
Wie Du Den Raum Für Andere Hältst
Es gibt viele Möglichkeiten, in dieser Welt einen Unterschied zu machen, Menschen zu unterstützen, ihnen beizustehen und etwas Gutes in diese Welt zu tragen. Eine davon besteht darin, für andere den Raum zu halten. Du triffst eine Freundin zum Kaffeetrinken und spürst, dass es ihr nicht gut geht. Du begegnest einem Kollegen, der sich Sorgen um seine Zukunft macht. Deine Enkeltochter kommt zu dir und spricht von ihrem Liebeskummer. Oder du sitzt am Bett eines guten Freundes, der schwer erkrankt ist. Wie du den Raum für andere halten kannst, möchte ich dir näherbringen. Ich möchte dir aufzeigen und ganz konkret erfahrbar machen, worum es dabei wirklich geht.
Transkription
Jederzeit können wir in eine Situation kommen,
Wo es nicht darum geht,
Gute Ratschläge zu geben,
Tipps zu geben,
Tu dies,
Lass jenes.
Sondern wo es einfach nur darum geht,
Den Raum zu halten,
Da zu sein.
Und darüber möchte ich heute sprechen,
Wie du den Raum für andere Menschen halten kannst.
Denn das ist eines der wichtigsten Dinge,
Die wir tun können für andere Menschen.
Nicht in unseren Schubladenkramen,
Was wir schon gemacht haben,
Was man tun könnte,
Dies und jenes.
Kann manchmal hilfreich sein,
Aber meistens ist es das nicht.
Nicht irgendwelche Programme abspulen oder etwas ähnliches weiterverweisen.
Sich zurückziehen,
Sich schützen zu müssen,
Kann manchmal wichtig sein.
Aber wenn Freunde zu dir kommen.
.
.
Kinder,
Enkelkinder,
Partner,
Wer auch immer und die dann ihr Herz ausschütten.
Dann geht es darum,
Den Raum zu halten.
Oder wenn du mit Miedemann zusammenlebst,
Der pflegebedürftig ist,
Oder wenn du am Krankenbett sitzt oder am Sterbebett,
Geht es darum,
Den Raum zu halten.
Das ist ein ganz großer und wichtiger Dienst,
Den wir für andere Menschen übernehmen können.
Und manchmal denke ich,
Es ist vielleicht auch die Art und Weise,
Wenn man das so sagen kann,
Wie Gott sich zur Welt verhält,
Indem er den Raum hält,
In dem wir sind.
Und ich möchte dir ein paar Hinweise geben,
Wie du den Raum für andere Menschen halten kannst.
Das Erste ist,
Den Raum zu halten,
Heißt .
.
.
Zeuge zu sein.
Dabei zu sein,
Zu bezeugen,
Es ist so wichtig.
Zeuge sein zu können und das ist manchmal für Menschen sehr wichtig,
Dass sie Zeugen haben,
Dass du Zeuge der Emotion bist,
Dass du Zeuge der Enttäuschung bist,
Der Tränen bist.
Der Stille bist.
Dass jemand das sieht,
Das wahrnimmt.
Und das macht oft einen großen Unterschied,
Als wenn ich es ganz alleine tue.
Das kann man auch tun,
Natürlich,
Selbstverständlich.
Aber manchmal ist es gut.
Wenn es da jemanden gibt.
.
.
Außerhalb von mir.
Der das auch sieht.
Die das betrachtet,
Die das bezeugt.
Ich sehe deine Tränen,
Ja,
Ich sehe deine Trauer,
Deine Wut,
Deine Enttäuschung,
Deinen tiefen Schmerz,
Sehe ich.
Das ist Zeugesein.
Und das ist wirklich ein ganz wichtiger Aspekt in der Art und Weise,
Wie wir Menschen gegenüber treten,
Wie wir in der Nähe von Menschen sind.
Einfach zu bezeugen.
Und damit deutlich zu machen,
Ich sehe deine Tränen,
Ich sehe deine Wut.
Und ich weiche davor nicht zurück.
Das ist auch wichtig.
Aber darüber kommen wir gleich noch zu.
Erstmal heißt.
Heißt es,
Den Raum zu halten,
Zeuge zu sein.
Das Nächste ist.
.
.
Wenn ich für andere den Raum halte,
Dann halte ich den Rahmen.
Und das ist vielleicht das Wichtigste neben dem Zeugesein.
Den Rahmen zu halten.
Das heißt,
Das was innerhalb passiert zu schützen vor unnötigen Einflüssen,
Vor Dingen,
Die nicht hilfreich sind in dem Augenblick zumindest oder störend.
Das zu schützen.
Und gleichzeitig das zu schützen,
Was drin ist,
Dass es nicht unnötig nach außen dringt,
Dass es diskret bleibt,
Dass ein diskreter Rahmen entsteht,
Wo ich mich zeigen kann,
Ohne dass ich befürchten muss,
Dass mich hinterher Leute ansprechen darauf,
Ich kann,
Ich will,
Dass die das wissen,
Dass die davon erfahren.
Dass ich in dem Augenblick traurig sein kann,
Mich schwach zeigen kann,
Bedürftig zeigen kann,
Ohne dass irgendetwas daraus erwächst,
Dass irgendjemand enttäuscht ist,
Wütend ist,
Was auch immer.
Und du hältst den Rahmen.
Du hältst den Rahmen,
Das.
.
.
Nichts nach außen dringt,
Was nicht nach außen dringen sollte,
Und nichts eingreift von außen,
Was zu verhindern ist,
Sondern dass der Raum,
Es geht ja immer um den Raum,
Dass der gestützt bleibt.
Und wenn ich von Raum spreche,
Dann wird es dich vielleicht nicht überraschen,
Wenn ich auch sage,
Dass Raum halten eigentlich auch heißt,
Das Feld halten und das Feld aufbauen.
Ein Feld,
Das du aufbaust zusammen,
In Kooperation mit dem,
Um den es hier geht.
Und das heißt eben auch.
.
.
In gewisser Weise zu dienen.
Wenn du den Raum hältst,
Geht es nicht um dich.
Es geht um diesen anderen Menschen.
Und es geht darum.
.
.
Zu dienen.
Raum halten heißt,
Ich diene.
Also,
Der Rahmen ist wichtig,
Dass jemand den Rahmen schützt.
Dass jemand die Tür schließt und man merkt,
Das ist jetzt wichtig,
Dass hier Diskretion entsteht.
Oder das Fenster,
Oder was auch immer,
Oder dafür sorgt,
Sagt,
Komm jetzt bitte nicht rein,
Wir müssen gerade für uns sein.
Den Mut zu haben und die Kraft,
Diesen Rahmen zu halten.
Das nächste ist,
Deine Präsenz ist zentral.
Dass du ganz da bist.
Wenn du noch zehn Termine hast,
Die gleich anschließend kommen und die dich beschäftigen,
Kannst du nicht da sein?
Sei da,
Sei präsent.
Zur Not musst du etwas absagen,
Das geht auch.
Sagen,
Ich habe jetzt keine Zeit,
Ich muss mal ganz kurz,
Was denn,
Damit ich Zeit für dich bekomme,
Kläre ich das kurz und dann bin ich für dich da.
Oder auch deutlich machen,
Ich wäre jetzt gerne für dich da,
Aber ich kann es leider nicht.
Das wäre dann die ehrliche Variante,
Wenn es nicht möglich ist.
Also präsent zu sein und das heißt nicht mit deinen Gedanken woanders,
Nicht so überlegen,
Was nachher machen muss oder morgen oder was dich vorhin belastet,
Sondern jetzt bist du bei diesen Menschen.
Ganz nah.
Aber durchaus auch in einer gewissen Distanz,
Das gehört auch dazu.
Und das heißt,
In Kontakt gehen.
In der Gestaltherapie spielt dieses In-Kontakt-Gehen eine ganz zentrale Rolle.
Weil es nicht nur etwas ist,
Ich bin so da.
Ich hoffe,
Es hat geholfen.
Sondern ich gehe mit.
Ich lasse mich darauf ein,
Ich lasse mich davon berühren,
Was du sagst,
Wie du da bist.
Das berührt mich.
Und das ist dieses In-Kontakt-Gehen.
Und.
.
.
An dieser Kontaktstelle,
Da kann ganz viel passieren.
Während meines Studiums gab es einen ganz wunderbaren .
.
.
Dozenten für Beratung und der hat immer gesagt,
Es gehören zwei Dinge.
Mut zu nähern.
Und Kraft zur Distanz und das gehört auch dazu.
Nah sein,
In Kontakt gehen.
Aber dann auch wieder sich zurückziehen.
Und da gehört etwas anderes zu,
Eben auch eingreifen.
Manchmal muss man eingreifen.
Meistens nicht,
Aber manchmal.
Und manchmal muss man sich zurückziehen und sagen,
Nein,
Das lasse ich jetzt so geschehen.
Das ist ja jemand,
Der.
.
.
Wenn es eine Situation gibt,
Wo jemand viel weint oder so zum Beispiel.
Da kann es Augen geben,
Wo du sagst,
Geh mal raus.
Greife ein oder ich lasse es einfach gewähren.
Nicht jede Träne muss durch eine Umarmung getröstet werden.
Manche Träne braucht das Bei-sich-Sein und Bleiben des Einzelnen.
Es ist ganz wichtig,
Man muss nicht jede Träne durch seine Nähe wegwischen.
Manche Träne ist besser.
Wenn sie geweint wird und ich bleibe bei mir.
Und das muss man ein bisschen abschätzen.
Lebenserfahrung gehört dazu.
Das Nächste ist.
.
.
Zu trauen zu haben,
Dass jemand dann eigene Fragen selber lösen kann.
Zumindest eine Idee dazu hat.
Traue darauf,
Dass jemand .
.
.
Das Problem auch selber lösen kann.
Grundsätzlich.
Vielleicht braucht es eine Unterstützung,
Vielleicht braucht es eine Frage.
Das kann alles sein,
Aber in der Regel darauf zu vertrauen,
Du kannst das.
Ich stehe dir zur Seite.
Mit dieser Haltung dran zu gehen,
Darum geht es.
Du kannst es,
Steht ihr zur Seite.
Und nur wenn ich merke,
Dass du es überhaupt nicht kannst,
Dann springe ich für dich ein.
Ansonsten wirst du dann deine Fragen selber beantworten können,
Wirst du deine Probleme selber lösen können.
Das kannst du.
Das traue ich dir zu.
Und dieses Zutrauen,
Dazu gehört auch Vertrauen,
Das ist wichtig,
Das ist zentral dafür.
Und schließlich.
.
.
Klarheit herstellen.
Die Dinge klären,
Was wichtig ist zu sagen,
Zu sagen,
Was Informationen wichtig ist.
Manchmal gibt es Dinge,
Die man einfach nur bedenken muss,
Die einfach Realität sind.
Ob man es gut findet oder nicht,
Es ist nun mal so.
Bestimmte Gesetzeslagen sind so,
Bestimmte Bedingungen von geschäftlichen Abläufen sind so,
Wie sie sind.
Da kann man nichts machen.
Da kann man sich noch so oft beschweren.
Sie sind einfach vorgegeben.
Manchmal ist es wichtig,
Das nochmal reinzubringen.
Oder auch manchmal die Meinung anderer Menschen,
Die wichtig sind,
Die vielleicht in diesem Augenblick.
.
.
Vergessen worden sind,
Wo Entscheidungen anstehen.
Einfach nochmal zu sagen,
Du denkst daran,
Dass der oder die das so sieht.
Denkst du daran?
Hast du das berücksichtigt?
Ja,
Das ist ja gut.
Ansonsten modifiziere deine Entscheidung entsprechend.
Das sind für mich ganz wesentliche Aspekte.
Und das trifft ja nicht nur zu,
Ich habe jetzt auch so Beispiele mit Tränen und sehr belastenden Situationen benannt.
Es trifft,
Es kann jeden Augenblick für große Sachen und für kleine Sachen zutreffen.
Du kannst eine Freundin treffen,
Die dir gerade erzählt,
Dass irgendwas in ihrer Familie passiert ist oder ihr etwas geschehen ist und schon kannst du beginnen,
Den Raum zu halten für sie.
In dieser sehr besonderen Situation,
Wenn du sie so getroffen hast beim Einkaufen,
Ist das eine besondere Situation,
Die natürlich begrenzt ist,
Aber trotzdem auch da gilt Raum halten.
Dein Enkeling kommt zu dir und erzählt dir etwas.
Liebeskummer,
Raum halten!
Es geht nicht darum,
Dass du ihr etwas sagst,
Sondern dass sie in deiner Nähe Für sich.
Etwas erfährt.
Ein Zutrauen,
Eine Idee für einen nächsten Weg vielleicht,
Einen nächsten Schritt.
Zumindest jemand,
Der fährt.
Der oder die Zeugin ist für ihre Situation.
Und da gibt es ganz viele gar nicht so komplexe,
Gar nicht so existenzielle Situationen,
Wo Raumhalten so wichtig ist.
Und wenn du das für dich so als eine Grundhaltung mitnimmst.
Dann kannst du überall immer wieder Raum halten.
Und das ist eine sehr schöne Art,
Immer wieder neu so ein gutes Feld aufzubauen.
Dass eine Ko-Kreation zwischen dir und dem anderen ist.
Und es entsteht etwas Wunderbares.
Etwas stärkendes.
Trotz der Tränen,
Trotz des Schmerzes oder was auch immer es sein mag.
Entsteht da etwas.
Und das nährt und das stärkt dich.
Und natürlich auch die andere.
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