
Eifersucht, Misstrauen und Kontrollzwang in Beziehungen
Die Sucht nach Kontrolle in Paarbeziehungen- wie Misstrauen und Eifersucht die Beziehung zerstören können und was Du dagegen tun kannst.
Transkription
Mal Hand aufs Herz.
Hast du auch schon mal heimlich ins Handy deines Partners oder deiner Partnerin geschaut?
Warst du schon mal misstrauisch,
Wenn sie oder er mit Freunden ausgegangen ist?
Hast du vielleicht heimlich seine oder ihre Mails gecheckt?
Ist das nun jetzt eine Bagatelle?
Schon eine Verletzung der Vertrauensbasis?
Oder ist es krankhaft?
Die Grenzen zwischen gesundem Misstrauen und krankhafter Eifersucht in Beziehungen,
Die sind fließend.
Und manchmal entsteht eine Art Kontrollzwang,
Der die Basis der Beziehung nachhaltig zerstört.
Leben,
Lieben,
Lassen.
Der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Herzlich willkommen beim Leben,
Lieben,
Lassen Podcast Episode 59.
Kontrollsucht,
Eifersucht und Misstrauen in Beziehungen.
Ich bin Claudia Bechert-Möckel,
Persönlichkeits- und Beziehungscoach.
Ich unterstütze Menschen dabei,
Sich selbst und andere besser zu verstehen und gelingende Beziehungen zu führen.
Und eigentlich sollten ja Freiwilligkeit,
Liebe und so ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen die Grundlage jeder gelingenden Beziehung bilden.
So wünschen wir uns das zumindest.
Manchmal ist das aber gar nicht mehr möglich,
Wenn zum Beispiel die gesunde Balance der Beziehung durch extreme Eifersucht und Kontrollsucht gestört ist.
Mir begegnen in meiner Arbeit immer wieder Paare,
Die in einer Atmosphäre starken Misstrauens miteinander leben,
Wo einer den anderen bewacht und belauert,
Wo die Eifersucht wie ein Vampir jede Freude aus dem Miteinander absaugt.
Und dabei werden nicht selten alle Register gezogen.
Vom Schnüffeln im Handy des anderen,
Über Handyortung,
Bis hin zum Hacken des E-Mail-Accounts,
Dem heimlichen Hinterherspionieren und Beobachten oder dem Engagieren von Dritten.
Glaub mir,
Ich habe in der Beratung schon alles gehört.
In solchen Beziehungen,
Da wird in jede Geste der Partnerin oder des Partners irgendetwas hineingedeutet.
Alles,
Also wirklich alles kann Anlass für Auseinandersetzung sein.
Der Anruf einer Kollegin vielleicht,
Winzig kleine Verspätungen,
Eine kurze Nichterreichbarkeit am Handy und schon läuft die Eifersucht amok.
Führt dann zu stundenlangen Verhören und Rechtfertigungsorgien,
Zu eskalierenden Streits,
Zu Tränen,
Zu psychischer und manchmal sogar auch zu körperlicher Gewalt.
Kontrollsucht hat mit einem kleinen Eifersuchtsanfall nichts zu tun.
Sie kennt keine Grenzen der Privatsphäre.
24-7 steht Partner oder Partnerin im Fokus des Misstrauens.
Sie oder er hat überhaupt keine Chance mehr irgendetwas richtig in Anführungszeichen zu machen.
Derjenige,
Der kontrolliert,
Wird als absolut mächtig erlebt.
Und wird man selbst kontrolliert,
Erlebt man tiefste Hoffnungslosigkeit und Ausgeliefertsein.
Oft auch große Schuldgefühle,
Die einem eingeredet werden.
Es ist beinahe so,
Als müsste sie oder er so lange ausgeleuchtet werden,
Bis es überhaupt keine Grenzen der Persönlichkeit mehr gibt.
Vorwürfe,
Verdächtigungen,
Auseinandersetzungen,
Wie gesagt,
Sind in solchen Beziehungen an der Tagesordnung.
Und es gibt eigentlich fast kein anderes Thema mehr.
Es herrscht eine seltsam unausgesprochene Einigkeit darüber,
Dass einer der Schuldige ist,
Der Beweise seiner Treue erbringen muss und der andere,
Also der Kontrollierer,
Praktisch das Opfer,
Der ein Recht darauf hat,
Dauerhaft misstrauisch zu bleiben.
Die Rollen sind also dabei klar verteilt und sie verändern sich auch nicht.
Und das macht den Teufelskreis der ungesunden,
Krankhaften Eifersuchtdynamik aus.
Niemand kann einem solchen Druck auf Dauer gewachsen sein.
Da bleibt irgendwann am Ende nur noch eine dramatische Trennung.
Warum macht jemand eigentlich sowas?
Den geliebten Partner oder die Partnerin so zwanghaft zu kontrollieren?
Geht es dabei um Macht?
Der Kontrollzwang,
Das permanente Misstrauen und die rare Sinn der Eifersucht sehen von außen ja so aus wie eine Demonstration absoluter Macht und Stärke.
In Wahrheit ist ein solches Verhalten Ausdruck von allergrößter Hilflosigkeit und von einer starken Verlustangst.
Kontrolliert man einen anderen Menschen,
Ist das der Versuch,
Das eigene,
Brüchige Sicherheitsempfinden zu stärken.
Irgendeine eigene lebensgeschichtliche Erfahrung von unsicheren Bindungen und große Unsicherheit,
Dass das oft die Menschen,
Die den Kontrollzwang ausüben,
Schon mit sich bringen.
Sie versuchen dabei in der Regel unbewusst ihre eigene Unfähigkeit zu vertrauen,
Auf ihr Gegenüber zu projizieren und sie so ersatzweise bei Partner oder Partnerin zu bekämpfen.
Die Ursache der eigenen tiefen Unsicherheit wird also nach außen gerichtet und soll so Heilung erfahren.
Anstatt zu versuchen,
In sich selbst die Basis des Vertrauens zu stabilisieren.
Und dadurch entsteht das eben,
Dass dem anderen ständig Untreue unterstellt wird,
Obwohl es ja bei mir selbst an der Fähigkeit zu vertrauen mangelt.
Das Sammeln von Beweisen der Untreue treibt den Teufelskreis dann nur noch weiter voran und bringt eben nicht mehr Sicherheit,
Sondern immer weniger.
Und die Wahrheit ist,
Beide Partner leiden dabei höllem Qualen.
Viele Betroffene können allerdings ihre Kontrollsucht,
Auch wenn sie sie erkennen sollten,
Gar nicht so einfach sein lassen.
Oft sind sie richtig in ihr gefangen.
Kontrollsucht ist im Gegensatz zu normaler Eifersucht nichts,
Was aus irgendeinem wirklichen Anlass heraus auftritt.
Es ist eher so ein Grundgefühl von Unsicherheit und Angst,
Das ständig und latent vorhanden ist und das sich dann bei irgendeinem winzigsten Anlass ins Absurde hineinsteigert.
Auch wenn von außen betrachtet kein realer Grund besteht zu der Annahme der andere sehr untreu.
Manchmal allerdings wird sie,
Und das habe ich auch schon erlebt,
Durch einen realen Anlass losgetreten,
Hat dann aber auch dann latent schon meist vorher bestanden.
Grundsätzlich ist es so,
Wer unter der Sucht,
Partner oder Partnerin kontrollieren zu müssen,
Leidet,
Der kennt das Gefühl,
Dass man anderen nicht vertrauen kann,
Schon aus seinem eigenen Leben.
Wer einen geliebten Menschen zwanghaft mit Eifersucht verfolgt und kontrolliert,
Folgt damit der eigenen Angst,
Die Liebe und diesen Menschen zu verlieren.
Nur versteht dieser Mensch nicht,
Dass der Schritt absolut kontraproduktiv ist und mehr mit ihm selbst zu tun hat als mit anderen.
Deshalb ist der erste Schritt zur Veränderung auch hier die Selbsterkenntnis.
Zu verstehen,
Woher die innere Verlustangst kommt und wie sie sich auf die Beziehung auswirkt.
Zu sehen,
Wo man Grenzen überschreitet,
Wo die eigene Angst in psychischen Druck ausartet,
Den man auf andere ausübt.
Das ist bereits der erste Schritt zur Veränderung und raus aus der Hilflosigkeit.
Der Aufbau des eigenen Selbstwertes kann für ein stärkeres Vertrauen ins Leben sorgen und auch in sich selbst.
Wer also feststellt,
Dass die Eifersucht sich ins Extreme ausweitet,
Muss sich darüber klar werden,
Dass er die Freiwilligkeit des anderen braucht für eine echte Beziehung.
Wenn man jemanden permanent bewachen muss,
Dann ist es keine Liebe.
Und will sich jemand einem anderen Menschen zuwenden,
Wird er oder sie das irgendwann tun,
Egal wie sehr du sie kontrollierst.
Ich lasse dich los,
Weil ich dich liebe,
Ist eine Haltung,
Die man sich erarbeiten kann und mit der man diese Kontrollsucht und die krankhafte Eifersucht überwinden kann.
Die Macht über deine Angst liegt bei dir,
Nicht bei deinem Partner oder deiner Partnerin.
Wenn du Druck machst,
Deinen Beziehungspartner mit Vorwürfen und Kontrolle verfolgst,
Sorgst du paradoxerweise für Distanz anstatt für Nähe.
Lässt du los,
Entsteht eine Sogwirkung zu dir hin,
Wenn euch wirklich etwas verbindet.
Die Liebe folgt dem Sog,
Nicht dem Druck.
Nimm deinen Anteil zu dir und sprich mit deinem Partner oder deiner Partnerin über das Thema.
Sag,
Was du dir wünschst und was du brauchst,
Um dich wieder sicherer in der Beziehung zu fühlen und gib aber auch einen Vertrauensvorschuss.
Das ist wahre Größe.
Nur wenn sich jemand freiwillig auf dich zu bewegen kann,
Wird mit der Zeit in deinem Inneren Ruhe einkehren können.
Nimm also deine Angst zu dir,
Du hast die Macht darüber,
Sonst niemand.
Setz dich vor allem damit auseinander,
Ob deine überbordende Eifersucht ein Thema ist,
Das du schon kennst und das dich schon länger begleitet,
Das vielleicht auch in anderen Beziehungen schon vorkam ob die Eifersucht aus einem wirklichen Anlass heraus vorübergehend auftritt oder ob sie permanent besteht.
Und natürlich kann es sinnvoll sein,
Sich dabei Unterstützung zu holen.
Und wenn du merkst,
Dass dein Partner oder deine Partnerin unter einem extremen Kontrollzwang leidest und du dich ständig im Verfolgungs- und Entschuldigungsmodus fühlst,
Angst hast,
Dich mit Freunden zu treffen,
Wenn du dich unfrei fühlst,
Wenn du ständig um Erlaubnis bittest,
Um vielleicht etwas allein tun zu können und schon ganz verunsichert davon bist,
Dann mach dir klar,
Dass das den Rahmen einer normalen Beziehungsproblematik sprengt.
Sprich mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber.
Fang an Grenzen zu setzen.
Hol dir Unterstützung,
Wenn das allein schwierig ist.
Sprich mit Familie und Freunden.
Du hilfst ihr oder ihm nicht,
Wenn du versuchst,
Ständig neue Beweise deiner Unschuld zu liefern oder sie oder ihn beschwichtigst.
Das verstärkt nur das Problem.
Es ist möglich,
Die Kontrollsucht,
Die krankhafte Eifersucht und das ewige Misstrauen in Beziehungen zu überwinden.
Aber es braucht Erkenntnis,
Ehrlichen Austausch und Veränderungsabsicht von beiden Seiten.
Das wünsche ich dir von Herzen,
Deine Claudia.
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