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Unser Umgang mit Verantwortung und Schuldgefühlen

by Claudia Bechert-Möckel

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Sind wir wirklich für alles in unserem Leben selbst verantwortlich? und verursachen so das Leid und den Schmerz, dass wir erleben? Warum das Loslassen von Schuldgefühlen genauso wichtig ist, wie Verantwortung zu übernehmen und wie wir ein gesundes Maß finden.

Transkription

Wahrscheinlich kennst du ja auch solche Menschen,

Die darin geübt sind,

Jegliche Schuld anderen in die Schuhe zu schieben.

Ich habe kein Problem,

Ich war es nicht.

Ich kann auch nichts dafür,

Dass es nur weil du oder XY dies oder das gemacht haben.

Es sind immer die anderen,

Die Umstände oder der Bodennebel,

Der dazu geführt hat,

Dass irgendetwas schwierig ist.

Solchen Menschen fehlt die Fähigkeit,

Ihren eigenen Anteil an Beziehungen,

An Situationen oder Umständen zu erkennen und oder ihn zu übernehmen.

Das hat fatale Auswirkungen für Beziehungen und sorgt auch sonst für allerhand Schwierigkeiten im Leben.

Jedenfalls wähnen sich diese Menschen als Opfer.

Allerdings kommt es genauso häufig vor,

Dass Menschen viel zu viel Verantwortung übernehmen,

Sich schuldig fühlen und darunter entsetzlich leiden.

Sie schleppen zusätzlich die Verantwortung anderer mit sich herum,

Die sie sich aufladen lassen und auch auf sich nehmen.

Warum ein zu viel an Verantwortung genauso schädlich ist wie ein zu wenig und wie wir ein gesundes Maß finden können,

Wo wir Verantwortung auch mal loslassen dürfen,

Darum geht es in dieser Podcast-Folge mit drei wertvollen Selbstcoaching-Tools für dich und dein Leben.

Leben lieben lassen,

Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,

Beziehung und Selbstliebe.

Von und mit Claudia Bechert-Möckel.

Unser Umgang mit Verantwortung und Schuld,

Das Thema heute in Episode 57 und inspiriert dazu hat mich eine Mail,

Die mich vor ein paar Tagen erreicht hat.

Hallo liebe Claudia,

Steht da,

Vor drei Wochen hat mich eine weitere negative Erfahrung dazu gebracht,

Mein Leben und mein Verhalten in der Vergangenheit zu überdenken.

Durch Zufall bin ich auf Spotify auf deinen Podcast gestoßen und habe reingehört.

Bereits die erste Folge hat mich dazu gebracht,

Mir einen Zettel zurechtzulegen und mir Notizen zu machen.

Am gleichen Abend noch habe ich beschlossen,

Etwas zu verändern und habe damit angefangen,

Aufzuräumen und für meine Taten in der Vergangenheit Verantwortung zu übernehmen.

Es hat sich ein unglaublich befreiendes und wohltuendes Gefühl in mir ausgebreitet,

Das Gefühl,

Inneren Frieden gefunden zu haben.

Ich bin noch nicht ganz da,

Wo ich sein will,

Aber ich habe den ersten Schritt in die richtige Richtung getan.

Deswegen wollte ich dir gerne auf diesem Weg Danke sagen.

Für deine Hilfe,

Mich selbst zu reflektieren,

Mir eigene Fehler einzugestehen,

Dafür gerade zu stehen und mich bei Menschen zu entschuldigen,

Die ich verletzt habe.

Lieben Gruß,

Rita.

Mich hat es sehr berührt und ich freue mich natürlich,

Dass Rita für sich die Bereitschaft zum Annehmen ihres eigenen Anteils an Situationen und Problemen gefunden hat und natürlich freue ich mich auch,

Dass ich sie dabei inspirieren durfte.

Denn immer wieder treffe ich in meiner Arbeit mit Klienten auf Menschen,

Die jegliche Verantwortung für eine von ihnen mit erschaffene Situation in ihrer Beziehung oder in ihrem Leben von sich wegweisen.

Mit mir hat es nichts zu tun,

Ich kann nichts dafür,

Heißt es dann.

Das liegt an meinem Partner,

Meiner Partnerin,

Weil die oder der immer so.

Auf jeden Fall liegt die Verantwortung immer außerhalb dieser Menschen.

Sie sind in einer permanenten Opferhaltung und erkennen ihren Anteil nicht.

Das erzeugt Gefühle von Ausgeliefertsein.

Das Leben passiert uns dann,

Weil wir es ja nicht beeinflussen können.

So ist die Erfahrung,

Die die Verantwortungsvermeider machen.

Ohne dass Ihnen das Bewusstsein muss,

Laden Sie alles,

Was schwierig ist,

Den ganzen inneren Mist,

Fehler,

Gefühle,

Verhalten,

Alles drauf auf eine innere Schubkache.

Und Sie verlassen damit Ihr eigenes Gelände,

Steuern auf das Gelände des anderen zu und kippen dort die ganze Ladung ab.

Bei Ihnen,

Also bei den Vermeidern,

Ist es dann sauber und ordentlich.

Da ist sozusagen aufgeräumt.

Im Garten des Nachbarn türmt sich der Mist Meter hoch.

Und dann wird im schlimmsten Falle noch mit dem Zeigefinger gewunken und die Nase gerümpft.

Wie kann man nur so viel Mist in seinem Garten haben?

Schau mal bei mir,

Alles schön sauber und ordentlich.

Du solltest aber nun wirklich mal aufräumen,

Sonst stinkt es ja bis zu mir rüber.

Ich muss auch so ein bisschen schmunzeln bei diesem Bild.

Und na klar,

Wir haben alle schon mal die Verantwortung bei anderen abgeladen.

Beim Partner,

Den Kindern,

Der Regierung oder dem schlechten Wetter.

Aber mindestens genauso oft erlebe ich Menschen,

Die unter ihren gigantischen Schuldgefühlen fast zusammenbrechen und glauben,

Sie seien für alle Probleme und jedes Leid ganz allein verantwortlich.

Sie sind richtige Lastenesel in puncto Verantwortung.

Und wenn ich bei meinem Bild bleibe,

Sind das die Menschen,

Die ständig besorgt sind,

Ob denn die kleinste Unordnung in ihrem Garten wohl nicht die Nachbarn stört und sie sind emsig bemüht,

Allen Mist abzutragen.

Und kommt dann noch jemand vorbei mit seiner Schubkarre voll Verantwortung und Schuld,

Dann halten sie im schlimmsten Falle noch das Gartentor auf und schauen fassungslos zu,

Wie der abgeladene Mist die schönen Rabatten überflutet.

Und obwohl sie fühlen,

In ihrem Inneren,

Dass das ungerecht ist,

Glauben sie dem Schuldvermeider,

Der dann sagt,

Hier,

Das ist dein Mist,

Den hast du produziert.

Stattdessen schämen sie sich,

Wie es in ihrem Garten aussieht und dass sie so viel Mist verursacht haben.

Ich muss ziemlich unfähig sein,

Wenn es bei mir immer so aussieht,

Denkt es in ihnen.

Und sie tragen ständig den Müll anderer Leute ab und verlieren ihre Lebensfreude.

Die Steigerungsform dieser Haltung der Schuldübernahme ist die Ansicht,

Dass man das Leid sogar unbewusst selbst ausgewählt oder verdient habe.

Das heißt,

Das Schicksal oder Karma hängt wie ein Damoklesschwert über den Betroffenen.

Ich weiß nicht,

Wie du darüber denkst und möchte dir meine Meinung dazu nicht aufzwingen.

Aber weißt du,

Ich erlebe in meiner Arbeit Menschen,

Die nicht nur unter ihrem Schmerz leiden oder unter ihren Lebensproblemen,

Sondern auch nach darunter,

Dass sie glauben,

Alles,

Also wirklich alles,

Selbst verursacht zu haben.

Das ist eine doppelte Last,

Die getragen werden muss und manche zerbrechen darunter.

Leider ist auch in der Ratgeberliteratur oder in esoterischen Ansätzen immer wieder davon die Rede,

Dass man alles selbst in sein Leben zieht.

Nach meinem Verständnis ist das eine außerordentlich schwierige und sogar selbstzerstörerische Haltung.

Denn so wertvoll es ist,

Seinen eigenen Anteil an schwierigen Themen und Lebensproblemen erkennen zu wollen,

Weil es ja wirklich das Einzige ist,

Das wir beeinflussen können,

So unmöglich ist es auch für alles und jeden die Verantwortung zu übernehmen.

Selbst wenn du es wolltest,

Du kannst gar nicht für alles verantwortlich sein.

Denn wir erschaffen die Realität nicht allein,

Sondern zusammen mit anderen.

Die Wahrheit beim Thema Verantwortung liegt wie so oft in der Mitte.

Wir alle sind an unserem Leben beteiligt.

Es geschieht uns nicht einfach.

Doch wir haben nicht auf alles Einfluss,

Was in diesem Leben passiert.

Leider,

Muss man ja manchmal sagen,

Wenn man etwas ändern möchte,

Das man nicht ändern kann.

Zum Glück,

Könnte man aber auch sagen,

Weil wir uns nicht für jedes Leid,

Das uns und anderen passiert,

Die Schuld geben müssen.

Die Kunst liegt darin zu unterscheiden,

Was an den Themen unseres Lebens tatsächlich in unserer Macht steht und sich beeinflussen lässt,

Und was außerhalb unserer Möglichkeiten und Verantwortung liegt und wofür wir Akzeptanz brauchen und auch die Fähigkeit loszulassen.

Und ich möchte dir ein paar Tools an die Hand geben,

Mit denen du das für dich sortieren kannst.

Die erste Übung,

Die ich dir vorstellen möchte,

Nenne ich die Quadranten der Selbstwirksamkeit.

Denke doch einmal an ein für dich ungelöstes Thema,

Eine schwierige Beziehungssituation vielleicht.

Oder einen Umstand in deinem Leben,

Mit dem du dich nicht wohlfühlst.

Etwas,

Das noch nicht für dich geklärt oder gelöst ist.

Zeichne nun auf ein leeres Blatt eine senkrechte und eine waagerechte Linie,

Die sich in der Mitte kreuzen,

Sodass vier Felder entstehen.

In das Feld links oben schreibst du als Überschrift,

Was sich an diesem Thema beeinflussen kann.

In den rechten oberen Quadranten schreibst du,

Was außerhalb meiner Macht liegt,

Was ich nicht beeinflussen kann.

Links unten lautet die Überschrift,

Was ich an diesem Thema beeinflussen kann,

Aber nicht wahrhaben will.

Und rechts unten,

Was außerhalb meiner Macht liegt,

Worüber ich aber versuche Kontrolle zu bekommen.

Dann füllst du die Felder deinem Thema entsprechend aus und notierst dir zu jedem ein paar Stichpunkte.

Jedes Thema hat immer diese vier Bereiche.

Das,

Was wir beeinflussen können,

Also was in unserer Macht liegt.

Das,

Was außerhalb unserer Macht liegt,

Das was wir beeinflussen können,

Aber nicht sehen oder haben wollen.

Und das,

Über das wir keine Macht haben,

Aber was wir unbedingt ändern wollen.

Der Witz ist,

Dass wir unsere Kraft und Energie sehr oft in die Bereiche lenken,

Die außerhalb unserer Macht liegen und uns dort regelrecht verausgaben,

Ohne dass sich irgendwas verändert.

So machen wir immer neue Erfahrungen von Machtlosigkeit und verlieren unsere Energie.

Dabei übersehen wir oft,

Wo wir unsere Kraft stattdessen wirkungsvoll einsetzen könnten,

Um wieder ins Gelingen zu kommen oder irgendwie mit dem Thema umzugehen.

Ein Beispiel.

Ina ist eine selbstbestimmte,

Starke Person,

Die weiß,

Was sie will.

Männer kommen gar nicht so leicht an sie ran,

Denn ihr Herz öffnet sie nicht so schnell und schon gar nicht für jeden.

Frank allerdings hat es geschafft,

Sie zu erobern und sie hat sich voll auf diese Beziehung eingelassen.

Das war wunderbar.

Bis Frank ganz plötzlich und völlig unerwartet beschloss,

Doch wieder zu Frau und Kindern zurückzukehren.

Ina verstand gar nichts mehr und fiel in ein schwarzes,

Dunkles Loch.

Sie konnte das natürlich nicht hinnehmen,

Geschweige denn akzeptieren.

Und mit der Macht ihrer ganzen Stärke hat sie alle Register gezogen und um Frank gekämpft,

Wie sie das nannte.

Dieser Kampf sah aber so aus,

Dass Ina mit allen Mitteln versuchte,

Frank davon zu überzeugen,

Dass es keine gute Idee sei und er zu ihr zurückkehren solle.

Sie weinte,

Sie schrie,

Sie argumentierte,

Sie flehte,

Alles aussichtslos.

Frank blieb bei seinem Entschluss.

Eine Katastrophe für Ina.

Doch sie hörte nicht auf mit dem Kämpfen und wurde davon ganz kraftlos und leer,

Fast verlor sie den Boden unter den Füßen.

Beim Sortieren der Quadranten der Selbstwirksamkeit erkannte Ina etwas für sich.

Franks Verhalten lag außerhalb ihrer Macht.

Es hing nicht davon ab,

Ob er nur etwas richtig verstehen sollte oder ob sie sein Verhalten verstand.

Sie konnte versuchen,

Was sie wollte.

Wenn er es nicht wollte,

Blieb sie machtlos.

So schlimm das auch für sie war,

Was Frank tat oder nicht tat,

Blieb außerhalb Inas Kontrolle.

Denn es lag in seinem Verantwortungsbereich.

Das Einzige,

Was Ina beeinflussen konnte,

War die Art und Weise,

Wie sie mit der enttäuschenden Erfahrung,

Also mit Franks Verhalten umgehen konnte.

Die Wahl darüber,

Welche Art von Mensch sie in dieser Situation sein wollte,

Die konnte niemand ihr wegnehmen.

Sie konnte diese Erfahrung nicht abwählen,

Die war ja schon passiert,

Trotz aller Versuche.

Doch,

Und das kennen wir alle,

Anstatt ihre Kraft dafür zu verwenden,

Das zu beeinflussen,

Auf das sie richtig Zugriff hatte,

Arbeitete sich Ina daran ab,

Das zu ändern,

Was außerhalb ihrer Macht war.

Und das sind die beiden unteren Quadranten.

Und dieses Abarbeiten in der falschen Richtung sorgt dafür,

Dass sie aus dem Leid und der Machtlosigkeit über lange Zeit nicht mehr herauskam.

Wenn wir uns das klar machen,

Kann diese Erkenntnis wehtun,

Das stimmt.

Aber die Klarheit ist auch unser Ausweg.

Und zugleich die Wanderkarte für unseren Weg zu uns zurück.

Anstatt uns mit der Verantwortung auf einem falschen Gelände oder in einer falschen Richtung zu bewegen,

Dürfen wir nicht vergessen,

Wo unsere wahre Verantwortung liegt,

Nämlich bei den Dingen,

Die wir beeinflussen können.

Ina hat es geschafft.

Sie hat das Unvermeidliche Akzeptieren und Loslassen gelernt,

Auch wenn das nicht leicht war.

Aber in dem Moment,

Als sie ihre Kraft wieder für sich einsetzte,

Verschwand das Gefühl von Machtlosigkeit und Ausgeliefertsein nach und nach.

Und so hat sie Stück für Stück ihre Souveränität zurückgewonnen.

Die drei Gärten – meine,

Deine oder unsere Verantwortung?

Diese Übung mache ich regelmäßig mit Pan,

Denn gerade in unseren Beziehungen ist die Frage des Umgangs mit Verantwortung eine super wichtige Sache.

In jeder Beziehung gibt es drei Bereiche – das Ich,

Das Du und das Wir.

Alles,

Was in der Beziehung passiert,

Lässt sich in Bezug auf Verantwortung der Zuständigkeit eines der Bereiche zuordnen.

Es ist sehr hilfreich,

Wenn man das mal miteinander macht,

Denn es gibt sehr viele Missverständnisse dabei.

Das stelle ich immer wieder fest.

Oft mischen wir uns in Dinge ein,

Die eigentlich in der Verantwortung von Partner oder Partnerin sind und wollen in ihrem oder seinem Bereich Einfluss nehmen.

Dann sind wir mit unserer Verantwortung in der falschen Richtung unterwegs.

Manchmal ist es aber auch ein Zuviel an Verantwortung,

Die wir zum Beispiel für das Gemeinsame,

Also für das Wir übernehmen,

Sodass der andere sich bequem zurücklegen kann.

Er oder sie übernimmt das zu wenig an Verantwortung und bemüht sich nicht genug um das Gelingen der Beziehung.

Und genauso ist es auch mit dem Thema Schuld,

Die ja eigentlich nur eine falsch verstandene Verantwortung ist.

Wer hat die Schuld ist ja ein beliebtes Spiel in vielen Beziehungen.

Ich spreche dann immer lieber von Wessen Verantwortung ist das und welchen Anteil habe ich oder du daran.

Aber auch da gibt es die,

Die sich einen großen Anteil beimessen und die,

Die ihren Anteil nicht zu sich nehmen wollen.

Fatalerweise ergänzen sich die beiden dann auf dysfunktionale Weise.

Denn beide sind sich ja insgeheim darüber einig,

Einer hat Schuld oder ist der oder die Verantwortliche und Partner oder Partnerin kann nichts dafür.

Es lohnt sich,

Drei Kreise aufzuzeichnen für das Ich,

Das Du und das Wir in der Beziehung und dann mal zusammen zu sortieren,

Welche Themen in die Verantwortung des Einzelnen gehören.

Und dann gilt es natürlich,

Da Grenzen zu achten und mit seiner Verantwortung bei sich zu bleiben.

Und welche Themen unserer Beziehung betreffen uns eigentlich beide?

Und natürlich ist es dann wichtig,

Dass beide an dieser Stelle die Verantwortung für die Beziehung übernehmen und ihr gerecht werden.

Wenn man das aufzeichnet,

Erkennt man sofort,

Wo es Missverständnisse oder Disbalancen gibt und kann diese austachieren.

Wo also übernimmt der Einzelne zu viel oder zu wenig Verantwortung und wo läuft die Verantwortung in die falsche Richtung?

Die Beobachterperspektive einnehmen Die Frage nach zu viel,

Zu wenig oder an der falschen Stelle von Verantwortung oder Schuld lässt sich übrigens für alle Lebensthemen ganz hervorragend betrachten,

Wenn wir in die Beobachterrolle wechseln.

Stell dir dazu einfach vor,

Du bist ein Kinozuschauer und die Situation,

Um die es für dich geht,

Läuft wie ein Film vor dir ab.

Du schaust als unbeteiligte Person von außen auf dein Leben.

Was ist zu viel?

Was ist zu wenig?

Und was in Sachen Verantwortung ist an der falschen Stelle in diesem Film?

Wo bin ich also mit meiner Verantwortung oder gefühlten Schuld?

Das lässt sich aus der Beobachterperspektive ganz wunderbar erkennen.

Den eigenen Anteil zu sich nehmen ohne darunter zusammenzubrechen.

Das ist ein für mich ganz wichtiger Aspekt.

Erzeugt von Größe,

Wenn wir unseren Anteil an Schwierigkeiten annehmen können.

So wie Rita in ihrer Mail ist es ein Wendepunkt,

Wenn wir uns eingestehen,

Da bin ich übers Ziel hinaus geschossen.

Da habe ich jemandem wehgetan,

Ich habe Fehler gemacht.

Ja,

Wir sind nicht perfekt,

Noch nicht einmal die,

Die es von sich behaupten.

Wir irren uns,

Wir haben Licht und Schatten,

Genau wie alle anderen Menschen auch.

Das zu akzeptieren bedeutet aber nicht,

Dass wir es nicht besser können.

Und es bedeutet auch nicht,

Dass wir schlecht sind,

Weil wir uns nicht immer auf die günstigste Weise verhalten haben.

So kann es sein,

Dass wir uns Jahre später noch schuldig fühlen für das,

Was wir meinen verursacht oder anderen Menschen angetan zu haben.

Dann schämen wir uns für unsere Unfähigkeit,

Unseren Makel,

Unsere Fehler und fühlen uns vielleicht sogar wie ein schlechter Mensch.

Ich kann dir sagen,

Ich kenne mich sehr gut aus mit Schuldgefühlen,

Auch persönlich.

Sie wurden mir quasi schon mit der Muttermilch eingeflößt.

Und natürlich habe ich viele Dinge in meinem Leben gemacht,

Die mir leidtun,

Wo ich andere verletzt habe und auch mich selbst.

Als ich sehr jung war,

Habe ich mich entschieden,

Ein Kind nicht zu bekommen.

Und es war ein Fehler für mich.

Das weiß ich heute.

Vielleicht verurteilst du mich sogar dafür.

Das kann ich verstehen.

Ich habe Menschen vor den Kopf gestoßen oder verlassen.

Ich war nicht immer die perfekte Mutter,

Die ich gern für meinen Sohn gewesen wäre,

Auch wenn das meine Absicht war.

Obwohl ich ihn unendlich liebe,

War ich manchmal überfordert,

Angespannt oder habe überreagiert.

Das alles habe ich getan und auf vieles davon bin ich wirklich nicht stolz.

Daher weiß ich auch,

Zum gesunden Umgang mit Schuldgefühlen gehört unbedingt die Fähigkeit,

Sich selbst zu vergeben,

Nicht nur den anderen.

Jeder von uns macht es immer so gut er kann.

Das gilt für dich selbst und es gilt auch für alle anderen.

Wenn du auf dein Leben schaust,

Dann schaust du rückwärts,

Vom Punkt aus heute.

Du schaust von heute aus auf damals,

Als du dieses oder jenes getan hast und du verurteilst dich.

Und natürlich beurteilst du aus der Sicht von heute,

Wo du viel mehr weißt,

Das Ergebnis kennst und die Konsequenz,

Die daraus erwuchs,

Die Situation ganz anders als damals,

Als du ja mittendrin gesteckt hast.

Du konntest damals nicht weiter sehen als bis zum Horizont.

Heute bist du längst über diesen Horizont von damals hinaus.

Wenn du damals gewusst hättest,

Was du heute weißt,

Dann hättest du dich sicherlich anders entschieden.

Aber zu diesem Zeitpunkt damals hast du das Beste getan,

Was dir in diesem Moment möglich war.

Das ist die Wahrheit.

Und keine leichtfertige Ausrede.

Sich selbst erlauben,

Dass man zum Zeitpunkt XY keine andere Möglichkeit gesehen hatte,

Es einfach nicht besser gewusst hatte oder es besser konnte.

Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg,

Sich selbst zu vergeben und Schuld und Scham so gut wie möglich loszulassen.

Es hilft nämlich niemandem,

Sich nachträglich runterzumachen mit dem Wissen von heute und sich zu schlagen dafür,

Dass man es damals nicht besser sehen konnte.

Es darf dir leidtun,

Natürlich,

Aber akzeptiere,

Dass du es damals so gewählt hast und auch,

Dass es zu dir gehört.

Auch das ist Verantwortung zu übernehmen.

Übernehmen wir doch dort Verantwortung für uns und andere,

Wo wir es können.

Und lassen wir dort davon ab,

Sinnlos gegen Widerstände anzurennen,

Die sich nicht lösen lassen.

Dann wäre schon vieles einfacher.

4.8 (59)

Neueste Bewertungen

Kerstin

February 17, 2024

Toller Vortrag und ein komplexes Thema verständlich erklärt. Ich habe gerade ganz viel über und für mich gelernt. Herzlichen Dank 💖

Ellen

August 15, 2022

Es war wieder unglaublich. Du sprichst mir im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Herzen. Vielen, vielen Dank dafür. 🙏🥰

Nick

May 17, 2022

Sehr verständlich! Danke

Bettina

April 2, 2022

Vielen Dank für deine lieben offenen Worte deine Ehrlichkeit und Klarheit ich liebe es deiner freundlichen Stimme zu folgen... Ja, wir haben immer die Wahl uns neu auszurichten zu reflektieren und neu zu ordnen/orientieren...

Stephanie

August 20, 2021

Vielen lieben Dank! Richtig gut!

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