
Der kleine Bach, der nicht still sein konnte
Eine sanfte Einschlafgeschichte für Kinder: Ein junger Bach plätschert unermüdlich durch die Landschaft – fröhlich, lebendig, voller Geschichten. Doch mit der Nacht kommt die Stille, und der Bach lernt, wie schön es sein kann, zur Ruhe zu kommen. Eine poetische Reise in die Stille, mit sanften Naturbildern und meditativen Elementen zum Einschlafen. Ideal für Kinder ab 5 Jahren.
Transkription
Es war ein warmer Tag gewesen.
Die Sonne hatte die Wiesen getrocknet,
Die Blumen geöffnet und den Himmel weit und hell gemacht.
Jetzt war es Abend.
Die Farben wurden weicher und über dem Tal lag eine Stille,
Wie sie nur abends kommt.
Doch mitten in dieser Stille,
Da plätscherte es.
Unermüdlich,
Lebendig,
Fröhlich.
Der kleine Bach war noch wach.
Er sprudelte über die Steine,
Gluckste zwischen den Wurzeln und kicherte,
Wenn er an Moospolstern vorbei plätscherte.
Er war noch jung und er konnte einfach nicht still sein.
Psst,
Flüsterte ein Blatt,
Die Vögel schlafen schon.
Psst,
Raunte das Gras,
Die Kinder im Dorf auch.
Aber der kleine Bach hörte nicht hin.
Oder vielleicht hörte er schon.
Aber er konnte einfach nicht aufhören.
Er war voller Kraft und voller Geschichten,
Die er erzählen wollte.
Von glitzernden Kieseln,
Von einem Käfer,
Der tanzen konnte,
Von einem Wassertropfen,
Der die Wolken berührt hatte,
Von einer Libelle,
Die in der Dämmerung wie Glas in der Sonne funkelte.
Er war ein Bach und Bäche reden nun mal viel.
Er erzählte dem Moos von der Sonne,
Den Steinen von seinem Weg.
Den Halmen am Ufer flüsterte er Neuigkeiten zu,
Die er aus dem Wald mitgebracht hatte.
Dann kam die Nacht.
Langsam und lautlos wurde es immer dunkler.
Ein kühler Hauch lag in der Luft.
Der kleine Bach wurde langsamer.
Nicht,
Weil er musste,
Sondern weil es sich so anfühlte,
Als dürfte er.
Der Wind war gegangen.
Die Eule saß schon still im Baum.
Und auch das Gras bewegte sich kaum.
Der Bach hörte die Stille.
Zuerst ein bisschen erstaunt,
Dann neugierig und dann war es,
Als würde er sie mögen.
Er ließ sich gleiten.
Weniger sprudeln,
Mehr fließen.
Langsam.
Er sah die Sterne über sich und sie sahen zurück.
Aber so viel Ruhe.
Ein Reh stand am Ufer und äßte.
Ein Vogel rückte im Schlaf sein Gefieder zurecht.
Ein Igel tappte durch das Gras und verschwand darin.
Der Bach war noch da.
Nicht mehr voller Worte,
Sondern voller Stille.
Der kleine Bach konnte nicht atmen.
Aber wenn er es gekonnt hätte,
Hätte er genau jetzt tief eingeatmet und dann wieder ausgeatmet.
Während du jetzt da liegst,
Kannst du den Bach hören.
Ein leises Plätschern.
Das ruhiger wird.
Sanfter.
Weicher.
Du musst nichts tun.
Nur lauschen.
Nur liegen.
Nur still werden.
So wie der kleine Bach,
Der heute zum allerersten Mal ganz still geworden ist.
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