stress or anxiety
Meditation
Spirituality
Something else