
Liebe oder Pflicht? Verantwortung in Beziehungen
Aufgabenteilung und Mental-Load- wer macht was? Wie der falsche Umgang mit Verantwortung, Fairness und Mental Load unsere Beziehungen gefährdet. Das ist einer der unterschätztesten Gründe für das Ende der Liebe in Paar-Beziehungen.
Transkription
Manchmal,
Da erzähle ich meinen Klienten in der Paarberatung eine Geschichte aus meiner früheren Beziehung,
Bei der ich dann oft so ein Staunen in den Gesichtern sehe.
Und die Geschichte geht so.
Ich bin so am Saubermachen,
Klassischer Freitagsputz und mein Partner kommt zur Tür rein.
Soll ich dir helfen?
Da könnte man ja sagen,
Oh wie nett,
Aber ich habe mich ehrlich gesagt gar nicht gefreut,
Sondern mich hat das immer geärgert,
Denn das war symptomatisch für unsere Beziehung.
Tja,
Vielleicht hast du da jetzt auch ein Fragezeichen im Kopf.
Ist das irgendein im Manzen Zeugs?
Nein,
Ist das nicht.
Und die ganze Geschichte erzähle ich dir in dieser Episode.
Und ich sage dir schon mal so viel.
Das,
Um das es hier geht,
Ist ein total unterschätztes Thema in vielen Beziehungen.
Leben,
Lieben,
Lassen.
Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Herzlich willkommen,
Ihr Lieben,
Bei Leben,
Lieben,
Lassen,
Dem Selbstcoaching-Podcast.
Ich bin Claudia,
Persönlichkeits- und Beziehungscoach.
Ich unterstütze Menschen dabei,
Gelingende Beziehungen zu führen,
Zu sich selbst und anderen.
Und so wie in den vergangenen Episoden,
Geht es auch diesmal um Beziehungsthemen.
Und heute ein ganz,
Ganz wichtiges Thema,
Das nach meiner Meinung total unterschätzt wird,
Das dann aber,
Das sehe ich nämlich in der Paarberatung,
Ein echter Beziehungskiller werden kann.
Es geht um die Frage,
Wer macht was.
Wie der falsche Umgang mit Verantwortung,
Fairness und Mental Load unsere Beziehungen gefährdet,
Klingt irgendwie erstmal trocken,
Ist aber wirklich spannend.
Gleich.
Niemand macht mit Absicht seine Beziehung kaputt.
Davon gehe ich eigentlich auch in meiner Arbeit mit Paaren erstmal aus.
Es sind eher auf die unbewussten Dinge,
Über die man gar nicht so nachdenkt,
Weil man dafür so innere,
Automatisch ablaufende Schablonen hat,
Die sich wie ein schleichendes Gift über die Liebe legen und sie auf Dauer kaputt machen.
Und eines dieser Themen ist definitiv der Umgang mit Aufgaben und Pflichten.
Die Frage,
Wer macht was,
Wer ist für was verantwortlich in der Beziehung,
Wer hat den ganzen Mental Load,
Also die ganze Organisation und Planung an der Backe.
Ach,
Das kriegt man schon irgendwie hin,
Muss man doch nicht so ein Gesumse drum machen.
Hauptsache ist ja,
Man liebt sich,
Könnte da jetzt jemand denken.
Aber genau so ist das eben nicht.
Denn ich kann dir gar nicht sagen,
Bei wie vielen Paaren,
Mit denen ich schon gearbeitet habe,
Das genau ein Riesenthema war und zu massiven Konflikten geführt hat.
Deshalb gibt's dann auch am Ende dieser Folge ein Handwerkszeug für alle,
Die sagen,
Genau,
Das ist auch für uns ein Problem.
Starten wir aber zuerst mal mit einer Wahrheit über Langzeitbeziehungen.
Wenn wir wirklich zusammen ein Leben gestalten wollen,
Dann sind wir nicht nur ein Paar,
Nein,
Wir sind drei Paare in einem.
Das heißt,
Unsere Beziehung findet auf mehreren Ebenen statt.
Zuerst einmal starten wir in der Regel als Liebespaar,
Es sei denn,
Du hast sowas wie eine Vernunftsbeziehung,
Aber das kommt eher selten vor.
Die Energie,
Die uns dabei trägt,
Ist die Leidenschaft.
Mit Leidenschaft beginnen aber auch Affären zum Beispiel,
Aber im Unterschied zu Langzeitbeziehungen bleibt es dann eben auf dieser Ebene.
In Langzeitbeziehungen streben wir dann aber von der Leidenschaft ausgehend hin zu mehr Gemeinsamkeit,
Zum Zusammenwachsen,
Uns zusammen einen Raum schaffen.
Das liegt in der Natur von Beziehungen begründet,
Die entwickeln sich und wollen nach vorne,
Sie bleiben nicht stehen.
Also man verliebt sich und findet das auch ganz toll und es entsteht der Wunsch des Zusammenseins,
Dem wahrscheinlich bald schon Taten folgen.
Und so fängt man an,
In eine gemeinsame Richtung zu schauen,
Sich nach gemeinsamen Zielen auszurichten,
Die Beziehung auf gemeinsame Werte zu gründen.
Man wird also neben dem Liebespaar auch eine Wertegemeinschaft und überlegt sich,
Wie wollen wir leben,
Kinder oder nicht,
Wie werden wir wohnen und wo und vieles andere mehr.
Die Energie,
Die diese Ebene trägt,
Ist Freundschaft.
Und dazu gehört auch,
Sich zu unterstützen,
Sich den Rücken freizuhalten und füreinander da zu sein.
Freundschaft ist mega wichtig für Langzeitbeziehungen.
Aber wenn wir die gemeinsamen Vorstellungen auch umsetzen und leben wollen,
Dann entsteht als dritte Ebene auch sowas wie ein Team,
Eine Gemeinschaft.
Und zu dieser Ebene gehört dann auch die Familie,
Also wenn man zusammen Kinder bekommt.
Diese Team-Gemeinschaftsebene der Beziehung ist so etwas wie eine Struktur,
Eine Organisationseinheit.
Es geht um,
Wie gestalten wir unser gemeinsames Leben,
Wie teilen wir uns die Aufgaben,
Wer macht was,
Was ist denn überhaupt zu tun und wie kriegen wir das alles gut hin.
Es geht also hier ganz viel um funktional-praktische Fragen von Umsetzung,
Darum an einem Strang zusammenzuziehen.
Gemeinschaft ist hier die Energie,
Die das trägt.
Und genau da gibt es eben oft keine Balance.
Und am Anfang ist das noch vollkommen egal,
Da hat man noch nichts zusammen erschaffen,
Man hat nicht dieses Beziehungs- oder Familienuniversum.
Aber wenn das dann erst einmal da ist,
Braucht es eben auch Kraft und Einsatz,
Um das alles am Laufen zu halten.
Und je mehr man zusammen am Laufe der Beziehung erschaffen hat,
Familie,
Eigentum,
Manchmal sogar Unternehmen,
Umso mehr gibt es dann auf dieser Team-Ebene auch zu tun.
Und jeder und jede,
Die zusammen in einer Beziehung lebt,
Weiß,
Es ist ganz schön viel,
Was man beachten und bedenken muss,
Selbst dann,
Wenn man keine Kinder hat,
Und was man einfach alles an Verpflichtungen und Aufgaben hat,
Die sich da so ansammeln.
Das geht halt von Saubermachen,
Über den Handwerker anrufen,
Wenn das Rohr verstopft ist,
Bis zum Schwiegermuttergeburtstag oder der Hochzeit der besten Freunde,
Wann,
Wie und was schenken wir,
Aber auch Urlaubsplanung gehört dazu,
Finanzen und so fort.
Wie ich es schon gesagt habe,
Es geht darum,
Alles am Laufen zu halten.
Mit Kindern gibt es dann noch mal eine Schippe obendrauf.
Erziehung,
Pflege,
Kindergarten,
Schule,
An alles denken,
Alles herbeischaffen und auch das Ergebnis kontrollieren.
In der Schule meines Sohnes hatten die Lehrer dafür sogar ein Wort.
Elternhausaufgaben.
Ich fand das ziemlich zynisch,
Aber genau so war es.
Und ich sage es dir,
Ich hätte das nicht dreimal hintereinander machen können.
Nervlich hätte ich das nicht geschafft,
Aber auch zeitmäßig nicht.
Wenn man keine Vollzeitmarm ist,
Weiß ich nicht,
Wie das gehen soll.
Aber das ist ein ganz anderes Thema.
Ich glaube,
Jeder hat jetzt bisher verstanden,
Das gemeinsame Zusammenleben,
Das ist eine ganz andere Hausnummer,
Als in einer reinen Liebesbeziehung zu sein.
Denn es bringt ein Wort mit sich,
Das sich anstrengend anhört.
Verantwortung.
Und die haben beide.
Denn die Beziehung ist ja auch das Zuhause von beiden und beide haben sie erschaffen.
Also sind auch beide zuständig.
Theoretisch finden das auch alle ganz logisch und nicken schön mit dem Kopf,
Aber das Erstaunliche ist,
Dass selbst in den total hippen,
Modernen Beziehungen oft ganz altertümliche Rollenbilder und Uralt-Modelle gelebt werden.
Man kann es jetzt nicht freigemeinern und es bricht da auch gerade etwas um,
Gott sei Dank,
Aber es ist schon sehr,
Sehr häufig anzutreffen.
Und das bedeutet,
Das meiste bleibt an den Frauen hängen.
Und zwar von der Planung bis zur Ausführung.
Selbst wenn die das eigentlich gar nicht wollen.
Sie rutschen irgendwie im Laufe der Zeit in diese traditionelle Schablone hinein,
Egal wie gebildet sie sind und egal wie viel sie von Gleichberechtigung reden.
Wie kommt denn das bitte schon?
Das Geheimnis hinter diesem Widerspruch ist,
Die vorgelebten Rollenbilder deiner Herkunftsfamilie beeinflussen auf unbewusste Weise den Umgang mit Verantwortung auch in deiner Beziehung.
Sogar an deiner willentlichen Absicht vorbei.
Ja,
Da ist sie wieder,
Die Vergangenheit,
Die uns einholt.
Schau doch ganz einfach mal für einen Moment zurück in deine Kindheit.
Wie war das dort so bei euch zu Hause mit der Rollenverteilung in Bezug auf das Thema Verantwortung?
Wer war zuständig,
So hauptsächlich,
Für den ganzen Kram und das alles lief?
Wer hat sich gekümmert,
Den Haushalt geschmissen,
Bei wem sind die Organisationsfäden für das Unternehmen Familie zusammengelaufen?
Wenn dein Papa auch mal das Bad geputzt hat und an die Geschenke für den Kindergeburtstag gedacht hat,
Dann Gratulation,
Dann hast du eine Ausnahme erlebt und mit Sicherheit hat es dein Bild von Beziehungen,
Die du heute lebst,
Auf ganz selbstverständliche Weise maßgeblich beeinflusst.
Bei den meisten aber wird es so sein wie bei mir.
Meine Mutter hatte das alles an der Backe.
Und zwar zusätzlich zu ihrem 9-Stunden-Job als Verkäuferin.
Ich bin nämlich in der DDR aufgewachsen und dort hat man die Vollberufstätigkeit der Frau und die Aufgaben in der Familie,
Die die oben drauf noch hatten,
Dann auch noch als moderne Gleichberechtigung verkauft.
Mein Vater oder mein Bruder haben bei uns zu Hause nur Männerdinge gemacht und das fand dann irgendwie in der Garage statt und das war auch ganz normal.
Küchendienst,
Der Mutter helfen,
Kochen und so fort,
Dazu wurde ich als Mädchen erzogen,
Das war nämlich Frauensache,
Ganz selbstverständlich.
Aber du wirst da wahrscheinlich deine ganz eigenen Bilder auftauchen lassen und vielleicht hast du auch ganz andere Erinnerungen und das ist gut so.
Aber nun schau mal,
Wie du das heute in deiner Beziehung lebst.
Die Wahrscheinlichkeit ist nämlich sehr groß,
Dass du aus Versehen doch wieder nach dem Oldschool-Modell lebst,
Auch wenn du das schon als Kind furchtbar ungerecht fandest.
Dein unbewusst abgespeichertes Muster über,
Wer macht was und wer ist hier zuständig,
Setzt sich nämlich durch,
Solange es dir nicht klar ist.
Und jetzt verschärfen wir das nochmal.
Wenn das Thema Aufgabenteilung und Verantwortung auch so ein Problem,
So ein Unterschwelliges in eurer Beziehung ist,
Dann wirf doch jetzt nochmal einen Blick auf die Herkunftsfamilie deines Partners.
Welches Modell der Verantwortung,
Der Rollen und der Aufgabenverteilung siehst du dort?
Was wird dort gelebt?
Und siehst du da vielleicht Parallelen zu dem,
Was sich da in dieser Hinsicht an deinem Partner stört?
Man kann mitunter krasse Entdeckungen bei dieser Erforschung machen und ich habe schon eine ganze Folge gemacht zu den Prägungen und Rollen unserer Herkunftsfamilien,
An die verlinke ich dir nochmal in den Shownotes.
Meili und Mario,
Das sind Klienten von mir,
Ihre Beziehung steht kurz vor dem Aus.
Meili ist Ärztin,
Mario ist IT-Spezialist,
Es geht ihnen äußerlich betrachtet richtig gut und sie haben ein kleines Kind.
Ihr seit Jahren andauerndes und immer wieder aufflammendes Dauerstreitthema ist die Organisation und die Aufgabenteilung.
Meili fühlt sich erschlagen unter dem Druck der Doppelbelastung,
Sie kann und sie will auch nicht mehr.
Wenn sie aus der Praxis kommt,
Hat ihr zwar das Kind geholt,
Aber in der Küche stapelt sich der Abwasch,
Die Wäsche im Bad und die Terrasse,
Die fertig werden sollte,
Liegt auch seit Monaten brach.
Aber ich mache doch,
Sagt Mario verzweifelt,
Ich unterstütze dich doch wo ich kann,
Ich habe halt keine Zeit,
Ich arbeite ja auch noch.
Ja,
Aber du denkst an nichts,
Ich muss dich an alles erinnern,
Ich muss drängeln und nörgeln und nie kann ich sicher sein,
Wann du es machst.
Na,
Irgendwann mache ich es halt schon.
Ja,
Manchmal,
Aber ich hätte gern,
Dass du dich auch mitkümmerst.
Du machst etwas,
Wenn ich es dir sage,
Wenn ich es delegiere,
Irgendwann passiert es dann.
Aber wenn ich nicht dran denke,
Denkt überhaupt niemand dran und wenn ich mich nicht kümmere,
Kümmert sich niemand,
Du musst dich da einfach irgendwie aus.
Du tust ja so,
Als würde ich gar nichts machen.
Jetzt ist Mario sauer und eingeschnappt.
So ein Dialog ist absolut typisch für Probleme am Umgang mit Verantwortung.
Beide haben nämlich ein Rollenbild gelernt,
Das sie heute versehentlich miteinander nachstellen.
In Marios Kinderwelt,
Da gab es seine liebevolle Mama,
Die ihn umsorgt hat wie einen kleinen Prinzen und die auch das Zentrum der Familie war.
Sie hat sich selbstverständlich um Haushalt und Kinder gekümmert,
Während der Papa in der Zeitung las nach der Arbeit.
Beide Eltern waren mit dieser Rolle okay,
Richtig schön traditionell.
Mario hat unbewusst dieses Selbstverständnis mit in seine Beziehung genommen und es kommt ihm so vertraut vor,
Dass er zwar mithilft,
Aber Miley zuständig ist und dass sie sogar seine Garage aufräumt.
Und weil er das alles so normal findet,
Fühlt er sich auch ungerecht behandelt.
In seinen Augen hilft er mit,
So gut er kann.
Und Miley,
Die hat das Bild der ewig betriebsamen Mutter verinnerlicht,
Die ständig unzufrieden war und meckerte und sich dennoch allein mit der Verantwortung abgeplagt hat,
Immer kurz vor Nervenzusammenbruch.
Miley kommen die Tränen,
Als sie erkennt,
Dass nicht nur Mario einen schwierigen Umgang mit Verantwortung gelernt hat,
So als Mann,
Sondern sie auch das Modell Mama nachstellt.
Beide haben das Bild ihres Herkunftssystems rekonstruiert.
Aber Miley hat den größeren Problemdruck,
Denn sie trägt halt die Hauptlast der Verantwortung und den ganzen Mental Load.
Mental Load heißt,
An alles denken zu müssen,
An das gedacht werden muss.
Denn bevor wir handeln,
Geht ja immer das Denken voraus,
Also eine Planung,
Wir brauchen eine Übersicht,
Besonders wenn wir effektiv sein wollen und wir haben ja alle keine Zeit.
Einkaufsliste,
Einladung zum Essen an die Freunde schicken,
Auto zur Reparatur,
Handwerker anrufen,
Arzttermin machen,
Widerspruch bei der Steuererklärung einlegen,
Ach und wir haben keine Geschirrtabs mehr.
Nach der Arbeit heute unbedingt noch tanken fahren,
Nicht vergessen.
Du kennst das,
Oder?
Unser Leben ist halt facettenreich und hat so viele Bereiche und wir besitzen ja auch so viel,
Also muss halt auch alles bedacht und geplant werden.
Und das ist in Beziehungen und Familien viel,
Viel mehr,
Als wenn man einfach nur für sich alleine ist.
Selbst da hat man ja schon den ganzen Berg.
Wenn du mal genau hinguckst,
Wie ist das bei dir?
Wer hat den Mental Load?
Wenn du das bist,
Dann wundere dich bitte nicht,
Dass das ständige alle Fäden in der Hand halten müssen,
Dich anstrengt und überlastet.
Es ist nämlich so,
Als würde man mit 30 Bällen gleichzeitig jonglieren und darf keinen fallen lassen.
Mega stressig.
Es gab eine Zeit,
Da war ich mal stolz darauf,
Dass ich das konnte und ich war wahnsinnig gestresst.
Aber ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen,
Dass das Planen und Organisieren eine gemeinsame Aufgabe sein könnte.
Erlerntes Rollenbild eben.
Und mein damaliger Partner fand das auch.
Er mochte es nämlich,
Wenn ich ihn erinnerte oder wenn ich Sachen an ihn delegierte.
Und er sagte dann gerne auch mal,
Dass er überhaupt nicht versteht,
Wieso ich immer so gestresst bin.
Mhm,
Ganz klar.
Heute lebe ich in einer Beziehung,
Wo die gemeinsame Verantwortung das normalste von der Welt ist.
Und wir trinken nämlich beide mit.
Wir ziehen wirklich in einem Strang und das ist so ein Unterschied.
Das ist für mich ein echtes Miteinander,
Bei dem man nicht immer unter dem Druck steht,
Alles richtig und allein machen zu müssen,
Wo man auch mal loslassen kann und der andere hat das gemeinsame Steuer trotzdem noch in der Hand.
Und es bringt halt auch Vertrauen mit sich.
Und deshalb komme ich an der Stelle nochmal an das Beispiel,
Das ich ganz am Anfang im Intro des Podcasts genannt habe und das ich so gerne Klienten erzähle.
Also ich so früher beim Saubermachen,
Klassischer Freitagsputz,
Mein Partner kommt entspannt zur Tür rein,
Schaut sich um und sagt,
Na soll ich dir helfen?
Und schon am Ton hört man,
Dass das nur so eine obligatorische Frage ist und er das nicht wirklich ernst meint.
Mich hat das richtig geärgert,
Denn für mich war das der Ausdruck eines unserer grundlegendsten Probleme.
Mein Partner damals war gar nicht erst davon ausgegangen,
Dass es auch sein Zuhause ist und deshalb das Saubermachen nicht allein per se in meiner Verantwortung liegt.
Wenn ich helfen will,
Meine ich das vielleicht nett,
Aber ich sage indirekt,
Es ist deine Aufgabe und ich bin so nett und helfe vielleicht mal mit.
Aber es ist nicht nur meine Aufgabe,
Auch wenn ich das selber so gelebt habe.
Und natürlich war es auch nicht das eine Mal,
Wo mich das mal eben aufgeregt hat,
Es war einfach ein Sinnbild für das immerwährende Grunddilemma dieser Beziehung.
Wenn er gesagt hätte,
Oh,
Du bist schon so weit,
Was gibt es denn für mich noch zu tun?
Oder was ist denn noch zu tun?
Dann hätte das eine ganz andere Grundausrichtung gehabt.
Man darf nie vergessen,
Es geht nicht um die Worte,
Es geht immer um die Bedeutung des Gesagten.
Und so wie wir das damals geliebt haben,
Hatte ich immer das Gefühl,
Ich habe zwei Kinder,
Weil ich eben die Kümmerin von allem und jedem war.
Oft habe ich damals gedacht,
Mir würde gleich der Kopf platzen.
Und leider dachte ich auch,
Jetzt stell dich mal nicht so an.
Also,
Ganz ehrlich,
Nicht nur mein Partner hatte so ein verqueres Bild von Rollen und Verantwortung,
Sondern ich auch.
Auch wenn ich rebelliert habe,
Übernommen habe ich ja die Rolle trotzdem.
Und das hat ordentlich dazu beigetragen,
Unsere Beziehung zuzurütten.
Eine wirklich gemeinsame Verantwortung zu übernehmen,
Für das wir,
Sich Aufgaben und Pflichten zu teilen,
Gemeinsam an einem Strang zu ziehen,
Das hat halt nicht nur eine praktische Bedeutung.
Es geht hier auch um das Gefühl von Augenhöhe,
Von wertvoll zu sein,
Geliebt und gesehen und geachtet zu werden,
Gemeinschaft zu spüren,
Sich aufeinander verlassen zu können,
Nicht im Stich gelassen zu werden.
Nicht umsonst ist das eine der Sprachen der Liebe,
Also die Arten,
Wie wir unsere Liebe zeigen und auch stärken können.
Ich habe schon eine ganze Folge zu den Sprachen der Liebe gemacht,
Die auch sehr,
Sehr gerne gehört wird.
Wenn du magst,
Hör da gerne nochmal rein.
Ich verlinke sie dir in den Show Notes.
Wird also das Thema Verantwortung,
Teilung der Aufgaben vernachlässigt,
Weil man sich sagt,
Ja läuft doch irgendwie,
Muss man sich darüber klar sein,
Dass es auf Dauer die Grundlage der Beziehung gefährdet.
Und wenn du dich jetzt ertappst,
Dass es in deiner Beziehung auch so eine Verantwortungsschieflage gibt,
Dann verrate ich dir hier noch ein paar Dinge,
Die man tun kann,
Um ein Verantwortungsgleichgewicht herzustellen und auch damit nachhaltig etwas für das Gelingen der Beziehung zu tun.
Zuerst einmal mach Verantwortung zum Thema an deiner Beziehung.
Egal,
Was du aus dieser Folge für dich mitnimmst und wo du dich in deiner Beziehung siehst,
Frag doch mal deine Partnerin,
Deinen Partner,
Ob er oder sie auch das Gefühl hat,
Auf Augenhöhe in Sachen Verantwortung und Arbeitsteilung zu sein und ob ihr wirklich an einem Strang zieht.
Das kann nämlich aufschlussreich sein und nicht immer ist es das,
Was man selber denkt.
Das weiß ich aus der Paarberatung.
Was wünscht er oder sie sich?
Punkt 2.
Macht eine Liste der anfallenden Aufgaben und Pflichten.
Gibt es da ein Problem bei euch?
Und das gibt es auch,
Wenn es nur einer der beiden wahrnimmt?
Dann macht euch am besten eine schriftliche Übersicht.
Das hat sich sehr bewährt.
Es klingt banal,
Aber ich kann aus meiner Erfahrung sagen,
Dass diese Methode und die daraus folgende Vereinbarung sehr,
Sehr wirksam sind.
Tragt also zuerst mal alle Aufgaben und Pflichten zusammen,
Die es in Bezug auf euer kleines oder großes Wir gibt.
Was ist denn alles so zu tun?
Was fällt denn da alles so an?
Was ist zu bedenken?
Was kommt immer wieder?
Was braucht es,
Um euren Alltag zum Laufen zu bringen?
Und wenn ihr das alles zusammengetragen habt,
Wie sieht denn bei jeder einzelnen Aufgabe der Erledigungs-Soll-Zustand aus und wann fällt diese Aufgabe an,
Sollte also gemacht werden?
Darüber muss man unbedingt verhandeln,
Nämlich nicht nur,
Was ist zu tun,
Sondern wie oft und wann fällt diese Sache an und wie sieht der Zustand der Erledigung aus.
Die Meinungen gehen nämlich hier weit auseinander.
Aber um miteinander klarzukommen,
Ist es hier wichtig,
Zu einer gemeinsamen Vereinbarung zu kommen.
Wenn bei dir Küche sauber machen bedeutet,
Auch alle Flächen werden abgewischt und der Boden wird gewischt und für deinen Partner heißt das,
Küche sauber machen ist einmal Geschirrspüler aus- und einräumen und das reicht auch jede Woche einmal.
Dann habt ihr jeder eine eigene Ansicht über,
Wie sieht das aus,
Wenn das erledigt ist.
Aber ihr kriegt ein echtes Dauerproblem,
Weil ihr das nicht gemeinsam ausgehandelt habt.
Steht das fest,
Geht es um die Arbeitsteilung.
Wer macht was in der Beziehung?
Jetzt kommt die Frage,
Wie werden diese Aufgaben fair und gerecht verteilt?
Wer macht was?
Und wenn man erstmal grundsätzlich davon ausgeht,
Dass beide zuständig sind,
Dann ist es überhaupt kein Ding,
Wenn jeder das macht,
Was er oder sie am besten kann.
Ich zum Beispiel habe freiwillig den Hausputz übernommen,
Weil ich das viel lieber mache als bügeln oder einkaufen gehen oder Rasen mähen.
Das macht mein Mann.
Wir haben diese Arbeitsteilung gewählt,
Nicht weil Putzen Frauensache ist,
Sondern weil jeder das macht,
Was er besser kann oder lieber macht.
Und wenn man sowas freiwillig vereinbart,
Weil man es besser kann,
Ist es okay,
Denn dann wählt man es.
Das ist was ganz anderes als etwas zu müssen.
So eine Vereinbarung auszuarbeiten und umzusetzen,
Das kann Beziehungen retten,
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich habe schon oft erlebt,
Welche Erleichterung und welchen Frieden so eine faire Aufgabenteilung in die Beziehung bringt.
Und ich habe schon viele Paare gesehen,
Wo dieses Ungleichgewicht der Verantwortung die Beziehung gekillt hat.
Weil der Frust,
Dass alles an einem kleben bleibt oder die Gefühle von Ungerechtigkeit,
Die aufkommen,
Nicht gesehen,
Nicht verstanden zu werden und damit auch schlussendlich nicht geliebt zu sein,
Auf Dauer eine zerrüttende Wirkung haben.
Es hat nichts mit Mann oder Frau zu tun,
Sondern mit den Grundwerten von Fairness und Gerechtigkeit.
Und deshalb gilt das nicht nur für Hetero-Beziehungen.
Aber wenn ich zum Beispiel mit Frauenbeziehungen arbeite oder mit Männern,
Dann merke ich,
Dass dieses Thema der Aufgabenteilung dort oft weniger Bedeutung hat.
Und ich denke eben,
Das hat was mit diesen traditionellen Rollenvorbildern zu tun und dann auch mit einer damit größeren Selbstverständlichkeit zur Verantwortung hin.
Aber das ist nur eine subjektive Beobachtung.
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