
Wenn Männer nicht erwachsen werden wollen - Peter Pan-Syndrom
Bei Männern, die nicht erwachsen werden wollen, spricht man vom „Peter Pan Syndrom“ und davon fühlen sich häufig Frauen angezogen, die es gewohnt sind, stark zu sein und ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Das kann zu einem echten Problem für Beziehungen werden, so wie das auch Nadine passiert ist, die Du in dieser Folge kennenlernen wirst.
Transkription
Sie haben einen ganz besonderen jungenhaften Charme,
Sie nehmen das Leben meist auf die lockere Schulter und legen sich nicht so gerne fest.
Verantwortung übernehmen ist auch nicht ihr Ding.
Trotzdem kommen sie auf spielerische Weise immer wieder durch,
Auch weil sie es schaffen,
Menschen zu finden,
Die sich um ihre Probleme kümmern.
Bei Männern,
Die nicht erwachsen werden wollen,
Spricht man vom Peter-Pahn-Syndrom,
Und davon fühlen sich häufig Frauen angezogen,
Die es gewohnt sind,
Stark zu sein und ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen.
Das kommt gar nicht so selten vor und kann zu einem wirklichen Problem für Beziehungen werden.
So ist es auch meiner Klientin Nadine passiert,
Die du in dieser Folge kennenlernen wirst.
Leben lieben lassen,
Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Herzlich willkommen bei Leben lieben lassen,
Deinem Selbstcoaching-Podcast rund um Persönlichkeitsentwicklung und Beziehung.
Ich bin Claudia Bechert-Möckel und ich unterstütze Menschen dabei,
Sich selbst und andere zu verstehen und gelingende Beziehungen zu führen.
Und da habe ich es auch immer mal wieder,
Sowohl in der Einzel- als auch in der Paarberatung,
Mit einer ganz bestimmten Beziehungskonstellation zu tun.
Ich nenne das mal hier ein bisschen provokativ,
Unselbstständige Kindmänner und fürsorgliche,
Starke Kümmerfrauen.
Klingt komisch,
Kommt aber häufiger vor,
Als du denkst.
Vielleicht hast du ja auch solche Paare in deinem Bekanntenkreis,
Oder kennst das Thema selbst?
Männer,
Die nicht erwachsen werden wollen,
Denen schreibt man das sogenannte Peter-Pahn-Syndrom zu.
Das schauen wir uns in dieser Folge ganz genau an,
Am Beispiel der Geschichte von Jonas und Nadine.
Gleich.
Es war vor allem seine Art,
Das Leben leichtzunehmen,
Seine Abenteuerlust,
Der hatte so freche Ideen und ein sonniges Gemüt,
Das hat Nadine angezogen,
Als sie Jonas kennenlernte.
Sie hatten so viel Spaß zusammen am Anfang,
Da war so viel Leidenschaft.
Mit Jonas hat Nadine das Leben von der Sonnenseite kennengelernt.
Sie hat sich frei gefühlt,
Frei auch von ihrer ewigen Ernsthaftigkeit,
So sagt sie das selbst.
Richtig verrückt konnte sie mit Jonas sein,
Das erzählt sie mir schon im Kennenlerngespräch.
Genau genommen spricht sie die ganze Zeit nur von Jonas und nur sehr wenig über sich selbst.
Die Beziehung der beiden steckt in der Krise.
Drei Jahre sind sie inzwischen zusammen.
Nadine möchte sehr gerne zusammenziehen,
Irgendwann eine Familie gründen,
Kinder bekommen.
Jonas weiß noch nicht genau,
Was er möchte.
Am Anfang,
Da hatte er große Pläne für sein Leben mit Nadine entworfen,
Hat es in den schönsten Farben ausgemalt,
Wie sie zusammen leben werden,
War voller Begeisterung von seinen eigenen Ideen und er konnte Nadine damit anstecken.
Mal sehen,
Sagt er heute.
Im Moment ist er noch nicht so weit,
Er brauche seinen Freiraum,
Später vielleicht,
Sagt er.
Und so bleibt alles wie es ist,
Beziehungsstatus ungeklärt,
Schon lange.
Irgendwie ist die Luft raus aus der Beziehung,
Inzwischen auch sexuell,
Dabei konnten sie am Anfang kaum die Finger voneinander lassen.
Nadine bemüht sich sehr,
Jonas zu verstehen,
Ihn nicht unter Druck zu setzen,
Es ihm einfacher zu machen und vor allem,
Ihn nicht zu nerven mit ihren eigenen Bedürfnissen und Gefühlen.
Jonas mag das nämlich nicht,
Wenn sie sich beschwert,
Wenn sie sagt,
Was sie fühlt und was ihr fehlt.
Es geht ihm schlecht damit,
Er hört es nicht gern und dann zieht er sich zurück.
Jonas wünscht sich Verständnis von Nadine,
Denn manchmal fühlt er sich melancholisch,
Traurig oder leer,
Dann ist er nicht der freigeistige Strahlemann,
Sondern überfordert wie ein kleiner Junge.
Dann braucht er ein bisschen Unterstützung,
Um sein Leben zu ordnen,
Nadine ist natürlich zur Stelle.
Sie,
Die es gewohnt ist,
Auf den eigenen Beinen zu stehen und ihr Leben im Griff zu haben,
Kümmert sich dann,
Ein leichtes für sie.
Nadine macht Termine für ihn,
Sie ruft beim Arzt dann,
Sie füllt auch seinen Kühlschrank auf,
Hat er halt mal wieder vergessen,
Der liebenswerte Chaot.
Später übernimmt sie dann auch den Briefverkehr mit seinem Rechtsanwalt,
Wegen des Kindesunterhaltes für seinen Sohn und natürlich steht sie ihm auch bei,
Wenn die Ex ihre Forderungen an ihn stellt.
Wenn Jonas mal wieder seinen Job wechselt,
Hilft sie ihm bei der Suche,
Klar,
Ist doch auch selbstverständlich,
Dass man füreinander da ist.
Manchmal taucht Jonas für ein paar Tage ab und meldet sich nicht.
Er braucht diese Auszeiten,
Sagt er,
Er will sich frei fühlen.
Und wenn er dann wieder auftaucht,
Ist es so,
Als wäre nichts gewesen,
Keine Entschuldigung,
Keine Erklärung,
Er ist ja jetzt da.
Nadine ärgert sich,
Über sich selbst,
Wenn sie dann ausflippt und wütend wird.
Kein Wunder,
Dass sie sich immer weiter zurückzieht,
Wenn sie doch immer wieder meckert und sich beschwert.
Das ist auch der Grund,
Warum sie sich bei mir gemeldet hat.
Nadine möchte ihre Emotionen in den Griff bekommen und gelassener reagieren.
Dann wird es sicher auch wieder besser in der Beziehung laufen,
So denkt sie.
Vielleicht ist dir an diesem Punkt der Geschichte schon aufgefallen,
Dass hier etwas ganz und gar aus der Balance ist.
Nadine ist,
Ohne es zu wollen,
In die Rolle der liebevollen,
Geduldigen,
Verständnisvollen,
Fürsorglichen Mutter geraten.
Und Jonas ist der ewige Junge,
Der nicht erwachsen werden will.
Jonas braucht und nutzt Nadines Stärke und Kraft als Rückenwind und entwickelt sich gleichzeitig von ihr weg.
Er löst sich immer weiter von ihr ab,
Wie ein puppeterender Junge von seiner Mutter.
Und das wird später in unseren Sitzungen überdeutlich,
Aber da ist Nadine im Moment noch nicht.
Mir fällt auf,
Sage ich,
Dass du sehr viel Verständnis für Jonas aufbringst,
Viel Geduld.
Man merkt,
Wie viel dir diese Beziehung zu ihm bedeutet.
Aber ganz ehrlich,
Nadine,
Ich frage mich,
Wann es denn eigentlich um deine Bedürfnisse geht?
Nadine erklärt mir lang und breit,
Wie Jonas sich fühle,
Nicht so gut zurzeit nämlich.
Sie findet Entschuldigungen für ihn und Erklärungen,
Er habe auch gerade sehr viel um die Ohren und er habe versprochen und er habe gesagt,
So geht das eine Weile.
Nadine wartet auf ein Wunder,
Beziehungsweise glaubt sie,
Wenn sie sich nur genug anstrengen würde und stark genug für sie beide wäre,
Dann würde das auch für eine gute Beziehung reichen.
Dass das Geliebtsein am besten über Gebrauchtwerden funktioniert,
Das hat Nadine schon zu Hause gelernt.
Sehr früh musste sie nämlich erwachsen werden,
Sich um ihre Geschwister kümmern,
Weil ihre Mutter oft krank und hilflos war.
Nadine war ihre Stütze.
Das hat sie tatsächlich stark und lebenskompetent gemacht,
Sagt sie mir später.
Sie hat eine Führungsposition in einem mittelständischen Unternehmen und Nadine ist sehr angesehen und erfolgreich.
Ob ihr denn auffalle,
Dass sie Jonas die ganze Zeit beschütze,
So wie eine Fürsprecherin seine Position mir gegenüber vertrete,
Frage ich sie.
Und wer eigentlich auf ihrer Seite stehe und für sie selbst und das,
Was ihr wichtig sei,
Eintrete?
Schweigen.
Nadine hatte das gar nicht bemerkt,
Einfach deshalb,
Weil es ihr schon in Fleisch und Blut übergegangen war,
Jonas besser zu verstehen als sich selbst.
Auch,
Dass sie allein da ist im Gespräch mit mir,
Obwohl sie sich ja beide der Krise in ihrer Beziehung bewusst waren,
Fällt ihr erst jetzt auf.
Ich zeige Nadine ein Bild von einem Bus mit einem Busfahrer und Fahrgästen,
So in der Seitenansicht.
Es ist so wie ein Kinderbild und ich sage ihr,
Das sei der Bus,
Der durch ihre Beziehung fahre.
Wo sie denn das Gefühl hätte zu sitzen?
Und wo sie glaubt,
Dass Jonas sitzen würde?
Es stellt sich heraus,
Dass keiner von beiden am Steuer sitzt.
Der Beziehungsbus hat keine Richtung und kein gemeinsames Ziel.
Es fährt niemand.
Jonas sitzt nach Nadines Meinung in der Mitte des Busses,
Nadine sitzt hinter ihm.
Erstaunlich,
Denn Nadine ist die geborene Steuer-in-der-Hand-Haberin,
In ihrem Leben zumindest,
In ihrer Beziehung nicht.
Da gibt sie aus falsch verstandener Liebe alle Verantwortung und alle Gestaltungsmacht an Jonas ab.
Sie selbst hat keinen Einfluss auf die Gestaltung der Beziehung,
Denn das macht sie ja von ihm abhängig.
Da aber Jonas sich treiben lässt und keinen Plan hat,
Wo es hingehen soll mit der Beziehung,
Denkt er gar nicht daran,
Sich ans Steuer zu setzen.
Er will diese Beziehung gar nicht gestalten,
Das wird sich schon irgendwie ergeben.
Absoluter Blindflug für beide.
Das ist das typische Dilemma,
Wenn Peter Pan Männer auf starke Frauen treffen.
Und was da auf einer tieferen Ebene der Beziehung wirklich passiert und warum dabei die Augenhöhe und die Zielrichtung komplett verloren gehen,
Das schauen wir uns gleich an.
Der Begriff Peter-Pan-Syndrom stammt vom Familientherapeuten Dan Keeley,
Der in den 80er Jahren das Buch Das Peter-Pan-Syndrom,
Wenn Männer nicht erwachsen werden wollen,
Herausbrachte.
Bei Männern,
Die von diesem Peter-Pan-Syndrom betroffen sind,
Gibt es ganz typische Verhaltensmuster,
Die eher der Rolle eines kleinen Jungen entsprechen als der eines erwachsenen Mannes.
Und egal,
Wie unabhängig,
Männlich,
Kraftvoll diese Männer rein äußerlich wirken,
Haben sie es in der Regel nicht so einfach,
Damit Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und wirkliche Entscheidungen zu treffen,
Sich zu positionieren.
Sie legen sich nämlich nicht so gerne fest.
Sie haben oft verrückte,
Geniale Ideen und das macht sie sehr anziehend,
Aber sie bringen selten was zu Ende.
Sie können schnell begeistert sein und sogar stürmisch und euphorisch,
Besonders wenn es um Beziehungen geht,
Aber genauso,
Wie die Magie und die Euphorie gekommen sind,
Lassen sie auch wieder nach.
Eigentlich wollen Männer mit Peter-Pan-Syndrom Spaß haben und das Leben genießen und entdecken und sie fliegen gerne von einer Blume zur nächsten.
Vor Problemen oder gar Pflichten drücken sie sich dagegen gerne weg.
Deswegen fällt ihnen auch der Umgang mit Geld häufig schwerer.
Und trotzdem mit ihrem jungenhaften Charme sind sie super gut darin,
Herzen zu erobern.
Besonders die von taffen Frauen,
Denn die Peter-Pans dieser Welt wirken zuerst einmal selbst sehr stark durch ihre Unabhängigkeit und ihren Freiheitsdrang,
Ihre Lebensfreude und ihre scheinbar draufgängerische Selbstsicherheit.
Bindungsängste sind recht häufig anzutreffen bei Männern,
Die nicht erwachsen werden wollen.
Doch das fällt in der stürmischen Kennenlernphase überhaupt nicht auf.
Erst in einer Beziehung gehen die Peter-Pan-Männer nach und nach emotional auf Abstand,
Zeigen immer häufiger Vermeidungstendenzen und äußern sich nicht klar,
Positionieren sich nicht,
Zeigen immer weniger Gefühle,
Ziehen sich zurück oder machen ihr eigenes Ding.
Nicht selten haben sie auch ein Problem mit wirklichen Freundschaften.
Es fehlt ihnen auch dabei an Tiefe,
Verantwortung und Konfliktfähigkeit.
Denn wie du weißt,
Auch Freundschaften sind Beziehungen.
Die nicht erwachsenen Männer befürchten schnell,
Vereinnahmt zu werden oder eingeengt zu sein.
Einsam wollen sie aber auch nicht sein,
Die ewigen Jungs,
Deshalb sind sie super gut darin,
Bekanntschaften zu machen und haben meist einen sehr großen Bekanntenkreis,
Aber wenn man genau hinguckt,
Wenig echte Bezogenheit.
Und schaut man sich ihre Beziehungsgeschichte an,
Dann können sich darin viele oberflächliche,
Aber auch längerfristige Beziehungen finden.
Aber der Grund,
Warum diese Beziehungen auseinandergehen,
Der ist meist ähnlich.
Es ist nämlich eben dieser Mangel an echter und tiefer Verbundenheit,
Das sich nicht festlegen wollen,
Die innere Distanziertheit,
Das auf sich selbst bezogen sein und auch die emotionale Nichtverfügbarkeit.
Später dann kommt noch das Einschlafen der Sexualität dazu,
Die Beziehung driftet irgendwie auseinander,
Man verliert sich.
Und natürlich,
Auch die Peter Pants merken,
Dass die Beziehung problematisch wird,
Die Partnerin vielleicht immer mehr kritisiert,
Sich beschwert oder ungemütlich und unbequem wird.
Aber ihre stark vermeidenden Beziehungsstrategien machen es ihnen schwer,
Sich selbst und ihren Anteil am Problem kritisch zu hinterfragen.
Und so sehen sie das Problem gerne bei den anderen.
Sie selbst haben in ihrer kindlichen Perspektive überhaupt keinen Beitrag zum Problem geleistet.
Sie können ja nichts dafür.
Keine Ahnung,
Warum die Partnerin immer so viel Druck macht.
Und sollte es doch einmal der Fall sein,
Dass eine gewisse Erkenntnisfähigkeit einsetzt,
Dann ist das natürlich toll.
Aber es folgt aus dieser Erkenntnis selten mehr als ein Versprechen.
Die Kindmänner haben ein Problem damit,
Konsequenzen aus ihrer Bewusstheit oder Erkenntnis zu ziehen.
Und in die Umsetzung zu kommen.
Und das kann man hervorragend daran erkennen,
Dass es sehr sehr häufig eine Kluft gibt zwischen dem,
Was sie sagen und dem,
Was sie dann tun.
Für die verständnisvollen Partnerinnen,
So wie Nadine aus meinem Beispiel,
Lösen aber diese Versprechen so viel Hoffnung aus,
Dass sie damit ihren Glauben an die Beziehung festigen.
Auch wenn rein faktisch gar nichts passiert und sich nichts verändert.
Oder es verändert sich nur kurz und dann fällt man ganz schnell zurück ins alte Muster.
Das sind so kleine Scheinveränderungen,
Um die Partnerin bei Laune zu halten.
Dabei machen die Peter Pan-Männer diesen ganzen Beziehungseier-Tanz nicht aus böser Absicht etwa.
Sie sehen ihr kindhaftes Verhalten einfach nicht,
Weil sie sich weigern,
Die Welt und die anderen mit einer verantwortlichen Selbstreflexion zu betrachten.
Und solange sie sich ihrer eigenen Verantwortung nicht stellen und diese Verantwortung verweigern,
Können sie keine Erwachsenenbeziehungen leben,
Sondern eben nur Mutter-mit-Kind-Beziehungen.
Ich weiß,
Das klingt richtig hart,
Aber du kannst dir gar nicht vorstellen,
Wie oft ich schon Frauen jeden Alters in der Beratung hatte,
Die mir gesagt haben,
Wenn ich ganz ehrlich bin,
Ich habe das Gefühl,
Ich habe drei Kinder,
Eines davon ist mein Mann.
Und irgendwann hört auch bei der fürsorglichsten Frau mit dem größten Geduldsfaden die Nachgiebigkeit und das Verständnis mal auf.
Klar,
Eine gewisse Leichtigkeit und ein Maß an Humor,
Sie sind natürlich förderlich für die Beziehung.
Man muss nicht alles festnageln.
Aber wer will sich schon immer mit einem Menschen herumschlagen,
Der sich ständig wie ein Kind verhält?
Bei Nadine hat sich die Unzufriedenheit in Wutausbrüchen gezeigt.
Die sind zwar nicht schön,
Aber verständlich.
Denn wenn die eigenen Bedürfnisse nicht gelebt werden können in deiner Beziehung und du wirst nicht damit gehört,
Werden sich mit der Zeit negative Emotionen anstauen,
Ob du willst oder nicht.
Und irgendwann werden sie hervorbrechen.
Auch wenn du dir selbst die Geschichte erzählst,
Du müsstest dich eigentlich nur besser im Griff haben.
Gerade in Konfliktsituationen,
Wenn die Dinge auf den Tisch gelegt werden,
Kann das kleine Jungverhalten des Peter Pan Mannes besonders zum Vorschein kommen.
Nämlich in einer trotzigen,
Kompromisslosen Abwehrhaltung.
Das kann für die Partnerin in der Beziehung ganz schnell zur Zerreißprobe werden.
Aber,
Und das muss man ganz ehrlich sagen,
Damit niemand auf die Idee kommt,
Es geht hier um eine Täter-Opfer-Dynamik,
Das Peter-Pan-Phänomen existiert nicht im luftleeren Raum.
Es braucht auf der Beziehungsebene ein Pendant,
Ein Gegenstück.
Und das sind die starken Frauen.
Häufig fühlen sich nämlich Frauen zu diesen Männern hingezogen,
Die es schon gewohnt sind,
Verantwortung für andere zu übernehmen.
Die anpacken,
Sich kümmern,
Wie selbstverständlich.
Die sich verausgaben,
Um geliebt zu werden.
Die auch über ihre eigenen Grenzen gehen und auch nicht gut darin sind,
Ihre eigenen Grenzen zu halten.
Die sich zusammenreißen,
Nicht so zimperlich sein wollen und ihre Bedürfnisse zurückstecken und das auch schon kennen aus ihrem Leben.
Und genau das ist es auch,
Was diese Frauen,
Wie meine Klientin Nadine,
Lernen dürfen.
Sich selbst und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen,
Etwas erwarten zu dürfen in einer Beziehung,
Auch mal Verantwortung abzugeben,
Sich auch mal anlehnen zu können,
Sich auch mal umsorgt zu wissen,
Nicht immer stark sein zu müssen.
Es ist eine wunderschöne Aufgabe,
Jemanden bei dieser Selbstermächtigung zu begleiten.
Und als Nadine angefangen hat,
Sich zu erlauben,
Jonas mit ihrer Enttäuschung zu konfrontieren und mit ihren echten Bedürfnissen,
Als sie tief in ihrem Inneren erkannt hat,
Dass sie diesen Mann,
So sehr sie ihn liebt,
Nicht ihr ganzes Leben lang zum Jagen tragen kann und ihn zu einer Beziehung überreden,
Sondern dass sie seine Freiwilligkeit braucht und ein echtes Ja.
Als sie also anfing,
Ihre große Kraft auch für sich zu verwenden,
Da holte sie sich nach und nach die Macht über ihr Leben zurück.
Sie machte ihr Lebensglück nicht mehr nur von einem Menschen abhängig,
Der nicht recht wusste,
Was er wollte.
Und das hat alles verändert,
Nach und nach.
Anfangs war Jonas sehr beleidigt,
Weil ihn das aus seiner kleinen Jungstsicherheit holte.
Wenn man nämlich einen Mann mit Peter Pan-Syndrom mit seiner Kindlichkeit konfrontiert,
Kann die Situation schnell mal eskalieren,
Weil er sich häufig beleidigt und gekränkt fühlt.
Später aber,
Dann hat er sich wirklich bemüht,
Mehr Verantwortung zu übernehmen und er ist wirklich mehr auf Nadine eingegangen,
Je unabhängiger sie sich von ihm machte und je weniger mütterlich sie war.
Am Ende gab es aber kein Happy End,
Jedenfalls nicht für die Beziehung.
Am Ende hat die nämlich nicht gehalten.
Es war Nadine,
Der es irgendwann nicht mehr gereicht hat.
Als sie angefangen hat,
Mehr Wert auf sich selbst zu legen,
Veränderten sich ihre Vorstellungen von Beziehung drastisch.
Das war auch von außen betrachtet eine logische Folge.
Sie hat Jonas verlassen,
Weil ihr eine echte Basis für die Beziehung fehlte.
Sie hatte erkannt,
Dass sie eine tiefe Beziehung nur leben kann,
Wenn diese Beziehung auch auf Augenhöhe ist und nicht darauf beruht,
Dass sie in der Kümmerinnen-Rolle ist.
Sie weiß,
Dass sie einen Menschen braucht an ihrer Seite,
Der in der Lage ist,
Das Steuer für sich selbst und sein Leben zu übernehmen,
Und dass sie sich auf ihrer gemeinsamen Beziehungsreise abwechseln und aufeinander verlassen können.
Noch gibt es diesen Menschen nicht in Nadines Leben,
Aber ich bin sicher,
Das ist nur eine Frage der Zeit.
Übrigens,
Auch für diese mütterliche Kümmerrolle gibt es eine Bezeichnung,
Das Wendy-Syndrom.
Es sind besonders häufig Frauen,
Die dazu tendieren,
Sich für andere aufzuopfern und dabei selbst auf der Strecke zu bleiben.
Und dann spricht man vom Wendy-Syndrom.
Benannt ist das,
Nach der gleichnamigen Figur in den Peter Pan Erzählungen,
Es ist nämlich eine Freundin von Peter Pan.
Na klar,
Der Junge,
Der nicht erwachsen werden möchte,
Braucht ja schließlich eine Frau an seiner Seite,
Die ihn vor Verantwortungen und Pflichten,
Die das Leben nun mal mit sich bringt,
Abschirmt.
Frauen wie Nadine kümmern sich fast um den gesamten Mental Load,
Haben immer alles im Griff für alle,
Können jede Katastrophe abwenden,
Übernehmen die gesamte Verantwortung für sich und ihre Partner und opfern sich dabei auf.
Und sie bleiben mit ihren Wünschen,
Sehnsichten und Träumen auf der Strecke.
Sie sind tapfer und strengen sich an,
Frei nach dem Motto,
Wenn ich mich genug reinhänge,
Wirst du mich doch irgendwann lieben.
Eine Beziehung,
In der das Verantwortungsgefühl für die gemeinsamen Aufgaben nur bei einem Part liegt,
Kann schnell ungesund werden,
Sogar toxisch.
Denn je intensiver Betroffene mit den Sorgen und Nöten des Partners beschäftigt sind,
Desto weniger Zeit und psychische Kraft haben sie für sich selbst.
Mit der Zeit kann das zur Isolation,
Extremem inneren Stress führen und,
Wie schon gesagt,
Zu einer vollkommenen Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse.
Hinter dem Helfen und Retten,
Das so viel Stärke verkörpert,
Steckt aber unter der Oberfläche oft Angst,
Nämlich die Angst,
Nicht liebenswert zu sein oder abgelehnt zu werden.
Wenn die Frauen geben alles für den Wunsch nach Liebe und haben zugleich ein starkes Harmoniebedürfnis.
Das ist ein bisschen paradox.
Obwohl sie in der Lage dazu wären,
Vermeiden sie Konflikte und schlucken ihren Ärger runter.
Sie werden unzufrieden und das spornt sie an,
Sich noch mehr anzustrengen.
Auch haben sie oft sehr schnell Schuldgefühle,
Wenn sie unbequem werden oder doch mal ihre Meinung sagen.
Sie nehmen dann jede Verantwortung auf sich und dem anderen die Verantwortung ab.
Und das passt natürlich auf perfide Weise zusammen.
Einer,
Der gewohnt ist,
Zu viel Verantwortung zu nehmen und einer,
Der sich vor Verantwortung scheut.
Das Kräftegleichgewicht stimmt dann überhaupt nicht und das kann auf Dauer nicht gut gehen.
Ja,
Und wenn Du Dich beim Hören dieses Podcasts ertappt fühlst,
Weil Du einige Aspekte vielleicht auch aus Deiner Beziehung kennst,
Dann möchte ich Dir Mut machen.
Es ist okay,
Seine Beziehung zu hinterfragen.
Wenn Du in einer Beziehung mit jemandem bist,
Die einseitig ist,
Wo Du mehr mit den Wünschen und Bedürfnissen des anderen beschäftigt bist als mit Deinen eigenen,
Wo Du versuchst,
Ständig für Euch beide zu denken,
Wo Du zu viel Verständnis für sie oder ihn oder zu wenig für Dich aufbringst,
Wo das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen überhaupt nicht stimmt,
Dann ruf Dir doch bitte mal in Erinnerung,
Dass sich in einer Beziehung auf Augenhöhe beide umeinander kümmern und trotzdem jeder für sich selbst und auch für das eigene Leben verantwortlich ist.
Versuch,
Dich selbst wiederzufinden,
Anstatt Dich von Deinem Partner abhängig zu machen.
Finde heraus,
Was Dir Spaß macht und kümmere Dich endlich wieder um Dich und Deine Bedürfnisse.
Das kann ein aufregendes Hobby sein,
Vielleicht findest Du Erfüllung im Job oder in Freundschaften.
Wenn es Dir am Anfang noch schwerfällt,
Dich wieder um Dich selbst zu kümmern,
Erinnere Dich daran,
Wie bereitwillig Du alles für andere gegeben hast.
Und diese liebevolle Energie hast Du doch auch selbst verdient,
Oder?
Rede auch mit vertrauten Menschen,
Mit Freundinnen oder Freunden über Deine wahren Gefühle.
Versuche,
Deine Beziehung realistisch zu sehen.
Denke auch dabei an den Bus.
Und wenn Du Dich trauerst,
Sprich mit Deinem Partner darüber.
Hab keine Angst.
Das ist auf jeden Fall eine Einladung an sie oder ihn,
Eure Beziehung auf eine neue Stufe zu entwickeln.
Das ist möglich,
Aber nur,
Wenn Ihr beide die Verantwortung dafür übernehmt und bereit seid,
Etwas dafür zu tun.
Es gibt keine Sicherheit,
Dass es gelingt,
Ich weiß.
Aber so wie es jetzt ist,
Funktioniert es ja offenbar auch nicht,
Oder?
Es ist also an der Zeit,
Etwas Neues zu wagen.
Und dafür möchte ich Dir so gerne Mut machen,
Denn Du hast die Liebe verdient,
Einfach weil Du da bist.
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