
Trauern um nicht Gewordenes
Sterbenlassen, Trauern und Abschiednehmen verbinden wir meist mit dem Tod eines geliebten Menschen. Weniger jedoch mit Träumen, Wünschen und Hoffnungen, die in unserem Inneren existiert haben oder existieren und nicht Wirklichkeit geworden sind. Dabei ist dieses Verabschieden oft genauso schmerzhaft wie der Tod im Außen.
Transkription
Herzenswege und Schwellenzeiten.
Der Podcast mit Sabrina Gundert.
Wir trauern sehr häufig,
Wenn Menschen gestorben sind,
Wenn eine Beziehung in die Brüche gegangen ist.
Doch wir haben selten das Trauern und die Trauer auf dem Schirm,
Wenn etwas nicht geworden ist,
Wenn sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt hat,
Wenn ein bestimmter Lebensumstand nicht mehr ist,
Wenn aufgrund von Alter,
Gebrechlichkeit oder einfach Dingen und Ausgangslagen,
Die sich im Leben verändert haben,
Bestimmte Dinge nicht mehr möglich sind,
Ich nicht mehr so leben kann,
Wie ich es mir vorgenommen habe,
Ich eine bestimmte Ausbildung nicht machen kann,
Ich einen bestimmten Beruf nicht erlernen kann,
Wenn ich Visionen hatte,
Träume,
Hoffnungen für mein Leben und diese sich nicht erfüllt haben,
Wenn der Mensch an meiner Seite nicht mehr so ist,
Wie er einmal war,
Wenn ich mir eine gemeinsame Zukunft ausgemalt habe,
Die aber nicht mehr möglich ist,
Die Trauer um das,
Was nicht ins Leben gekommen ist.
Und in dieser Folge geht es darum,
Warum es wertvoll ist,
Auch das zu betrauern,
Was nicht geworden ist und wie das zum Beispiel aussehen kann.
Den Tod haben wir meist nur auf dem Schirm,
Wenn wirklich jemand stirbt.
Wir denken selten oder weniger häufig an trauern,
Sterben lassen,
Abschied nehmen und Tod,
Wenn etwas nicht geworden ist in unserem Leben.
Es hat somit keinen sichtbaren Ausdruck im Äußeren bekommen.
Es ist nicht sichtbar geworden für uns und für andere Menschen.
Wir konnten es nicht anfassen und greifen.
Und doch war es ja in uns lebendig.
Wir haben es in uns gesehen.
Wir haben diese Vorstellung gehabt von unserem Leben.
Es war ganz greifbar in unserem Inneren,
Aber nicht im Außen.
Und deshalb ist es oft so schwierig,
Es wirklich anzuerkennen und zu sehen,
Dass es da etwas gibt und dass wir trauern dürfen,
Dass es da etwas gibt,
Das betrauert werden will,
Weil es sonst in uns gärt.
Und indem wir den inneren Tod von Wünschen,
Hoffnungen,
Träumen gleichstellen mit dem äußeren Tod,
Bekommen wir die Chance und Möglichkeit,
Wirklich Abschied zu nehmen.
Das Sterbenlassen passiert nicht nur bei einem Menschen,
Der stirbt,
Nicht nur bei einem Beziehungsaus.
Die Prozesse von Sterben,
Tod,
Trauern und Abschied vollziehen sich genauso,
Wenn etwas in uns stirbt,
Wenn eine Hoffnung,
Eine Vision,
Ein Lebenstraum,
Ein Wunsch nicht mehr möglich ist,
Nicht ins Leben gekommen ist.
Und was können wir machen in solchen Momenten?
Wir können das,
Was in uns ist und was nicht geworden ist,
Sichtbar machen.
Es aufschreiben,
Aufmalen,
Mit den Händen formen.
Es kneten,
Mit Ton zum Beispiel,
Ihm eine Form geben.
Wir können ein Symbol finden für das,
Was wir in uns gespürt haben,
Was als Lebenstraum,
Als Wunsch da war.
Wir können ihm einen Ort geben in unserer Wohnung,
In unserem Haus,
Es hinstellen,
Das Bild,
Das Symbol,
Um dann nach einer Zeit des Trauerns und Sichtbarmachens eine Form des Abschieds zu wählen.
Das,
Was wir gestaltet haben oder das Symbol zu vergraben,
Zu verbrennen,
Ins Feuer zu geben,
In den Wind zu hängen,
Ins Wasser zu geben oder in die Erde.
Nicht damit es weg ist,
So wie wir Verstorbene ja auch nicht begraben,
Damit sie weg sind,
Also vor allem nicht vom Emotionalen her,
Sondern damit sie ihre letzte Ruhestätte finden,
Damit etwas gewandelt wird,
Der Körper gewandelt wird.
So ist es auch mit diesen inneren Träumen und Wünschen.
Wir vergraben etwas,
Wir verbrennen etwas,
Damit es gewandelt wird und damit dieser Sterbeprozess sichtbaren Ausdruck bekommt.
Das Sterben führt zum Trauern,
Die Trauer führt zum Sterben lassen.
Indem wir trauern,
Erlauben wir,
Dass die Dinge sterben,
Kommen wir in den Abschiedsprozess und durch den Abschiedsprozess entsteht Raum,
Der sich füllen kann mit Neuem,
Nach einer Zeit des Leerwerdens und in der Stille,
In dem Nichtwissen,
In dem leeren Raumstehens.
Es braucht unser Sterben lassen und Abschied nehmen,
Damit das Neue überhaupt geschehen kann.
Wenn wir wollen,
Dass etwas Neues in unser Leben kommt,
Weil das Alte nicht geworden ist und nicht mehr werden wird,
Tun wir gut daran,
Diesem Abschied nehmen und sterben lassen,
Raum zu geben,
Weil dadurch Raum für Neues entsteht,
Weil dadurch wieder Raum in uns entsteht und weil dadurch vor allem die Tränen fließen können,
Die Wut sein kann,
Die Trauer sein kann,
Die Verzweiflung sein kann,
All die Gefühle,
Die wir vielleicht bislang unterdrücken oder gedeckelt halten,
Weil wir denken,
Sie dürfen nicht sein.
Da ist ja nichts im Außen,
Worum ich trauern kann und da ist aber sehr wohl etwas in deinem Inneren,
Worum du trauern kannst.
Und indem du das sichtbar machst,
Indem du dem Raum gibst und indem du für das ein stimmiges Abschlussritual findest,
Kann es Raum bekommen,
Kann es sich zeigen,
Kann es sichtbar werden,
Muss es nicht mehr schwelen in dir und entsteht damit auch Platz und Raum und Zeit für Neues.
Also meine Ermutigung heute an dich,
Das was in dir ist und was vielleicht nicht geworden ist,
Aufzuschreiben,
Sichtbar zu machen,
In deiner Form auszudrücken,
Es damit zu würdigen,
Ihm einen Platz in deinem Leben zu geben und es dann zu verabschieden und auf diese Weise auch schon zu verabschieden,
Weil damit Raum und Kraft entsteht für Neues.
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