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Der Innere Heißluftballonweg · Kapitel 3/8

by Sascha Planert

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Kapitel 3 widmet sich dem ersten Schritt des Heißluftballonwegs: Anhalten. Es zeigt, warum innere Veränderung nicht mit Tun beginnt, sondern mit dem Bemerken der Flamme – deiner gegenwärtigen Präsenz. Anhalten bedeutet nicht, Gedanken oder Gefühle zu stoppen, sondern einen Moment aus dem Reagieren herauszutreten. So entstehen Raum, innere Weite und die Möglichkeit, wieder wirklich zu spüren.

Transkription

Kapitel 3 Anhalten die Flamme bemerken,

Immer wieder neu.

Bevor ein Heißluftballon steigen kann,

Geschieht etwas ganz Einfaches.

Der Pilot wendet sich der Flamme zu.

Solange er nur mit dem Ballon beschäftigt ist,

Mit allem,

Was gehalten,

Geprüft und gesichert werden muss,

Bleibt seine Aufmerksamkeit im Reagieren.

Er korrigiert,

Er sorgt sich,

Er steuert.

Doch der Moment des Starts beginnt woanders.

Er beginnt dort,

Wo der Pilot innehält und die Flamme bemerkt.

So beginnt auch dein innerer Weg.

Der gewöhnliche Zustand,

Reaktionsmodus.

Die meiste Zeit deines Lebens befindest du dich im Reaktionsmodus.

Du bist beschäftigt mit Gedanken,

Gefühlen,

Problemen,

Erwartungen,

Inneren Spannungen.

Etwas geschieht und sofort folgt eine automatische Reaktion.

Bewerten,

Erklären,

Planen,

Verteidigen,

Vermeiden,

Kontrollieren.

Das ist menschlich.

Doch in diesem Modus bist du so sehr mit dem beschäftigt,

Was in dir geschieht,

Dass du nicht mehr bewusst anwesend bist.

Du bist nur noch im Geschehen verwickelt.

Das ist der Reaktionsmodus.

Hier wird vor allem an den Stricken gezogen.

Was Anhalten wirklich ist.

Anhalten bedeutet nicht,

Dass Gedanken aufhören,

Dass Gefühle verschwinden,

Dass Probleme sich lösen.

Anhalten ist viel einfacher.

Du trittst innerlich einen Schritt aus dem Reagieren heraus und wirst wieder präsent.

Du bist nicht mehr vollständig identifiziert mit dem,

Was du denkst oder spürst.

Du bist wieder wahrnehmend,

Gegenwärtig,

Stillinnerlich wach.

Das ist Anhalten.

Das Gewicht der Sandsäcke bleibt.

Die Flamme der Präsenz.

Normalerweise ist die Flamme selten das,

Womit du bewusst in Kontakt bist.

Nicht weil sie fehlt,

Sondern weil deine Aufmerksamkeit fast vollständig im inneren Geschehen gebunden ist.

Gedanken,

Gefühle und Spannungen verleiten dich zum Reagieren,

Ins Erklären,

Ins Tun,

Ins Ziehen an den Stricken.

Während all das geschieht,

Tritt deine Präsenz in den Hintergrund.

Du bist dann in dem versunken,

Was in dir vorgeht,

Statt bewusst wahrzunehmen.

Nicht als Fehler,

Vielmehr als gewohnter Zustand des Menschseins.

Präsenz ist dabei nicht verschwunden,

Aber sie bleibt unbemerkt.

Sobald du gewahr wirst,

Dass da etwas ist,

Das all dem vorausgeht,

Wird die Flamme wieder bemerkt.

Sie wird nicht entfacht,

Sie ist die ganze Zeit da.

Und genau dadurch verschiebt sich etwas,

Nicht im Inhalt,

In deiner Beziehung zu dem,

Was gerade geschieht.

Der innere Stillstand vor dem Aufstieg.

Stell dir den Ballon vor.

Der Korb ist bereit.

Die Sandsäcke sind da.

Die Stricke sind befestigt.

Die Hülle ist gespannt.

Doch noch geschieht keine Bewegung.

Niemand zieht,

Niemand treibt an,

Niemand greift ein.

Es ist kein leerer Zustand,

Es ist ein wacher Stillstand.

Genauso ist inneres Anhalten.

Kein Abschalten,

Kein Wegtreten,

Kein Betäuben,

Sondern ein bewusster Moment vor jedem inneren Eingreifen.

Die Last ist noch da,

Aber der Zug daran pausiert.

Anhalten ist kein Tun,

Sondern ein Umschalten.

Viele versuchen,

Anhalten aktiv herzustellen.

Durch Techniken,

Durch Atemmuster,

Durch innere Befehle.

Doch Anhalten geschieht nicht durch Anstrengung.

Es geschieht in dem Moment,

In dem du innerlich erkennst,

Ich muss das gerade nicht lösen.

Ich muss das gerade nicht verändern.

Du erlaubst dir für einen Augenblick einfach da zu sein,

Nicht als Rückzug,

Sondern als Präsenz,

Als ein Innehalten vom gedanklichen Zugriff.

Verkörperte Praxis,

Die Flamme bemerkbar.

Setze oder stelle dich ruhig hin.

Spüre,

Ohne etwas zu verändern.

Deine Atmung.

Deinen Körper.

Den Raum um dich herum.

Und dann richte deine Aufmerksamkeit nicht auf ein Problem,

Nicht auf einen Gedanken,

Nicht auf ein Gefühl.

Sondern auf dieses einfache Empfinden,

Ich bin jetzt hier.

Mehr ist nicht nötig.

Gedanken dürfen da sein.

Gefühle dürfen da sein.

Geräusche dürfen da sein.

Du bist nicht in ihnen.

Du bist einfach da.

Das ist die Flamme der Präsenz.

Ohne Flamme kein Auftrieb.

Solange du nur reagierst,

Bist du im Denken gebunden oder im Fühlen verfangen.

Dann gibt es keinen inneren Auftrieb.

Erst durch das Bemerken der Flamme entsteht Abstand,

Raum,

Innere Weite,

Erste Freiheit.

Nicht durch Kontrolle,

Durch Präsenz.

Erst dann beginnt Bewegung.

Ohne Flamme kein Steigen.

Anhalten geschieht nicht nur einmal.

Vielleicht stellst du dir Anhalten gerade wie einen einmaligen Start vor.

Doch im wirklichen Leben ist es etwas anderes.

Anhalten ist das wiederholte Bemerken der Flamme.

Immer dann,

Wenn du merkst,

Dass du dich erneut im Reaktionsmodus verloren hast.

Manchmal genügt ein einziger Atemzug,

Ein inneres Innehalten,

Ein stilles Wahrnehmen.

Manchmal ist es nur der Gedanke,

Ah,

Ich bin gerade wieder ganz im Ziehen.

Immer wenn du das bemerkst,

Bekommt die Flamme von selbst wieder Raum und das Spüren rückt näher.

Der natürliche Sinkflug.

Der natürliche Sinkflug.

Wenn du die Flamme längere Zeit nicht bemerkst,

Wenn du wieder ganz in Gedanken und Gefühlen aufgehst,

Dann geschieht kein Fehler.

Dann geschieht etwas ganz Natürliches.

Der Ballon beginnt langsam zu sinken.

Nicht als Strafe,

Nicht als Versagen,

Sondern als Folge davon,

Dass die Aufmerksamkeit wieder ganz im Reagieren aufgegangen ist.

Sinkflug bedeutet nicht,

Dass der Weg nicht funktioniert.

Sinkflug bedeutet nur,

Du darfst wieder anhalten.

Und jedes neue Anhalten wirkt wie ein erneutes Freilegen der Flamme.

Ein erneutes Nachlassen des gedanklichen Zugs.

Commitment,

Wenn Anhalten zur inneren Haltung wird.

Je öfter du anhältst,

Je öfter du die Flamme bemerkst,

Je öfter du aus dem Reaktionsmodus zurücktrittst,

Desto natürlicher geschieht es.

Dann ist Anhalten kein besonderer Moment mehr,

Keine erinnerte Wiederholung.

Es wird zu einer inneren Grundhaltung,

Ein stilles,

Verlässliches Zurückkehren zu dir selbst.

Die Flamme brennt nicht stärker durch Willen.

Sie wirkt freier,

Weil du sie immer seltener überdeckst.

Wenn du anhältst und die Flamme wieder bemerkst,

Wird etwas möglich.

Du kannst wieder wirklich spüren.

Nicht als Drama,

Nicht als Widerstand.

Als direkter Kontakt mit dem,

Was im Körper getragen wird.

Das Gewicht ist noch da,

Aber jetzt wird es spürbar.

Der nächste Abschnitt handelt deshalb vom zweiten Schritt.

Spüren.

Das Gewicht der Sandsäcke im Körper erfahren.

Mini-Übung Anhalten im Alltag Nimm dir heute drei Momente vor.

Einen am Morgen,

Einen mitten im Alltag,

Einen am Abend.

In jedem dieser Momente tue nur eines.

Still werden.

Einen Atemzug nehmen,

Die Flamme bemerken.

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