11:45

Abhängigkeit in Beziehungen & emotionale Verstrickungen

by Claudia Bechert-Möckel

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Warum emotionale Verstrickungen echte Gefühle ersticken und die Liebe sterben lassen. Hast du manchmal das Gefühl, ohne Deinen Partner unvollständig oder irgendwie nur halb zu sein? Möchtest Du am liebsten 24 Stunden rund um die Uhr mit ihm oder ihr zusammen sein oder ihn oder sie keine Minute aus den Augen lassen? Fällt es Dir schwer zu vertrauen, kontrollierst Du ihn oder sie vielleicht sogar manchmal heimlich und schämst Dich dafür? Dann ist diese Episode für Dich. Abhängigkeit in Beziehungen ist ein weit verbreitetes Beziehungsmuster.

Transkription

Hallo und herzlich Willkommen,

Hier ist Claudia vom Leben lieben lassen Podcast.

Es geht um abhängig verstrickte Beziehungen.

Die kommen sehr viel häufiger vor als man meint,

Ich erlebe das in der Paarberatung immer wieder.

Was es genau bedeutet,

Sich vom anderen abhängig zu machen,

Was dahinter steckt und wie man sich aus der Falle der emotionalen Abhängigkeit befreien kann,

Darum geht es in diesem Podcast.

Gehörst Du vielleicht auch zu den Menschen,

Die nicht alleine sein können?

Hast Du vielleicht manchmal das Gefühl,

Ohne Deinen Partner unvollständig oder irgendwie nur halb zu sein?

Möchtest Du am liebsten 24 Stunden rund um die Uhr mit ihm oder mit ihr zusammen sein oder ihn oder sie keine Minute aus den Augen lassen?

Fällt es Dir schwer,

Zu vertrauen?

Kontrollierst Du sie oder ihn vielleicht zu geheimlich und schämst Dich dafür?

Dann ist dieser Podcast etwas für Dich.

Abhängigkeit in Beziehungen ist ein weit verbreitetes Beziehungsmuster.

Man merkt es den Betroffenen nicht wirklich auf den ersten Blick an,

Denn meist wirken sie sehr souverän,

Scharf und außerordentlich selbstbestimmt.

Sie wissen genau,

Was sie wollen,

So scheint es zumindest.

Doch wenn sich dahinter ein brüchiges Selbstwertgefühl verbirgt,

Führt das nicht selten in eine emotionale Bedürftigkeit,

Dem Gefühl nämlich,

Ohne den anderen nichts wert zu sein.

Der berühmte amerikanische Sexualtherapeut David Schnarch spricht von einem geborgten oder gespiegelten Selbstwertempfinden.

Was bedeutet das genau?

Gibt es jemanden,

Der mich schätzt,

Der für mich da ist und mir seine Aufmerksamkeit und Bewunderung schenkt,

Dann kann ich auch mit mir selbst zufrieden sein oder mich zumindest okay fühlen.

Zeigt mir also mein Partner seine bedingungslose Liebe,

Dann ist das sozusagen meine Quelle der Selbstliebe und der Beweis,

Dass ich liebenswert bin.

Je weniger ein Mensch zur Selbstakzeptanz,

Selbstfürsorge und Selbstliebe fähig ist,

Umso mehr braucht er für seine eigene innere Stabilität die Zuwendung,

Die Aufmerksamkeit und die Liebe eines anderen.

Und das führt dazu,

Dass der Beziehungspartner zuständig wird für das eigene Selbstwertgefühl.

Dabei entsteht eine Disbalance,

Weil ich mir selbst nicht geben kann,

Was ich vom anderen brauche.

Menschen,

Die sich in eine solche emotionale Abhängigkeit verstricken,

Geben also die Verantwortung für ihr eigenes Befinden an ihren Partner ab.

Und dabei leiden sie innerlich Höllenqualen.

Sie leben nämlich in der ständigen Angst,

Den anderen zu verlieren.

Und das große Misstrauen,

Das sie beherrscht,

Lässt sie die persönlichen Grenzen des anderen durchbrechen,

Aber auch ihre eigenen.

Sie spionieren,

Sie fordern oder bitten,

Sie manipulieren ganz geschickt mit Argumenten und fühlen sich dabei doch innerlich ungenügend,

Klein und hilflos.

Das Gefühl von Wertlosigkeit vergrößert sich dabei immer weiter.

Und die emotionale Abhängigkeit wächst.

In der Beratung spreche ich dann gerne von einem Ich durch Dich.

Und Betroffene erkennen sich daran meist sofort wieder.

Ich bin erst durch Dich vollständig und liebenswert.

Ich brauche Dich.

Ohne Dich kann ich nicht sein.

Du musst für mich da sein.

Und dabei wird die Beziehung zu einem emotionalen Gefängnis.

Denn der Partner,

Der fühlt sich nach der anfänglichen großen Verliebtheit bald schon erdrückt,

Überfordert und irgendwie unfrei,

Weil er sich einer ständigen Erwartungshaltung und natürlich auch vielen Vorwürfen gegenüber sieht.

Und wie sehr er oder sie sich auch anstrengt und bemüht,

Den Partner oder die Partnerin zufriedenzustellen,

Es reicht irgendwie nie.

Die Vorwürfe,

Die Erwartungen und die Kritik und das Bitten nehmen kein Ende.

Eifersucht wird dann immer mehr zum Problem,

Auch das Schuldgefühl wächst,

Weil man sich für den anderen verantwortlich fühlt oder weil einem Schuldgefühle eingeredet werden.

Jeder Versuch,

Etwas für sich selbst oder seine eigene Entwicklung zu tun,

Wird als Ablehnung oder gegen die Beziehung gerichtet verstanden und mit Vorwürfen belegt.

Ständige Diskussionen sind die Folge und die drehen sich immer und immer wieder um die gleichen Themen.

In solchen Beziehungen kommt das Selbst,

Also das eigene Ich,

Kaum noch vor.

Das meist unbewusste Ziel ist die Verschmelzung zu einem größeren gemeinsamen Ich,

So eine Art symbiotischer Verbindung.

Die Beziehung erstickt in einer erzwungenen Nähe,

Die für beide als Belastung erlebt wird.

Und die wahren Hintergründe der emotionalen Abhängigkeit sind da bei den beiden Partnern meist gar nicht bewusst.

In der Folge sterben langsam aber sicher die wirklichen Gefühle für den anderen.

Gefühle entstehen nun einmal aus Freiwilligkeit und nicht aus Verpflichtung.

Wird der Druck zu groß,

Stirbt die Liebe wie ein zartes Pflänzchen,

Das niedergetrampelt wird.

Dabei wächst das schlechte Gewissen und die innere Leere und am Ende fühlen sich beide aussichtslos in ihrer Beziehung gefangen.

Das eigentlich lebendige Beziehungssystem wird starr und bewegungslos,

Eine Patsituation,

Die sich in endlosen Grabenkämpfen,

Diskussionen und bitteren Vorwürfen verstärkt.

Natürlich ist es ganz normal,

Wir wünschen uns alle Zuwendung und Liebe,

Wir wollen angenommen und akzeptiert werden,

Wie wir sind,

Und wir streben nach Beziehungen,

Ganz einfach,

Weil wir soziale Lebewesen sind,

Es sind also unsere Grundbedürfnisse.

Doch sich etwas zu wünschen oder etwas zu bevorzugen bedeutet nicht,

Sich davon abhängig zu machen und es um jeden Preis zu erzwingen oder sich selbst dafür aufzugeben.

Und genau das ist der Unterschied zwischen Bedürftigkeit und Freiwilligkeit.

Wenn ich die Liebe meines Partners brauche,

Damit ich mich selbst liebenswert fühlen kann,

Dann bin ich bedürftig,

Ich bin mir selbst nicht genug.

Und die Grenze zur emotionalen Abhängigkeit ist dort,

Wo ich bereit bin,

Meine eigenen Grenzen dafür zu übergehen.

Das fällt Betroffenen oft gar nicht auf,

Denn sie kennen dieses Verhaltensmuster schon ihr ganzes Leben lang.

Sie passen sich an den jeweiligen Partner scheinbar ideal an,

Übernehmen seine Interessen,

Erfüllen alle Bedürfnisse,

Teilen seine Meinung,

Seine Hobbys und sehen das als ganz normalen Weg an,

Um geliebt zu werden.

Denn das ist überlebensnotwendig,

Weil es das ist,

Was sie sich selbst nicht geben können.

Um in einer Beziehung zu Hause zu sein,

Muss ich erst einmal in mir selbst wohnen und auch dem anderen die Möglichkeit lassen,

Selbst auch bei sich zu bleiben,

Nur so ist eine lebendige Beziehung möglich.

Denn genau genommen besteht eine Beziehung nicht nur aus einem Wir,

Also unserer Verbindung,

Sondern auch aus einem Ich und einem Du.

Auch in einer Beziehung bleiben wir nämlich,

Wer wir sind,

Ein Individuum mit eigenen Bedürfnissen,

Prägungen,

Erfahrungen,

Einer Art,

In der Welt zu sein,

Die einmalig ist.

Und auch unser Gegenüber,

Also unser Partner oder unsere Partnerin,

Lebt in seiner eigenen Wahrnehmungs- und Bedürfniswelt.

Das ist soweit erstmal vollkommen normal,

Sorgt aber in Beziehungen immer wieder für Probleme,

Wenn es darum geht,

Eine gemeinsame Sichtweise zu finden,

Bzw.

Die Ansichten des Partners oder der Partnerin überhaupt erst einmal zu akzeptieren.

Denn die Wahrheit ist,

Obwohl wir in einer gemeinsamen Realität leben,

Erlebt jeder der beiden Partner eine eigene innere Wirklichkeit.

Das Phänomen kennst du wahrscheinlich auch,

Denn es ist die Grundlage für manchen Streit.

Das Wir,

Also unsere Beziehung,

Ergibt sich gewissermaßen aus der Überschneidung der beiden Welten,

Das Ich und das Du.

In einer gesunden Beziehung hat das Ich genauso Raum wie das Du des Anderen und das gemeinsame Wir.

Jeder der beiden Partner kann wachsen.

Zusammen ist man dann mehr als die Summe der Teile.

In abhängig verstrickten Beziehungen allerdings bleiben beide Partner klein,

Können also das eigene Ich genauso wenig entwickeln,

Wie sie dem Du des Anderen Raum zum Wachsen lassen.

Ein hermetisch abgeriegeltes System der Angst entsteht,

Ein erstarrtes Wir.

Ohne Bewegung,

Ohne Inspiration,

Ohne Wachstum.

Man fühlt sich zusammen nicht mehr wohl und alleine auch nicht.

Manche Beziehungen halten auf diese Weise über sehr viele Jahre.

Doch für die trügerische Sicherheit zahlt man einen sehr,

Sehr hohen Preis.

Solche Beziehungen sind gekennzeichnet von einem großen Mangel an Vertrauen,

An Angst und Unsicherheit und vielen Streits und Diskussionen.

Und irgendwann kommt der Tag,

Da fällt einem der Partner auf,

Dass die Liebe verschwunden ist und dann beginnt der Kampf erst richtig,

Denn es ist für beide Partner in abhängig verstrickten Beziehungen meist außerordentlich schwer,

Die Sache aufzulösen.

Es gibt keine Sicherheit in unserem Leben,

Nur verschiedene Grade von Unsicherheit.

Das gilt auch für Beziehungen und obwohl mir das wirklich auch nicht immer gefällt,

Ist das nun mal eine der Realitäten des Lebens.

Die vielen Trennungen von Paaren und die qualvollen Dramen,

Die dabei entstehen können,

Zeigen Auch ein Versprechen wie die Ehe ist keine Garantie für eine gelingende Beziehung.

Die beste Voraussetzung für Beziehungsfähigkeit ist die Entwicklung einer gesunden Selbstbeziehung.

Der Fähigkeit,

Mich anzunehmen und zu akzeptieren,

Wie ich bin,

Mich selbst zu regulieren und selbstbestimmt handeln zu können.

Es geht dabei nicht darum,

Ein Egoist oder ein Einsiedler zu werden,

Keine Angst.

Es geht um ein Ich-durch-mich.

Ich bin durch mich selbst.

Es geht genau genommen um die Fähigkeit zur Autonomie.

Und die gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen genauso wie das Bedürfnis nach Bindung.

Autonomie und Bindung sind quasi zwei Pole,

Zwischen denen eine erfüllte Beziehung balanciert,

In einem Verhältnis von Distanz und Nähe.

Und daraus wächst Anziehungskraft,

Leidenschaft und der Wunsch nach einem freiwilligen Wir.

Menschen,

Die es als Kind schwer hatten,

Ein gesundes Selbstwertempfinden zu erlernen,

Fällt es auch in Beziehungen oft schwer,

Sie selbst zu bleiben.

Sie wünschen sich quasi mit einem Partner zu verschmelzen,

Sie klammern oder manipulieren.

Und sie machen sich selbst klein dabei.

Das alles ist eine unbewusste Strategie,

Um das verlorene Paradies der Kindheit von Sicherheit,

Geborgenheit,

Schutz und Annahme zu erreichen.

Oft haben solche Menschen ein schlechtes Selbstbild,

Das durch den Partner Ganzheit und Stabilität erfahren soll.

Und weil sie schwer vertrauen können,

Brauchen sie immer neue Beweise,

Dass sie von ihrem Partner oder ihrer Partnerin geliebt werden.

Und dennoch reichen diese Beweise nie aus,

Um Vertrauen zu erreichen.

Denn das Loch des mangelnden Selbstwertgefühles ist wie ein Fass ohne Boden.

Es kann niemals durch jemand anderen dauerhaft gefüllt werden.

Das klingt erstmal nach einer bitteren Enttäuschung,

Ich weiß.

Aber es gibt einem auch die Macht zurück,

Denn es bedeutet,

Dass ich selbst etwas tun kann,

Um mein Selbstwertempfinden aus mir heraus zu entwickeln.

Dafür ist es nie zu spät und ich möchte Dir wirklich gerne dafür Mut machen,

Denn das ist der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben und für glückliche Beziehungen.

Wenn Du das Gefühl hast,

Dass das Thema dieses Podcastes etwas mit Dir und Deiner Beziehung zu tun hat,

Dann kannst Du Dir zuerst einmal ganz für Dich folgende Fragen ehrlich beantworten.

Aber Achtung,

Die Wahrheit kann manchmal wirklich wehtun.

1.

Bin ich in dieser Beziehung aus Angst,

Aus Liebe oder aus Hoffnung?

2.

Wenn ich keine Angst hätte und mir sicher sein könnte,

Dass alles richtig ist und dass ich von allen Zustimmung für meine Entscheidung bekomme,

Was würde ich dann am liebsten in Bezug auf meine Beziehung tun?

3.

Wann war ich das letzte Mal in dieser Beziehung wirklich glücklich?

Ich bin gespannt,

Was Du für Dich herausfindest und ich freue mich natürlich wie immer,

Wenn Du Deine Erfahrungen mit mir und anderen Bloglesern teilen möchtest.

Alles Gute,

Bis zum nächsten Mal,

Deine Claudia.

4.8 (151)

Neueste Bewertungen

Robbi

March 20, 2024

This hits too close for comfort. 😢

Kerstin

June 18, 2023

Top Erklärung, die mir zum ersten Mal verständlich gemacht hat, warum ich immer wieder in emotionalen Abhängigkeiten und Verstrickungen lande

Michaela

February 20, 2023

Claudia Danke für wieder wichtige Denkanstöße

Angela

November 3, 2022

Den Komplex so nachvollziehbar in simpel aufklärender Sprache anschaulich herausgestellt. Wunderbar!

Nancy

August 22, 2022

Ich habe schon so viel gelernt durch diesen Podcast: über mich, meine Beziehungen und auch wie ich mein Leben und die Beziehung zu mir verbessern kann. Claudia hat so eine tolle Stimme und bringt alles so verständlich rüber! Ich kann sie nur empfehlen!

Nela

June 14, 2022

Es trifft einfach eins zu eins auf mich zu. Aber wie schafft man es da raus? Wie schafft man es sich selbst zu genügen und Selbstbewusstsein und selbstliebe aufzubauen, wenn man es nie hatte? Es wäre schön, wenn es dazu einen podcast geben würde 😊

Steff

February 2, 2022

Sehr logisch und schlüssig erklärt! Dankesehr

Sai

September 12, 2021

Sehr gut

guestAndroid-1601412980514-c37586ab554696b4

October 1, 2020

Danke für diese kathartische Lektion! Sehr hilfreich!

Peggy

April 27, 2020

Lehrreicher Podcast! Vielen Dank dafür!

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