
Muss ein Seitensprung das Ende der Beziehung bedeuten?
Glaubt man den Umfragen, dann ist den meisten Menschen, die in einer Beziehung leben Treue absolut wichtig. Und doch macht ein Großteil der Menschen dann doch irgendwann im Leben eigene Erfahrungen mit dem Fremdgehen. Wie bitteschön passt denn das zusammen? Das tut so weh, das fühlt sich so verletzend an, wenn man auf der einen Seite steht, und es ist so ein innerer Konflikt verbunden mit jeder Menge Schuldgefühlen, wenn man das Ganze von der anderen Seite erlebt.
Transkription
Vor ein paar Tagen,
Da war ich als Beziehungscoach und Paarberaterin beim MDR eingeladen zu einer Live-Sendung zum Thema Untreue,
Seitensprung,
Affären und wie damit umgehen.
Und dann habe ich dort die Fragen der Hörer beantwortet.
Und ehrlich,
Es gab so viele Fragen,
Auf die ich einfach vom Zeitrahmen her überhaupt nicht eingehen konnte.
Und es gab so viele berührende Geschichten und so viele Emotionen,
So viel Redebedarf,
Sodass ich beschlossen habe,
Dieses heiße Eisen,
Fremdgehen,
Das ja so ein sehr,
Sehr verletzliches Gelände ist,
Die Beziehungsdramen,
Die dadurch ausgelöst werden und auch die Frage,
Wie kann man denn wieder einen Weg zurückfinden und geht das überhaupt,
Nochmal anzufassen und eine ganze Podcast-Folge dazu zu machen,
Weil uns ja das Thema irgendwie und in irgendeiner Weise alle irgendwann in unserem Leben betrifft.
Leben lieben lassen.
Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Glaubt man den Umfragen,
Dann ist den meisten Menschen,
Die in einer Beziehung leben,
Treue absolut wichtig.
Und doch macht ja ein Großteil der Menschen irgendwann im Leben eigene Erfahrungen mit dem Fremdgehen.
Wie bitteschön passt denn das zusammen?
Das tut so weh,
Das fühlt sich so verletzend an,
Wenn man auf der einen Seite steht und es ist so ein innerer Konflikt,
Verbunden mit einer Ladung an Schuldgefühlen,
Wenn man das Ganze von der anderen Seite erlebt.
Es sind einfach zwei komplett verschiedene Perspektiven und das macht es so,
So schwer.
Hast du das auch schon mal erlebt?
Und damit herzlich willkommen bei Leben lieben lassen.
Superschön,
Dass du da bist.
Ich bin Claudia,
Persönlichkeits- und Beziehungscoach.
Ich unterstütze Menschen dabei,
Sich selbst und andere zu verstehen und gelingende Beziehungen zu führen.
Und da liegt es ja auf der Hand,
Dass ich sehr,
Sehr oft mit Menschen zu tun habe,
Die riesen Krisen erleben in ihrer Beziehung,
Wegen eben Affären,
Seitensprüngen,
Fremdgehen und die einfach nicht mehr weiter wissen.
Ich könnte ganze Bücher schreiben über die Geschichten,
Die ich da erlebe,
Aber der Grundtenor ist immer der gleiche.
Was ist passiert?
Muss ein Seitensprung das Ende unserer Beziehung bedeuten?
Untreu,
Zu verzeihen,
Wie geht denn das eigentlich und was braucht es dafür?
Lässt sich die Liebe nach dem Fremdgehen reparieren?
Deswegen beantworte ich heute bei Leben lieben lassen,
Zehn häufige Fragen zum Umgang mit dem Thema Fremdgehen.
Ja,
Und ganz grundsätzlich lässt sich ja zum Thema Fremdgehen-Affären-Seitensprung sagen,
Es ist ein super heißes Eisen.
Es berührt unsere Grundängste,
Verlustangst,
Unser Bedürfnis nach Sicherheit ist torpediert.
Vielleicht steht alles in Frage,
Die ganze Beziehung,
Aber auch der ganze weitere Weg,
Der Lebensentwurf,
Der gemeinsame.
Und es gibt ja nicht so den einen Grund für den Seitensprung.
Die Gründe dafür sind so wie alles sehr,
Sehr individuell.
Aber man kann schon sagen,
Manchmal sind das eben rein sexuelle Affären,
Die dann passieren,
Wenn man mal so aus seinem Alltag raus ist,
Bei der Kur,
Im Urlaub,
Auf einer Dienstreise,
Auf Feiern vielleicht,
Wo so klassisch auch Alkohol im Spiel ist oder Drogen vielleicht auch.
Und dann gibt es so diese Affären,
Wo Menschen eigentlich,
Ohne dass sie es wissen,
Sozusagen aus ihrem Beziehungsalltag fliehen.
Beziehungsweise in Wirklichkeit fliehen sie ja vor dem Mensch,
Der sie in der Beziehung geworden sind.
Und da geht es dann am Ende wirklich immer um unerfüllte Bedürfnisse,
Ungelöste Konflikte,
Unausgesprochenes und Ungeklärtes,
In dem man sich eingerichtet hat und wo man auch gar nichts mehr unternommen hat.
Und dann kommt so irgendwann dieser Mensch vorbei,
Wo man sich plötzlich gesehen und gemocht und geschätzt fühlt und dann eben diesen einen Schritt zu weit geht.
Aber nähern wir uns diesen ganzen Fragen der Reihe nach.
Zuerst einmal,
Warum,
Bitteschön,
Verletzt es uns denn so,
So sehr,
Vom Partner oder der Partnerin betrogen zu werden?
Tja,
Wenn wir uns auf eine Beziehung einlassen,
Dann gehen wir ja so in der Regel von einer Exklusivität dieser Beziehung aus.
Und es spielt dann auch gar keine Rolle,
Ob wir das miteinander besprochen haben oder nicht.
Die meisten Menschen haben ja einfach ein bestimmtes Beziehungsbild im Kopf,
Das sind so Werte und Vorstellungen,
Auf denen die Beziehung basiert,
Und auf die haben wir uns quasi ausgesprochen oder unausgesprochen geeinigt.
So ein bisschen kann man sich das vorstellen wie das Fundament eines Hauses.
Zu diesen Werten,
Die das Fundament bilden,
Gehören unter anderem Treue,
Respekt,
Ehrlichkeit,
Aber eben auch Verlässlichkeit,
Also Sicherheit und Vertrauen.
Und wenn diese Werte dann einseitig verletzt oder außer Kraft gesetzt werden,
Dann gerät das Fundament der Beziehung ins Wanken.
Und manchmal bricht es dann sogar auseinander.
Wir fühlen uns verraten von dem Menschen,
Von dem wir das am wenigsten erwartet hätten.
Das fühlt sich wie Verrat an und das tut so unglaublich weh.
Außerdem ist ja nicht nur die Beziehung in Gefahr,
Sondern auch mein Lebensentwurf,
Meine Zukunftsvision und mein Selbstwertgefühl leidet enorm.
Geht der Partner fremd oder die Partnerin,
Wird in uns ein starkes Nicht-Okay-Gefühl ausgelöst bzw.
Aktiviert.
Irgendwas an mir scheint dann nicht gut genug,
Nicht schön genug oder irgendwie zu wenig zu sein.
Sonst hätte sich der andere ja nicht anderweitig umgesehen,
Oder?
Das tut so,
So weh.
Die zweite Sache ist die,
Wenn aus einem Ich und einem Du ein Wir entsteht,
Ist das so ein ganz besonders magischer Moment.
Zwischen zwei Menschen,
Also unserem Partner und uns,
Entsteht etwas,
Das ich einen Beziehungsraum nenne.
Und von diesem Bild habe ich ja auch schon sehr auf dem Podcast gesprochen.
Unser Beziehungsraum,
Den wir zusammen geschaffen haben,
Das ist so eine Art emotionales Zuhause für uns.
Ein Ort,
An dem wir uns sicher,
Geborgen und angekommen fühlen wollen.
An dem wir so angenommen und geliebt sein wollen,
Wie wir sind.
Da ist eine gewisse Vertraulichkeit.
Und um uns in diesen emotionalen Beziehungsraum hinein geben zu können,
Müssen wir uns ja öffnen.
Das schafft Nähe und es ist auch die Grundlage von Beziehung,
Aber es macht eben auch sehr,
Sehr verletzlich.
Denn wenn diese Intimität und Vertrautheit des geschützten Beziehungsraumes von einem Partner verletzt wird,
Einseitig oder aufgekündigt,
Dann ist das ein bisschen so,
Als würdest du in deinem eigenen Zuhause überfallen werden.
Dort,
Wo du besonders schutzlos bist.
Und das fühlt sich natürlich dann an wie eine Opferperspektive.
Der andere oder die andere ist halt der Täter oder die Täterin.
Und ganz schnell passiert es dann auch,
Dass die Betrogenen die Schuld sofort bei sich suchen.
Aber muss es überhaupt an mir oder an unserer Beziehung liegen,
Wenn ich betrogen werde?
Ich versuche ja,
In meiner Arbeit generell das Wort Schuld zu vermeiden.
Denn wenn einer schuld ist,
Dann muss es ja auch den anderen geben,
Der nichts dafür kann.
In der Außenansicht,
Wie gesagt,
Sieht das oft so aus.
Das arme Opfer,
Betrogen und allein der böse Täter,
Der der Fremd geht.
Ich verstehe total gut,
Dass sich das im ersten Moment des Schocks nach einem Seitensprung für die Betroffenen auch so anfühlt.
Weil sie ja keinen Einfluss haben auf das,
Was passiert.
Diese Machtlosigkeit,
Die einfach damit zu tun hat,
Dass man vor Fakten steht,
Auf die man keinen Einfluss hat,
Das macht es verdammt schwer,
Auf Augenhöhe zu kommen.
Auch die Unvorbereitetheit,
Mit der es einen trifft.
Trotzdem arbeite ich dann mit meinen Klientinnen und Klienten in der Bewältigung daran,
Aus der Opferperspektive herauszukommen und die Selbstbestimmtheit zurückzuerlangen.
Denn aus einer Haltung von Kleinheit und Abhängigkeit heraus ist es ja gar nicht wirklich möglich,
Die so notwendige Beziehungsarbeit nach einem Seitensprung wirklich zu bewältigen.
Wir brauchen diese Augenhöhe dafür.
Außerdem stelle ich in meiner Arbeit immer wieder fest,
Dass das,
Was der fremdgehende Beziehungspartner tut oder getan hat,
Sehr viel mehr mit ihm oder ihr selbst zu tun hat,
Als mit der Beziehung an sich oder den jeweils anderen.
Es ist nämlich oft ein eigener Mangel an Selbstwert,
Ein riesengroßes Bedürfnis nach Wertschätzung und Liebe,
Das Menschen in Fremdbeziehungen und Affären reintreibt.
Denn ich werde ja dort mit Aufmerksamkeit und Wohlwollen quasi beschienen wie mit Sonnenlicht.
Und sehr,
Sehr oft erst teilt auch die Affäre oder der Seitensprung so eine Art Fluchttreppe aus einem zu eng gewordenen Beziehungsraum.
So eine Art vielgeleitete Lösungsstrategie.
Ein emotionaler Notausgang.
Und das soll bitteschön überhaupt keine Rechtfertigung sein.
Wenn man einseitig den Beziehungsraum aufreißt,
Dann ist das immer eine Entscheidung.
Die hat man getroffen.
Und für die muss man auch gerade stehen.
Und natürlich hat man damit eine Abmachung gebrochen.
Oder eine gemeinsame Vereinbarung.
Nämlich die der Exklusivität,
Wie ich es schon gesagt habe.
Aber es gibt eben,
Besonders in Langzeitbeziehungen,
Immer eine Vorgeschichte dazu.
Und da benutze ich dann nochmal das Bild vom Beziehungsraum.
Stellt ihr das mal so vor wie ein schönes Wohnzimmer.
Licht und hell,
Alles ist schick arrangiert.
Und da steht ihr euch am Anfang eurer Beziehung gegenüber und denkt,
Klasse,
Wunderschön ist das hier,
So soll es bleiben.
Das haben wir so schön eingerichtet,
Diesen Beziehungsraum.
Aber das Leben hat halt was anderes im Sinn.
Bald schon bringt es euch einen ersten Sack mit Müll vorbei.
Das mag ein Problem sein,
Das von außen irgendwie herangetragen wird,
Das geklärt werden muss oder wo es eine Meinungsverschiedenheit gibt.
Jedenfalls ist da plötzlich ein Sack mit Müll im schönen Beziehungsraum.
Das passiert immer und zwangsläufig in jeder Beziehung.
Das habe ich auch ausführlich in der Episode Die Jahreszeiten der Liebe über die Phasen in der Beziehung schon besprochen.
Kannst du gerne nochmal reinhören.
Es ist also normal,
Dass es irgendwann zu Schwierigkeiten kommt.
Immer.
Aber jetzt kommt es wirklich darauf an,
Wie man zusammen in der Lage ist,
Diesen Müllsack auszuräumen und wegzupacken.
Also die Probleme gemeinsam zu lösen.
Und das hängt so ein bisschen davon ab,
Welche Konfliktlösestrategien wir haben.
Und die haben wir in der Regel aus unserer Herkunftsfamilie mitgebracht.
Traue ich mich,
Ehrlich zu sein?
Oder bin ich eher ein Harmoniestreber,
Der jeden Anflug von Konflikt sofort abwehren und unter den Teppich kehren muss?
Oder bin ich vielleicht ein Streithammel,
Der sich immer durchsetzen muss?
Es gibt sehr,
Sehr unterschiedliche Konfliktlösestrategien und viele,
Die nicht so gut gelingen.
Je nachdem,
Wie Problembewältigung und Kommunikation in der Beziehung funktionieren,
Ist der Müll bald weg oder der Sack bleibt stehen.
Am Anfang ist das noch nicht so schlimm,
Da läuft man einfach dumm herum.
Es ist ja trotzdem noch hell und freundlich im Beziehungsraum.
Da muss man nicht auf den Sack mit Müll achten.
Diese eine kleine Sache.
Aber,
Und das liegt in der Natur von Langzeitbeziehungen,
Die dauern eben.
Und die Müllsäcke werden mehr.
Hat man bei den ersten Problemen,
Also den ersten Müllsäcken,
Noch keine geeignete Strategie miteinander entwickelt,
Dann resigniert man irgendwann.
Es sieht dann so aus wie,
Ach,
Wir können das einfach nicht miteinander lösen.
Und dann fängt man an,
Heikle Themen zu vermeiden.
Und der Müll stapelt sich.
So lange,
Bis es muffig und eng im einst so schönen Beziehungsraum geworden ist.
Und während man dann so tut,
Als wären die ganzen Müllsäcke nicht da,
Geht irgendwann einer der beiden Beziehungspartner die Fluchttreppe hinunter.
Einfach,
Weil man es nicht mehr erträgt,
Dass so viel ungeklärtes Zeug zwischen einem rumsteht und das eine das so belastet.
Wenn man zum Beispiel viel arbeiten ist,
Viel unterwegs,
Dann kann das eine der Fluchttreppen sein und nicht immer nimmt man die bewusst.
Dann ist man nämlich einfach raus aus der Enge des Beziehungsraumes und nicht da.
Dann muss man nicht so viel Unangenehmes spüren.
Wenn man tankt oder im Computer verschwindet,
Also Sucht so als großes Thema,
Dann kann das auch eine der Fluchttreppen sein aus einem eng gewordenen Beziehungsraum.
Oder eben Affären und Fremdbeziehungen.
Dann geht es mir nämlich wieder besser.
Dass es dann da draußen außerhalb der Beziehung jemanden gibt,
Der mich toll findet,
Der mich anziehend findet,
Der mich so findet,
Wie mich mein Beziehungspartner oder meine Partnerin am Anfang der Beziehung gesehen hat,
Das ermöglicht es dann vielen,
Und es klingt wirklich paradox,
Es besser im eng gewordenen Beziehungsraum auszuhalten.
Denn dann hat man sich seine Bedürfnisse nach Liebe und Wertschätzung anderswo erfüllt.
Wenn ich mit Paaren an diesen Themen arbeite,
Dann stellt sich immer wieder heraus,
Dass eine der tieferen Ursache für die Entstehung der Möglichkeit eines Seitensprungs in der Beziehungsgeschichte zu finden ist.
Die Affäre ist vielleicht der offensichtliche Grund für das aktuelle Beziehungsproblem und,
Das muss ich immer wieder sagen,
Es ist eine Entscheidung des Einzelnen und damit auch dessen Verantwortung.
Aber die Entstehungsgeschichte,
Wie es überhaupt möglich wurde,
Dass da Raum für jemanden anders entstanden ist,
Das darf man in der Regel in der Beziehung suchen.
Natürlich,
Das klingt erst einmal total erschreckend,
Aber es gibt einem als Paar auch die Macht zurück,
Diese Themen in der Beziehung anzuschauen und aufzulösen,
Wenn man es wirklich will.
Und so wird manchmal die Katastrophe der Entdeckung einer Affäre zu einem völligen Neuanfang in der Beziehung.
Und ich habe auch immer wieder von Klienten gehört,
Wenn es das nicht gegeben hätte,
Wenn es diesen Break in unserer Beziehung nicht gegeben hätte,
Dann wären wir heute gar nicht da,
Wo wir sind.
Natürlich passiert es erst am Ende eines längeren Prozesses,
Wenn Vertrauen zurückgewonnen wurde und wenn es auch eine Art wirkliche Verantwortungsübernahme und auch eine Wiedergutmachung gibt.
Und man mag es kaum glauben,
Aber es ist wahr,
Die wenigsten Affären haben einfach nur mit Sex zu tun.
Es geht natürlich um Sex,
Aber in der Tiefe geht es immer auch um unerfüllte Bedürfnisse nach Liebe und Verständnis,
Nach Leidenschaft und Nähe oder eben auch um die Fluchtstrategien aus anstrengend gewordenen Beziehungen.
Natürlich lösen sich auf diese Weise Beziehungsprobleme nicht.
Und um das zu verstehen und zu verändern,
Hilft es eben nicht,
Nur die Schuldfrage zu stellen.
Da geht es auch um Verantwortung.
Und wenn man ganz,
Ganz ehrlich zu sich selbst ist,
Kann man sich auch mal fragen,
Wann habe ich mich eigentlich selbst betrogen,
Bevor ich von meinem Partner oder meiner Partnerin übergangen und betrogen wurde?
Habe ich vielleicht mich selbst gar nicht so ernst genommen in der Beziehung?
Habe ich mich vielleicht zurückgestellt?
Habe ich vielleicht auch die Probleme einfach gar nicht sehen wollen,
Die es schon lange zwischen uns gab?
Wann habe ich mich selbst im Stich gelassen,
Hinten angestellt?
Sich solche Fragen zu stellen,
Kann wirklich helfen,
Von der Schuldfrage wegzukommen und hin zur Verantwortung.
Eine wichtige Frage,
Die auch häufig gestellt wird,
Ist die,
Sollte man immer alle seinem Partner oder seiner Partnerin beichten?
Das ist eine komplexe Frage,
Die kann man gar nicht so eindeutig mit Ja oder Nein beantworten.
Die Frage ist für mich eher,
Wie definiert man denn so einen Seitensprung?
Ich erlebe nämlich immer wieder,
Dass die Verletzung der Intimität,
Der Barbeziehung,
Gar nicht als rein körperlicher Akt beim Sex gesehen wird,
Sondern die beginnt schon dort,
Wo mein Partner oder meine Partnerin einem anderen Menschen die Nähe,
Die Zuneigung und die Vertraulichkeit schenkt,
Die mir in der Beziehung fehlt oder die in der Beziehung überhaupt nicht mehr gelebt werden kann.
Also jemand anderes bekommt das,
Was eigentlich doch mir zusteht.
Das ist es nämlich vor allem,
Was Menschen als Verrat empfinden.
Der Scheinwerfer der Aufmerksamkeit meines Partners oder meiner Partnerin ist auf jemanden anders gerichtet und ich stehe irgendwo im Schatten,
Verloren und hilflos und alleine.
Und dann ist es natürlich so,
Wer mit Schuldgefühlen wegen einer bestehenden Affäre kämpft und Angst hat,
Die Karten auf den Tisch zu legen,
Der sollte sich wirklich mal fragen,
Was er sich selbst wünschen würde in so einem Fall.
Würdest du wirklich lieber im Dunkeln bleiben oder würdest du gerne die Wahrheit wissen,
Egal wie weh sie tut?
Zu wissen,
Mit was man es wirklich zu tun hat,
Anstatt Lügen aufgetischt zu bekommen,
Das ist meine Erfahrung nach das,
Was sich alle Menschen wünschen.
Denn wir können ja nur mit dem umgehen,
Was wir auch wissen.
Und wenn man irgendwann später erfährt,
Dass man mit einer schönen Illusion oder Lüge vielleicht schon mehrere Jahre lang gelebt hat,
Dann ist es auf lange Sicht gesehen noch verletzender als die harten Fakten der Wahrheit.
Und oft höre ich dann ja so Sachen wie,
Ja,
Ich möchte eigentlich meinen Partner beschützen und deswegen möchte ich es ihm lieber nicht sagen.
Aber bitteschön,
Vor was willst du denn deinen Partner beschützen?
Vor der Wahrheit,
Die längst schon passiert ist?
Und bist du sicher,
Dass dieser Mensch dein Beschütztwerden auch will?
Oder ist es nicht eher deine eigene Angst und der Versuch,
Die Kontrolle über diese Situation zu bekommen?
Und ist das wirklich fair?
Also bitte,
Stell dir hier die Frage,
Was würdest du in einer Situation wirklich,
Wirklich wollen?
Und in meinen Augen hat es etwas auch mit Respekt und Achtung vor dem jeweils anderen zu tun,
Ihn nicht im Dunkeln zu lassen über das,
Was in der Beziehung gerade passiert.
Weil das erzwingt ja dann Fremdbestimmtheit.
Und wer von uns will das bitte schön haben?
Und natürlich steckt dahinter auch immer die Besorgtheit.
Muss denn das vielleicht das Ende der Beziehung bedeuten,
Hilfe?
Nein,
Das muss es nicht zwingend.
Natürlich,
Viele Menschen,
So klischeehaft,
Sagen gerne,
Ja,
Also wenn mir das passiert,
Dann beende ich sofort die Beziehung.
Ist ja auch logisch,
Klingt ja auch aus Sicht von außen ganz,
Ganz einfach,
Das so zu machen.
Wenn es aber dann tatsächlich passiert,
Wenn man selber betroffen ist,
Sieht die Sache ganz anders aus.
Es gibt nämlich jede Menge,
Was einen in einer längeren Beziehung verbindet und kaum jemand will das einfach so über Bord werfen.
Man hat ja richtig was zu verlieren.
Also ist ja die Frage,
Wie geht man denn als Paar damit um?
Und da ist natürlich ganz,
Ganz wichtig die Frage,
Gibt es eine Bereitschaft,
Sich wirklich ehrlich zu machen und die oberflächlichen als auch die tieferen Gründe für diese Entwicklung zu beleuchten?
Sind wir bereit,
Unsere Beziehung neu auszurichten,
Etwas zu verändern?
Übernehme ich hier Verantwortung für meine eigene Entscheidung und versuche ich auch tatsächlich,
Das Vertrauen meines Paten aus meiner Partnerin wieder zurückzugewinnen?
Und auf der anderen Seite,
Mache ich mein Herz tatsächlich wieder auf?
Und sind wir bereit,
Gemeinsam neue Erfahrungen zu machen in der Brauchsaktivitäten von beiden Seiten?
Beziehungen sind so wie lebendige Wesen.
Die sind in Bewegung,
Sie brauchen Nahrung.
Sie müssen gefüttert werden,
Sonst sterben sie einfach.
Um den Weg zurückzufinden,
Ist eine professionelle Unterstützung wirklich hilfreich,
Aber es gibt auch jede Menge wunderbare Bücher dazu.
Und natürlich macht es da auch einen Unterschied,
Ob es sich um einen One-Night-Stand nach einer durchzechten Nacht handelt oder eben um eine Affäre,
Bei der richtig Emotionen eine Rolle spielen.
Was ich wirklich sagen kann,
Was nicht funktioniert,
Ist die Methode Augen zu und durch.
So quasi,
Okay,
Jetzt haben wir das offengelegt,
Jetzt fangen wir einfach nochmal neu an,
Aber im Grunde machen wir genau das Gleiche wie vorher weiter.
Dieselbe Beziehungsdynamik,
Wir haben gar nicht weiter tiefer unter die Decke geschaut.
Und dann kann man das wirklich wie in einer Glaskugel sehen,
Das geht dann eine Weile gut und dann steht dieselbe Thematik wieder im Raum.
Wie ist es denn dann also mit einer Affäre,
Die vielleicht schon mehrere Monate ging oder gar Jahre?
Tja,
Auch da gilt,
Mach dich auf jeden Fall ehrlich.
Redet miteinander,
Auch wenn es wehtut und auch mit der Absicht,
Wirklich zuhören zu wollen,
Auch wenn einem dann nicht alles gefallen wird,
Was gesagt wird.
Und dann findet gemeinsam heraus,
Wie es so weit kommen konnte,
Wie ihr gemeinsam an so einen Punkt kommen konntet,
Wo einer sich dann für sich auf den Weg alleine gemacht hat.
Und wie soll es denn jetzt damit weitergehen?
Das ist ja auch so,
Wenn man betrogen wurde,
Dann möchte man im ersten Moment alles,
Alles nur um den Partner zurückzubekommen.
Vergeht aber dann die Zeit und es wird einem klar,
Dass dieser Verrat eigentlich auch innen etwas mit einem gemacht hat,
Also das Vertrauen nachhaltig erschüttert hat,
Dann fällt es oft schwer,
Einen Weg zurückzufinden,
Auch wenn man sich das so sehr wünscht.
Und da ist es eben dann wichtig zu schauen,
Was verbindet uns denn eigentlich noch trotz des ganzen Desasters?
Was ist unbeschädigt vom Seitensprung und wie können wir darauf wieder aufbauen?
Und da ist eine tiefgründige Beziehungsarbeit nötig,
Um eben das Vertrauen wieder herzustellen und eine neue Beziehungsbasis zu schaffen,
In der beide sich wieder wohlfühlen.
Das ist wie gesagt keine Schnellschusssache,
Das ist ein längerer Prozess,
Aber es beginnt immer mit der Entscheidung füreinander.
Wenn aber der Beziehungspartner,
Der eine längerfristige Affäre hat oder eine Zweitbeziehung,
Sich nicht entscheiden kann,
Und das kommt auch nicht so selten vor,
Dann liegt die Entscheidung darüber,
Sich im Klaren zu werden,
Wo man eigentlich wirklich hingehört,
Wo man hin möchte,
Wirklich erst einmal bei einem selbst.
Oft wird ja mit allen Mitteln versucht,
Ihn oder sie umzustimmen,
Zu überreden,
Mitschuldgefühlen zu lenken,
Irgendwie zu beeinflussen.
Das kann man auch nachvollziehen,
Aber es geht selten gut.
Man kann einfach nicht am Gras ziehen,
Dass es wächst und man kann auch niemanden überreden,
Einen zu lieben.
Liebe braucht Freiwilligkeit,
Immer,
Auch wenn das manchmal weh tut.
Und besonders heftig wird das,
Wenn jemand in einer Affäre sich dann schon verliebt hat,
Wenn es dann eben doch schon zu einer Verbundenheit gekommen ist.
Die Verliebtheit macht,
Dass wir uns wirklich wie ins Licht gezogen fühlen.
Da ist erst einmal alles nur hell und freundlich auf dieser Seite mit diesem neuen Menschen und da gibt es keine Verantwortung und keinen alten Ballast.
Und auf der anderen Seite,
Da steht dann die Beziehungspartnerin oder der Beziehungspartner,
Da ist der ganze Beziehungsmüll,
Da sind die ungeklärten Themen,
Da ist sozusagen die Schattenseite,
Wo man selber nicht so gerne hinguckt.
Und jetzt kann man sich ja vorstellen,
Wenn dann natürlich der entsetzte Beziehungspartner die Partnerin versucht,
Uns zu beeinflussen,
Versucht,
An unserer Verantwortung zu appellieren,
Dann ist natürlich der Sog,
Ins Licht zu wollen,
Noch sehr viel größer.
Und deswegen rate ich dann tatsächlich auch dazu,
Nicht etwa die Beziehung sofort zu beenden,
Aber eben auch nicht,
Den anderen mit allen Mitteln überzeugen zu wollen.
Wenn dir das passiert,
Wenn du betrogen wirst,
Überstürze bitte erstmal nichts.
Auch wenn es sich so anfühlt,
Als würdest du in ein endloses schwarzes Loch fallen.
Das ist ein emotionaler Ausnahmezustand.
Dein Urbedürfnis nach Sicherheit ist verletzt worden und es bringt erstmal einen Absturz mit sich,
Wenn du herausfindest,
Dass da noch jemand anders ist.
Und in zweidrittelnaler Fälle sind es tatsächlich die Beziehungspartner,
Die selbst den Seitensprung herausfinden,
Anstatt dass ihnen das offenbart wird.
Und das fühlt sich natürlich doppelt schrecklich an.
Da ist es wirklich gut,
In diesem Ausnahmezustand,
Sich erst einmal zu sammeln,
So gut das möglich ist,
Mit Vertrauten zu sprechen,
Auch seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Es ist okay zu weinen und auch sich verzweifelt zu fühlen.
Und dann bitte redet miteinander,
Auch wenn das schwierig ist.
Das ist der einzige Weg,
Sich wiederzufinden,
Sich Fragen zu stellen und sich zuzuhören,
Auf Augenhöhe zu bleiben und bei aller Verletztheit aus der Täter-Opfer-Spirale zu entkommen.
Was sich super bewährt hat dabei,
Ist zum Beispiel zu zweit spazieren zu gehen und zu reden.
Raus aus den vier Wänden.
Diese Bewegung und dieses Aus-den-alten-Mustern-rauszukommen,
Das bringt auch die Gedanken und die Gespräche ins Fließen.
Und was auch sehr häufig passiert,
Die Affäre,
Also der Mensch,
Die Menschen,
Mit dem Partner oder Partnerin eine Affäre haben,
Stehen ja so als Täter oder Täterin da.
Diese Menschen werden zum Feindbild aufgebaut,
Da wird sich daran abgearbeitet.
Aber das ist die falsche Richtung der Bewältigung.
Nämlich,
Das ist nur der unbewusste Versuch,
Den Partner,
Die Partnerin heilzen zu lassen.
Und das ist das Problem,
Der unbewusste Versuch,
Den Partner,
Die Partnerin heilzulassen und zu idealisieren.
So quasi der oder die arme Verführte kann ja gar nichts dafür.
Ehrlich,
Das wird niemandem gerecht.
Jeder trägt die Verantwortung für seine Entscheidung.
Niemand wird einfach nur so verführt.
Also Offenheit ist wahnsinnig wichtig,
Selbstehrlichkeit und vor allem Mut zum Risiko.
Reinen Tisch machen,
Auf jeden Fall.
Wenn ich aus Angst vor dem Risiko,
Dass mein Partner oder meine Partnerin vielleicht mich verlassen wird,
Wenn ich die Wahrheit sage,
Wenn ich deswegen die Hälfte verschweige,
Wird es kurzfristig gut gehen.
Langfristig wird das immer wieder zur Falle.
Ich erlebe nämlich immer wieder,
Dass durch einen dummen Zufall auch noch die letzte Wahrheit ans Licht kommt.
Irgendwann.
Und das ist für ein neu aufgebautes Vertrauen tödlich.
Wenn man gerade wieder angefangen hat,
Sich auf sicherem Boden in der Beziehung zu fühlen und dann kommt noch so eine Wahrheit daher geflattert,
Von der man nichts wusste,
Dann fühlt man sich aufs Neue verraten.
Und was man auch nicht vergessen darf,
Wenn jemand wirklich sich ehrlich gemacht hat,
Wenn jemand die Karten auf den Tisch legt,
Dann tritt oft eine regelreichte Erleichterung ein,
Weil dann die Sache von der Seele geredet ist.
Und dann steht alles ungeschönt im Raum.
Und zwar von beiden Seiten,
Diese Ehrlichkeit.
Dann ist man endlich auf dem Boden der Tatsachen angekommen und das bringt oftmals auch so eine Art Ruhe nach dem ganzen chaotischen Sturm mit sich.
Ehrlichkeit ist also nach meiner Meinung der Königsweg und das hat auch,
Wie gesagt,
Was mit Achtung und Respekt voreinander zu tun,
Sich selbst mit dem zu konfrontieren,
Was ist,
Und auch den anderen.
Ich möchte wirklich,
Wirklich euch dafür Mut machen,
Denn das lohnt sich,
Wo die Angst ist,
Da geht auch der Weg lang.
Wie kann man es also dann schaffen,
Die Krise zu überstehen?
Tja,
Also zum einen mit den beschriebenen Strategien von offener Kommunikation,
Mit denen man in der Beziehung ausloten kann,
Wo wir da eigentlich hingelangt sind,
Ob es eng oder unlebendig geworden ist,
In welche Rollen und Funktionen wir uns verstrickt haben,
Wo sich einfach der ganze Beziehungsmüll angesammelt hat.
Und dann natürlich,
Was wünschen wir uns wirklich in der Beziehung und wie können wir das in unserer Beziehung leben?
Was müsste sich denn da ändern?
Und was ist denn der Anteil eines jeden Einzelnen daran?
Und wenn man das herausgefunden hat,
Dann geht es darum,
Aktiv die Beziehung zu gestalten,
Anstatt sie einfach nur so laufen zu lassen.
Das Schöne ist,
Jede neue positive Erfahrung,
Die man zusammen macht,
Die schafft auch eine neue Basis.
Und die schafft neues Vertrauen.
Deshalb lohnt es sich,
Seine Aufmerksamkeit bewusst darauf zu richten,
Anstatt nur in der Vergangenheit bei der Kränkung zu leben.
Aber natürlich braucht es auch etwas,
Um diese Kränkung zu verarbeiten und zu verdauen.
Und das ist in der Regel eine ganz klare Entscheidung des Beziehungspartners,
Der eben aus der Beziehung ausgebrochen ist,
Eine Wiedergutmachung herzustellen und dem anderen entgegenzukommen,
Damit er sein Vertrauen wiederherstellen kann.
Das ist nämlich ein Prozess.
Und auch dieses Vertrauen wiederherstellen beginnt mit einer bewussten Entscheidung.
Möchte ich denn meinem Partner,
Meiner Partnerin wieder vertrauen?
Ich brauche da ein absolutes Ja,
Um diesen Weg zu gehen.
Denn das Vertrauen ist ja in mir selbst zerbrochen und dort kann ich es auch nur wieder ganz machen.
Natürlich kann mir mein Partner,
Meine Partnerin dabei helfen.
Dazu muss ich aber sagen,
Was mir dafür wichtig ist.
Aber niemand kann das Vertrauen in mich hineintun.
Ja,
Ich möchte dir wieder Vertrauen lernen,
Das ist eine bewusste Entscheidung,
Diesen neuen Weg zu gehen,
Obwohl ich noch Angst habe.
Und da brauchst du einen kleinen Vertrauensvorschuss.
Und dann würde ich ja mal sagen,
Setz dir eine zeitliche Markierung,
Dass du praktisch schauen kannst,
Ob dein Vertrauen gewachsen ist oder nicht.
Und wenn ich noch Bedenken habe oder Eifersucht,
Gibt es wirklich reale Anhaltspunkte für meine Bedenken?
Was könnte denn mein Partner,
Meine Partnerin tun,
Um diese auszuräumen?
Bewegt mein Partner oder meine Partnerin sich in meine Richtung und kommen die mir entgegen?
So tastet man sich langsam wieder vor.
Und auf diese Weise kriegt man seine Selbstbestimmtheit zurück,
Anstatt immer wieder neue Verdächtigungen zu machen,
Zu kontrollieren oder zu klammern.
Niemand kann ja die Vergangenheit ändern.
Aber man kann so viel dafür tun,
Um das jetzt so zu gestalten,
Dass die Zukunft anders sein kann.
Und wie gesagt,
Wer eine Affäre hatte und sich bewusst dafür entschieden hat,
In der Beziehung zu bleiben,
Der soll auch die Bereitschaft haben,
Die Verantwortung für seine Entscheidung zu übernehmen und dazu zu stehen.
Ausflüchte helfen da überhaupt nicht,
Wenn man sich in der Beziehung entscheidet.
Also das Bagatellisieren,
Dem anderen die Schuld zuzuschieben.
Ach,
Das war doch gar nichts weiter.
Ehrlich,
Das ist mega achtlos.
Da wird dann manchmal so was gesagt wie,
Wenn du mit mir mehr Sex gehabt hättest,
Dann hätte ich auch keine Affäre gehabt.
Das ist viel zu einfach und das bringt auch keine Lösung.
Das ist so ähnlich wie Frisurter Stirb.
Stattdessen sag einfach die Wahrheit.
Zeig deine Gefühle.
Auch wenn du das Ganze bedauerst und das Gefühl hast,
Auch wenn du das Ganze bedauerst und achte auch auf deine eigenen Grenzen.
Einen Fehler gemacht zu haben,
Bedeutet nämlich nicht,
Dass du für immer auf dem Boden und im Dreck riechen musst oder ein schlechter Mensch bist.
Aber hab bitte auch Verständnis dafür,
Dass deine Beziehungspartnerin oder dein Beziehungspartner am Anfang ein großes Sicherheitsbedürfnis hat.
Hier ist nämlich Einfühlsamkeit gefragt.
Und dann wie gesagt,
Investiert in eine neue lebendige Beziehung,
Die im Jetzt und Hier stattfindet.
Schüttet euer Wir,
Macht kleine Rituale,
Nehmt euch Zeit füreinander,
Entwickelt gemeinsame Ziele,
Schenkt euch Aufmerksamkeit,
Nähe und Berührungen.
Es ist nämlich oft die mangelnde Grundversorgung,
Die Beziehungen fehlt.
Und es gibt wunderschöne Rituale,
Um Verletzungen loszulassen,
Damit sie die Macht über die Beziehung verlieren.
Man kann zum Beispiel die ganzen Kränkungen und verletzten Gefühle auf kleine Zettel schreiben und sie verbrennen oder beerdigen.
Man kann eine gemeinsame Beziehungsvision auf einen Zettel schreiben und in einen Luftballon binden und steigen lassen.
Das alles sind kleine wirksame Unterstützungen für den gemeinsamen Prozess.
Ja,
Und was mache ich mit meinem kaputtgegangenen Selbstwert?
Bei Untreue?
Untreue des anderen wird als sehr starke persönliche Kränkung erlebt.
Es ist so,
Als ob uns etwas weggenommen wurde.
Aber der andere gehört uns ja überhaupt nicht.
Und deswegen versuche ich mit meinen Klienten vom gekränkten Stolz auf das kaputte Selbstwertgefühl zu schauen.
Und wieder zu lernen,
Etwas zu tun,
Was einem Selbstwert gibt,
Nämlich den,
Den man tatsächlich hat.
Mein Selbstwert ist in Wirklichkeit nicht von Partner oder Partnerin abhängig,
Auch wenn sich das so anfühlt.
Also such bitte Anerkennung und Bestätigung nicht ausschließlich in der Partnerschaft,
Sondern auch in anderen Bereichen deines Lebens.
Freunde,
Hobbys,
Dinge,
Die dich interessieren,
Leidenschaften,
Sport.
Lass dich aus deiner Größe heraus und mach dich unabhängiger von der Beziehung.
Denn du bist nicht die Verletzung,
Du bist so viel mehr.
Wenn du dich nicht mehr nur auf die Kränkung,
Die Verletzung oder das Im-Stich-Gelassen-Werden konzentrierst,
Wirst du das bald spüren.
Und zum guten Schluss nochmal die Sache mit dem Sex.
Viele erleben ja,
Dass in Langzeitbeziehungen die Sexualität irgendwann nachlässt.
Muss das so sein?
Wenn wir verliebt sind,
Dann ist das mit der Leidenschaft natürlich ein riesen Ding,
Dass diese Anziehungskraft mit der Zeit etwas nachlässt,
Heißt aber nicht,
Dass sie vollkommen verschwinden muss,
Die Leidenschaft.
Es sind vielmehr die Gewohnheiten,
Der Alltagstrott und die Funktionalität der Beziehung,
Die kaum noch Raum für Leidenschaft und Erotik zulassen.
Viele Beziehungen,
An die ich reinschauen darf,
Sind wie gut funktionierende Wohngemeinschaften.
Die Partner ziehen zwar an einem Strang und meistern den Alltag,
Die Kindererziehung und die vielen Verpflichtungen,
Aber sie sparen total an sich selbst,
An der Beziehung,
Für die sie oft weder Aufmerksamkeit noch Zeit investieren.
Das braucht es aber.
Wie gesagt,
Eine Beziehung ist lebendig.
Ihr seid nicht nur Eltern,
Ihr seid nicht nur ein Team,
Ihr seid auch ein Liebespaar.
Einen Abend pro Woche als Paar,
Ein Beziehungswochenende oder einen romantischen Abend,
Plant etwas aktiv,
Anstatt zu warten,
Dass etwas passiert.
Gelegenheit macht Liebe,
Aber diese Gelegenheit muss man auch schaffen.
Außerdem braucht unsere Anziehungskraft einen Wechsel von Distanz und Nähe.
Sind wir nämlich zu vertraut,
Zu gewohnt,
Zu strukturiert,
Greifen zu sehr Hand in Hand,
Dann ist es zwar gut für unser Bedürfnis nach Sicherheit,
Aber es ist auch der Tod der Anziehungskraft.
Leidenschaft ist ein Spiel,
Ein Abenteuer,
Keine Verpflichtung.
Näheüberflutung,
Ständiges sich-zu-sicher-sein,
Macht es der Anziehungskraft schwer.
Was ich auch empfehle,
Für einen kleinen Leidenschafts-Refresh in Paarbeziehungen,
Dass man mal so eine kleine erotische Wunschliste schreibt und sich darüber austauscht.
Das ist sehr verlockend und verführerisch.
Jeder schreibt für sich auf,
Was er so für Träume hat oder was er sich vorstellen kann in seinen kühnsten Visionen,
Was ihn richtig anmachen würde.
Und dann redet man mal darüber.
Du wirst schauen,
Was dabei herauskommt.
Denn auch wenn zum Beispiel Pommes mit Ketchup dein Lieblingsessen ist,
Es wird irgendwann langweilig.
Also probiert zusammen was Neues.
Und es macht natürlich auch Sinn,
Sich mal wieder so zu verabreden,
Wie früher,
Sich zu einem Date zu treffen.
Hauptsache,
Man kommt mal raus aus dem immer gewohnten,
Immer gleichen Trott der Langzeitbeziehung.
Denn während am Anfang der Verliebtheitsphase die Leidenschaft quasi von selbst geschieht,
Dürfen wir später etwas dafür tun,
Damit sie lebendig bleibt.
Und das geht auch.
Und das wünsche ich dir von Herzen.
Untertitel von Stephanie Geiges
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