22:09
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Dein Schmerz braucht ein Zuhause

by Claudia Bechert-Möckel

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Meditation
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Wir halten unsere schlimmsten Gefühle, unseren Kummer, die Seelenqualen unsere ganze Unvollkommenheit für etwas, das nicht da sein sollte, dass wir wegmachen müssen und wenn das nicht gleich geht sind wir schuldbewusst wie kleine Kinder und verstecken unseren Schmerz sorgsam vor den anderen, damit unsere ungeliebte Unvollkommenheit bloß nicht sichtbar wird. Das allerdings vergrößert die innere Quälerei und Zerrissenheit.

Transkription

Ach ja,

Wäre es nicht schön,

Wenn das Leben endlich mal perfekt wäre?

Immerzu lacht die Sonne,

Alle haben dich lieb und sind nett zueinander,

Und jedes Problem kickst du mühelos aus dem Weg,

Heldenhaft.

So gerne würden wir all die schmerzhaften Erfahrungen,

Die unangenehmen Begegnungen mit anderen Menschen,

Den Verlust,

Das Verlassenwerden,

Die Niederlagen,

Nicht haben.

Niemand will einsam sein oder das Gefühl haben,

Nie wirklich sicher zu sein.

Niemand will,

Dass sein Herz gebrochen wird oder seine Liebe mit Füßen getreten.

Ehrlich?

Ich auch nicht.

Aber genau das passiert trotzdem.

Dinge passieren,

Menschen tun,

Was sie tun,

Egal ob es uns gefällt oder nicht.

Und das ist Teil unseres Lebens.

Deines Lebens und meines Lebens und auch des Lebens anderer Menschen,

Von denen du das nie denken würdest.

Nur eben sieht man das nicht immer von außen,

Weil wir uns dafür schämen.

Wir halten unsere schlimmsten Gefühle,

Unseren ganzen Kummer,

Die Seelenqualen und unsere ganze Unvollkommenheit für etwas,

Das da nicht sein sollte,

Das wir wegmachen müssen.

Und wenn das nicht gleich geht,

Sind wir schuldbewusst wie kleine Kinder und verstecken unseren Schmerz sorgsam vor den anderen,

Damit unsere ach so ungeliebte Unvollkommenheit bloß nicht sichtbar wird.

Das allerdings vergrößert die innere Quälerei und die Zerrissenheit.

Der versteckte Schmerz,

Wie du dich mit deinem Kummer,

Der Unvollkommenheit des Lebens und den Dreckecken deines Selbst versöhnen kannst,

Darum soll es in dieser Episode gehen.

Leben,

Lieben,

Lassen.

Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,

Beziehung und Selbstliebe.

Von und mit Claudia Bechert-Möckel.

Hallo und herzlich willkommen bei Leben,

Leben,

Lassen,

Deinem Selbstcoaching-Podcast mit Herz und Verstand.

Schön,

Dass du da bist.

Ich bin Claudia,

Persönlichkeits- und Beziehungscoach und ich unterstütze in meiner Arbeit Menschen dabei,

Sich selbst und andere besser zu verstehen und gelingende Beziehungen zu führen.

Und zu meinen Klienten gehören auch immer wieder einige recht prominente Menschen.

Leute,

Die man kennt aus der Öffentlichkeit oder die in bestimmten Bereichen sehr erfolgreich sind.

Da ist die Politikerin,

Die nicht mehr weiß,

Wie sie ihre Beziehung retten kann.

Die bekannte Schriftstellerin,

Deren Sohn den Kontakt abgebrochen hat.

Der Schauspieler,

Den jeder strahlend kennt,

Der aber jenseits der Kamera an tiefer Unsicherheit leidet.

Und wenn man auf Insta schaut,

Dann sieht man da natürlich nur den Glanz,

Den Erfolg,

Den ganzen Ruhm.

Der ganze dunkle Rest wird gut versteckt,

Weil es ja angreifbar und verletzlich macht.

Und so glauben viele Menschen,

Dass das Leben der ewig strahlend Schönen und Erfolgreichen tatsächlich immer nur im Sonnenlicht gebadet ist.

Glaub daher niemals nicht,

Dass was dir auf Social Media gezeigt wird.

Jeder Mensch trägt ein Problem herum.

Irgendetwas,

Das ihn sehr,

Sehr drückt.

Auch wenn man das von außen nicht sehen kann.

Alles andere ist nicht real.

Glaub bitte nicht,

Dass die anderen das Leben besser können als du.

Und viele schauen auf zu den sogenannten Promis,

Weil sie glauben,

Deren Leben sei perfekt.

Sie haben ja den ganzen Ruhm,

Den Erfolg und das,

Was du dir so wünschst.

Aber ich kann dir versichern,

Das ist es nicht.

Mir zeigen die Menschen nämlich ihren Schmerz und sie schütten ihr Herz aus.

Sie zeigen sich mit ihrem ganzen Kummer.

Und ich weiß daher,

Dass es immer das eine und das andere gibt.

Bei jedem.

Das Leben der Menschen,

Die im Rampenlicht stehen,

Ist genauso unperfekt wie deins und meins.

Da gibt es das,

Was rundläuft und leuchtet.

Und es gibt die Dreckecken,

Die Probleme,

Die Unvollkommenheit und den Schmerz.

Irgendwas ist immer bei jedem.

Das Maß an empfundenem Leid bleibt nämlich auch immer gleich.

Nur die Themen ändern sich.

Aber dazu kommen wir dann später.

Zuerst mal möchte ich dir eine Geschichte erzählen.

Vor einer ganzen Weile bin ich zufällig bei einer Doku hängen geblieben.

Eine Doku im Fernsehen über eine sehr bekannte Band,

Für die ich mich jetzt bis dahin noch nicht riesig interessiert hatte,

Aber deren Namen wirklich jeder kennt.

Die Doku war super spannend und beeindruckend.

Und auf einmal denke ich,

Hä?

Den Typ kennst du doch.

Einer der ganz großen Musiker,

Eine richtige Legende der Szene,

War im Bild.

Jemand,

Der die Entwicklung dieses Musikstils in Deutschland maßgeblich mitgeprägt hat.

Absolut souverän war er vor der Kamera.

Eloquent,

Lebensfroh,

Inspirierend.

Einfach großartig.

Es war der gleiche Mann,

Mit dem ich ca.

Ein halbes Jahr vorher online gearbeitet hatte.

Weil er sich in Beziehungen immer so mega unsicher fühlte.

Weil bindungsängstliche Strategien,

So hatten wir herausgefunden,

Echte tiefe Liebe verhinderte.

Und weil es ihm schwer fiel,

Zugang zu seinen eigenen Emotionen zu bekommen und dass sich hinter all dem riesige Verlustängste verborgen hatten.

Wie passte das zusammen?

Für mich ist das ganz und gar kein Widerspruch.

Es ist genauso wie bei dir und mir.

Es gilt für uns alle,

Dass wir auf der einen Seite für andere sehr tolle Sachen machen können,

Besondere Talente und Fähigkeiten in die Welt bringen,

Hilfreich oder inspirierend sein können,

Und auf der anderen Seite fühlen wir uns selbst manchmal hilflos und verloren und können genauso gut bis zum Hals im Sumpf aus schmerzlichen Gefühlen stecken.

So schlimm,

Dass gar nichts mehr geht.

Diese beiden Seiten gehören zusammen.

Es sind Polaritäten,

So wie Ying und Yang.

Wie Sonne und Mond.

Wir sind immer beides.

Es ist Licht und Schatten in uns.

Und das anzunehmen,

Ist ein wichtiger Prozess in unserem Leben und ich glaube,

Dass der in die wirkliche Größe und Souveränität führt.

Glaub mir,

Wir haben alle einen,

Wie ich ihn nenne,

Wunden Punkt.

Haben unsere leidvollen Erfahrungen und Prägungen,

Alte Wunden,

Unsere Zweifel,

Ängste und Ungenügendheiten.

Das,

Was man im Außen sieht,

Ist oft nur die Kompensation von dem,

Was in uns wehtut oder beschützt werden soll.

Das,

Was niemand sehen soll,

Von dem wir uns selbst und andere ablenken wollen.

Manche negieren ihren Schattenanteil sogar ganz und gar,

Weil sie sich so schrecklich schämen.

Wir schämen uns,

Wenn wir leiden oder an einem Problem festhängen,

Wenn wir nicht schnell genug wieder rauskommen.

Wir schämen uns,

Weil wir glauben,

Dass wir die Einzigen sind,

Die so den Kopf hängen lassen und dass es unsere Schuld ist.

Aber,

Wie ich schon gesagt habe,

Jeder von uns hat eine Delle in seinem Selbst.

Und mit etwas Menschenkenntnis kann man das sehr gut erkennen und braucht sich dann weniger beeindrucken zu lassen und auch weniger einsam mit seinem eigenen ganzen Zeugs und Ballast zu fühlen.

Ich verrate dazu gerne eine kleine Übung,

Die du gerne mal in deinem Leben ausprobieren kannst,

Um sprichwörtlich hinter die Kulissen der anderen zu schauen.

Beobachte doch mal Menschen in deiner Umgebung,

Von denen du auf irgendeine Weise unangenehm beeindruckt bist.

Menschen,

An denen dir ein bestimmtes Verhalten deutlich negativ auffällt.

Zum Beispiel könnte man da an jemanden denken,

Der besonders arrogant ist.

Jemanden,

Der immer alles besser weiß.

Oder auch jemanden,

Der so zuckersüß nett ist,

Dass es klebrig wirkt.

Geh einfach mal davon aus,

Dass das,

Was dir da auffällt,

Also das unangenehme Verhalten,

Nur die Spitze des Eisbergs ist.

Das,

Was du außen wahrnehmen kannst.

Was du nämlich nicht wahrnehmen kannst,

Ist die tiefere Motivation.

Der Grund,

Warum dieser Mensch dieses auffällige Verhalten an den Tag legt.

Du siehst den Schatten nicht.

Aber frag dich doch mal,

Warum muss sich dieser Mensch eigentlich so anstrengen?

Weißt du,

Wie anstrengend das ist,

Arrogant zu sein?

Man muss sich und anderen ständig beweisen,

Dass man über allem steht,

Dass andere einem nicht das Wasser reichen können und so weiter.

Das ist ein Ausdauersport,

Keine natürliche,

Entspannte innere Haltung.

Warum sich dieser Mensch so anstrengt,

Hat wahrscheinlich etwas damit zu tun,

Dass er diese Strategie des angestrengten Arroganzseins braucht,

Weil er sich sonst klein und unwichtig fühlen müsste.

Die Arroganz hilft diesem Menschen scheinbar nicht nur auf Augenhöhe zu kommen,

Sondern auch noch darüber hinaus,

Nämlich über dich.

Dahinter steckt meist die Angst und sie kann unbewusst oder bewusst sein.

Aber es ist eben meist die Angst,

Nicht gesehen zu werden,

Nicht wichtig zu sein oder unbedeutend.

Deshalb strengt sich dieser Mensch so an.

Jemand,

Der sich immer zu bestimmerisch oder dominant aufführt,

Versucht damit möglicherweise seiner eigenen inneren Angst der Machtlosigkeit beizukommen.

Und jemand,

Der übertrieben nett ist,

Hat in der Regel eine Riesenangst vor Ablehnung.

Das,

Was unseren anderen stört,

Ist oft deren eigene Schutzstrategie,

Um ihre größten Ängste und Schmerzen zu verstecken.

Es ist der Versuch einer Lösung,

Es ist eine fehlgeleitete Lösung.

Und ändert es etwas an der unangenehmen Wirkung dieses Verhaltens?

Nein,

Natürlich nicht.

Aber es ändert die Stoßrichtung.

Dieser Mensch macht das in der Regel gar nicht wirklich gegen uns.

Er macht es wegen sich.

Mir hilft dieses Verstehen sehr im Umgang mit Konflikten,

Denn es verändert den Kontext.

Und es ist auch das,

Was ich meinen Klienten in der Paarberatung mitgeben möchte.

Und dieses Verstehen öffnet oft Tore und Herzen.

Nicht,

Weil man deswegen alles vergeben und vergessen kann oder sollte,

Sondern weil man den Menschen so sehen kann,

Wie er ist und die Situation im Ganzen.

Und das wiederum hilft,

Zu anderen Lösungen zu kommen.

Wenn ich hinter der Arroganz von jemandem,

Den kleinen Jungen oder das kleine Mädchen sehen kann,

Das Angst hat,

Nicht gesehen oder gehört zu werden,

Unwichtig zu sein,

Dann muss ich mich vor dieser Arroganz nicht mehr fürchten,

Muss mich nicht kleiner fühlen.

Ich kann in meiner Größe und damit bei mir bleiben.

Probiere es aus.

Es funktioniert.

Und schreib mir auch gerne deine Erfahrungen.

So wie die meisten Menschen wollen wir also Verletzungen und Schmerzen,

Soweit es geht,

Vermeiden.

Und was wir dann täglich sehen und erleben,

Sind die Vermeidungsstrategien der anderen.

Die Angst dahinter sehen wir nicht,

Denn die wird versteckt.

Weil sie so hässlich ist.

Weil sie nicht da sein sollte.

Weil sie uns so angreifbar macht.

Verletzlich.

Ich habe gerade das wunderbare Buch von Judith Holofernes gelesen,

Beziehungsweise ich habe das Hörbuch gehört,

Die Träume anderer Leute heißt es.

Ehrlich gesagt war es dieses Buch,

Das mich inspiriert hat zu dieser Podcast-Episode.

Judith Holofernes,

Du kennst sie wahrscheinlich,

War die Frontfrau der Band Wir sind Helden.

Sie ist eine wunderbare Solokünstlerin und nun auch Autorin,

Übrigens auch Podcasterin.

Mit unfassbarer Schlagfertigkeit,

Einem gehörigen Schuss Frechheit,

Mit sagenhafter Kreativität und musikalischer Ausgelassenheit,

War Judith Holofernes als Sängerin und Texterin eine Ikone der Unangepasstheit und des selbstbestimmten Lebens.

Groß,

Frei und optimistisch.

Das war die eine Seite.

Die,

Die die Welt gesehen hat.

Die andere Seite,

Wie sie jetzt eindrucksvoll in ihrem Buch beschreibt,

Waren Schmerzen.

Körperliche Symptome aller Art.

Ängste,

Essstörungen,

Phasen des Nicht-mehr-Weiter-Wissens und riesiger Zweifel.

Das alles zeigt sie schonungslos in ihrem Buch und lässt uns in ihren Schatten richtig miteintauchen.

Das ist total beeindruckend und in meinen Augen noch kraftvoller als ihre Songs,

Die ich liebe.

Es ist ein Faustschlag ins Gesicht des schönen Scheins.

Und wenn jemand wie Judith Holofernes sich outet mit ihren wunden Punkten,

Ihren Schwachstellen,

Ihren Katastrophen,

Ihren Niederlagen,

Ihrem Schmerz,

Ändert das etwas an ihrer genialen Kreativität,

An der Wucht und Genialität ihrer Kunst?

Nein.

Es macht sie nur authentischer,

Menschlicher,

Wahrhaftiger.

Und es ist ein Beispiel für viele andere Menschen,

Sich endlich zu trauen,

Sich in ihrer Gesamtheit anzunehmen,

In ihrer ganzen Dualität.

Für alle,

Die das interessiert,

Ich verlinke das Buch in den Shownotes.

Es gibt also kein Leben ohne Schmerz und Leid,

Ohne Hürden und Probleme.

Ich kann jetzt nicht sagen,

Dass mir das gefällt.

Besonders dann nicht,

Wenn ich mal wieder im Schatten stehe.

Aber immer während der Sonnenschein und Glückseligkeit?

Ist es das,

Wonach wir streben?

Oder streben wir nur danach,

Weil wir wissen,

Dass wir diesen Zustand der uneingeschränkten,

Dauerhaften Happiness sowieso nicht erreichen?

Klingt super,

Aber in Wahrheit wäre es wohl ein furchtbares Leben.

Glück ist nämlich nur dann wirklich spürbar,

Wenn wir auch den Schmerz erfahren mussten.

Ohne zu wissen,

Wie unglücklich wir uns fühlen können,

Gibt es ja überhaupt keinen Grund,

Dankbar zu sein für das,

Was passiert oder was wir erreichen.

Das heißt,

Ohne jemals Traurigkeit oder Schmerz zu kennen,

Hättest du keinen Grund,

Für das Wunderbare und die vielen kleinen Momente des Glücks dankbar zu sein.

Die Kostbarkeit des Glücks entsteht für mich durch seine Flüchtigkeit.

Eine der Wahrheiten des Lebens,

Die ich für mich entdeckt habe,

Ist auch,

Wir streben nach dem Punkt,

Wo endlich alles perfekt sein soll.

Und wir vermeiden dabei das,

Was uns weh tut.

Doch paradoxerweise kommt genau aus diesem Schmerz,

Den wir nicht haben wollen und der trotzdem passiert,

Auch der Antrieb für unsere Entwicklung.

Und Entwicklung ist nun mal Teil des Lebens.

Auch wenn das Leben uns manchmal dazu zwingen muss,

Weil wir uns mit Händen und Füßen gegen die Entwicklung wehren wollen.

Jahrelang hatte ich so an einer Beziehung festgehalten,

In der ich schon lange nicht mehr glücklich war.

Aber ich hatte Verantwortung übernommen.

Weil man das so macht.

Weil ich ein Kind hatte.

Ich werfe nicht hin.

Ich strenge mich an bis zur Selbstaufgabe.

Habe ich gemacht.

Hat aber nicht geklappt.

Die Beziehung ist mir irgendwann mit einem riesen Wumms um die Ohren geflogen und mein schön eingerichtetes Leben auch.

Katastrophe.

Untergangsszenario.

Heute weiß ich,

Dass das Leben überhaupt keine andere Wahl hatte.

Es ist alles für mich passiert.

Wenn ich nicht so störrisch festgehalten hätte an dem,

Das niemand mehr haben wollte,

Hätte es viel leichter gehen können mit der Veränderung.

Aber ich musste es eben auf die harte Tour lernen,

Weil ich das Leid vermeiden wollte.

Es ist fast lachhaft.

Leider kann man das immer erst in der Rückperspektive sehen.

Aber diese Katastrophe meines Lebens,

An der ich,

Wie man sehen kann,

Nicht untergegangen bin,

Auch wenn ich das zeitweise angenommen hatte,

Diese Katastrophe wurde auch der Startpunkt,

Mich mit den tieferen Zusammenhängen von Persönlichkeit,

Innerer Dynamik und unseren Beziehungen zu beschäftigen.

Und so wurde damals auch der Startschuss gelegt für das,

Was ich heute zu meiner Berufung gemacht habe.

Und was ich an andere weitergeben kann.

Tja,

Wenn ich das damals gewusst hätte,

Glaub mir,

Ich wäre entspannter gewesen.

Aber so funktioniert das Leben eben nicht.

Wir brauchen Versuch und Irrtum,

Die Niederlagen und den Schmerz,

Um herauszufinden,

Wo das Ganze hinführt,

Wo unser Weg lang gehen wird,

Auch wenn wir zwischenzeitlich einfach nicht mehr weiter wissen und am Verzweifeln sind.

Es gibt eine philosophische Idee,

Die besagt,

Dass es immer ein gewisses Maß an Leid in unserem Leben gibt,

Weil wir ohne diese Dualität von Glück und Unglück nicht leben können.

Sprich,

Die Idee dahinter ist,

Wir brauchen Leid,

Wir brauchen Probleme,

Um uns damit auseinanderzusetzen und uns darin zu entwickeln.

Frei nach dem Motto,

Irgendwas ist immer.

Warst du schon mal vollkommen ohne Probleme im siebten Himmel?

Ich habe beobachtet,

Dass ich zwar immer wieder total glückliche Phasen hatte und habe,

Wo alles stimmt,

Wo ich irgendwo angekommen war,

Alles für mich für einen Moment lang so war,

Wie es sein sollte und oft genug auch noch viel besser.

Und ich weiß,

Dass ich mit vielen wunderbaren Momenten und Umständen gesegnet bin.

Aber diese Phasen sind nie dauerhaft Lupenrein.

Bevor man dazu kommt,

Sich an das Glück zu gewöhnen und es normal zu finden und sich darin einzurichten,

Ploppt schon wieder irgendwo was anderes auf.

Und wenn nicht,

Dann stürzt sich mein Verstand auf irgendetwas und bläst es auf zu einem Riesending,

Um das dann wieder meine Gedanken kreisen können.

Irgendwie braucht mein Glück immer ein Gegengewicht.

Und schau mal auf die Gesellschaft.

Wie gut es uns geht im Vergleich zu anderen Regionen der Welt.

Klar,

Wir haben Probleme,

Aber so insgesamt leben wir recht sicher und bequem.

Fühlen sich die Menschen hier deswegen glücklicher?

Haben sie weniger Probleme?

Nein,

Tun sie nicht.

Die Deutschen insgesamt sind ja ziemlich unzufrieden,

Wenn man mal nur so in die Gesichter schaut,

Denen man begegnet.

Von den Umfragen ganz zu schweigen.

Und so als Gesellschaft finden wir auch jede Menge Gründe,

Warum das so sein muss.

Warum alles ziemlich schwer ist.

Und an jedem einzelnen Punkt ist auch irgendwie was dran.

Auch wenn diese Gründe anderen Menschen auf dieser Welt absolut lachhaft vorkommen müssen.

First World Problems eben.

Aber das Maß an Leid bleibt gleich groß in unserem Empfinden.

Rein äußerlich ist es immer was ganz anderes,

Wo der Schuh drückt.

Und rein äußerlich könnte man auch sagen,

Dieses Leid ist mehr oder weniger groß.

Aber wir empfinden unseren Schmerz ja aus unserem eigenen inneren Ermessen heraus und eben nicht nach äußeren Maßstäben.

Deshalb kann man auch nicht sagen,

Du solltest darunter nicht leiden,

Dass du verlassen worden bist,

Weil es schlimmere Probleme auf der Welt gibt.

In Afrika sterben Menschen an Hunger.

Es stimmt natürlich absolut.

Und diese existenziellen Probleme sind natürlich katastrophal.

Aber diese Relativierung ändert das empfundene Leid des Verlassenen genau null.

Im Gegenteil geht man dermaßen unempathisch mit jemandem um,

Bagatellisiert man dessen Empfindungen und dessen Schmerz und nun fühlt sich dieser arme Mensch oder diese Menschin noch schrecklicher und schämt sich dann auch noch seines Leids zum Problem dazu.

Meine Wahrheit ist daher,

Es wird immer ein Next Level Problem geben.

Das Leben verläuft in Phasen.

So stelle ich mir das vor.

Und diese Vorstellung habe ich auch in einem Buch von Jorge Bokei gefunden.

Unsere Lebensreise,

Die hat so verschiedene Abschnitte oder Schichten.

Man könnte sie sich auch wie ein Buch vorstellen mit verschiedenen Kapiteln.

Wir entwickeln uns und wenn wir am Anfang einer Phase stehen,

Dann scheint uns das Ziel am Ende dieser Phase sehr erstrebenswert und der Weg dahin recht herausfordernd.

Neben uns sind andere Menschen unterwegs,

Auf ihrem ganz eigenen Weg und es ist schön,

Begleitung zu haben.

Aber das Tempo,

In dem wir gehen,

Die Hürden,

Die wir haben,

Sind nicht die gleichen und auch die Richtung kann sich für jeden Einzelnen ändern.

Deshalb werden wir auf unserem Weg auch immer wieder Reisegefährten loslassen und neuen begegnen.

Ich finde es manchmal traurig,

Fühle mich dann melancholisch und manchmal fühlt es sich auch einsam an.

Das Gedicht Stufen von Hermann Hesse passt ganz prima dazu.

Sind wir irgendwann an unserem Ziel in dieser Phase angekommen,

Dann schauen wir zurück und wir sehen,

Was für eine Etappe wir zurückgelegt haben und wie schön es ist,

Hier angekommen zu sein.

Wir fühlen uns sicherer,

Kompetenter,

Erfahrener.

Doch bald schon merken wir,

Dass uns etwas Neues ruft und wir brechen wieder auf.

Zu neuen Ufern,

Zu neuen Zielen,

Zu neuen Herausforderungen.

Wir starten in eine neue Phase und wir stehen in diesem Abschnitt wieder ganz am Anfang,

Fühlen uns wie Newbies und schauen uns nach erfahreneren Menschen um,

Die auf dieser Reise ebenfalls unterwegs sind.

Und so geht es immer weiter.

Dieses Unterwegssein mit diesen ganzen Zwischenabschnitten,

Das ist unser Leben.

Für mich ist das total stimmig.

Und deshalb sage ich auch gerne,

Nächstes Level,

Nächstes Problem.

Die Probleme,

Die auftauchen,

Sind ein Zeichen unseres In-Entwicklung-Seins und eben nicht des Überwinterns in der Komfortzone,

Was aber auch manchmal heilsam sein kann,

Vorübergehend für eine bestimmte Zeit.

Umarme Deinen Schatten,

Deine Angst,

Deine leidvollen Erfahrungen,

Deine schlimmsten Gefühle,

Deine ungeliebten Seiten.

Sie gehören zu Dir und wenn Du sie zu Dir nimmst und sie annimmst,

Ihnen ein Zuhause gibst,

Dann kann Dir unendliche Kraft daraus erwachsen.

Kraft,

Die Du wiederum mit anderen Menschen teilen kannst,

Die Du weitergeben kannst,

Um andere zu inspirieren.

Dann verwandelt sich diese Energie des Schmerzes in etwas Wunderbares,

Das Du in die Welt hineingeben kannst.

Durch mein Leid kann ich Deinen Schmerz erst sehen.

So in etwa sagt es Thich Nhat Hanh,

Der berühmte buddhistische Mönch.

Und ich habe das tief verinnerlicht,

Weil ich spüre,

Dass es wahr ist.

Menschen,

Die sich mit Schmerz auskennen,

Die ähnliche Erfahrungen gemacht haben,

Fühlen sich einander näher.

Vorausgesetzt sie sind so mutig,

Sich mit ihrem Schmerz zu zeigen.

Gelingt das,

Fühlen wir uns verbundener.

Und wer sich so öffnen kann,

Erlebt intensive Bindungen und sehr viel Intimität.

Und das wünsche ich Dir von ganzem Herzen.

Alles Liebe für Dich und wann immer Du mich hörst,

Deine Claudia.

4.7 (51)

Neueste Bewertungen

Antje

July 6, 2023

Sehr, sehr gut. Vielen Dank 🙏

Nici

December 20, 2022

🥰

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