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Was ist Realität? Nondualistische Selbstgespräche für niemanden

by Sitzen

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Meditation
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Dieses ist die Fortsetzung des Podcasts "Was sind Gedanken". Nachdem sich im vorherigen Podcast der Frage genähert wurde, was Gedanken sind, geht es nun darum, was sich aus diesen Gedanken scheinbar weiter entwickelt. Gedanken scheinen in der Traumwelt dazu zu neigen, großartige Gebilde aufzuwerfen und Welten zu erschaffen, kurzum Realität zu kreieren. Was sich hinter dieser "Realität" verbirgt und welche Zusammenhänge zwischen Wahrheit und Realität bestehen, versucht dieser Podcast anzureißen.

Transkription

Willkommen bei Sitzen auf Stühlen,

Dem Kanal für Nondualität,

Nonsens und selektiv permeable Osmoseberatung.

Im heutigen Video geht es um die Frage,

Was ist Realität?

Im vorangegangenen Video wurde bereits über Gedanken gesprochen,

Darüber,

Dass Gedanken etwas mit Dingen und Verdinglichung zu tun haben.

Genau die gleiche Parallele lässt sich erkennen,

Wenn man sich dem Begriff Realität nähert,

Nämlich res,

Ding oder Sache,

Also Latein.

Die Realität ist demnach eine Welt der Dinge,

Eine versachlichte Welt,

Und diese Versachlichung,

Also das Werden zu einer Welt aus lauter scheinbarer Sachen,

Geschieht durch Gedanken.

Realität ist also quasi das,

Was ist,

Wahrgenommen durch die Verstandesbrille und in Form gebracht durch Gedanken.

Was scheinbar entstanden ist,

Ist demnach eine bedingte Welt,

Auch in gewisser Weise eine bedachte Wahrheit.

Es wird klar,

Dass sich die Realität somit von Wahrheit unterscheidet,

Denn diese ist das Nicht-Etwas,

Was schlichtweg ohne irgendwelche Bedingungen,

D.

H.

Beimengung durch den Verstand im Gewahrsein auftaucht.

Realität ist also stets etwas vom Verstand Gemachtes,

Damit ein analytisches Trennungsprodukt aus der Ganzheit dessen,

Was ist.

Und diese Spaltung der Einheit in Zwei geschieht bereits durch die Wahrnehmung,

Dazu später mehr.

Der Verstand und das Denken sind nichts Schlechtes,

Auch wenn es sich vermutlich in manchen spirituell ausgerichteten Beiträgen mancherorts so anhören mag,

Wahrscheinlich auch auf diesem Kanal manchmal.

Der Verstand kann jedoch einfach nicht anders,

Als Trennung zu schaffen.

Der Verstand und das Denken sind Instrumente,

Werkzeuge für bestimmte Zwecke.

Man käme ja auch nicht auf die Idee,

Einer Bastelschere Gewalt an Papier vorzuwerfen und sie deshalb abzuwerten.

Und so wie es die Aufgabe der Bastelschere ist,

Zu schneiden,

So ist es die Aufgabe des Verstandes,

Tätigkeiten wie Messen,

Analysieren und Bewerten durchzuführen.

Und genau durch dieses Messen wird die Realität geschaffen.

Das Sanskrit-Wort Maya macht dies sehr gut deutlich,

Denn dieses Adjektiv heißt zum einen messend,

Zum anderen aber auch Illusionen erschaffend.

Und diese Illusionen,

Die vom Verstand erzeugt werden,

Faßt das Ego als Realität auf,

Nimmt also die Illusion für voll.

Messen und somit Illusionserschaffung bringt gleichzeitig Zeit und Raum hervor.

Messen bedeutet Abgleichen mit einem gedanklichen Inhalt aus dem Gedächtnis,

Es bedarf also einer Vergangenheit.

Messen bedeutet ebenso auch Erschaffung des Raumes,

Denn ohne die Distanz zwischen messendem und gemessenem und die Trennung von Einheit zunächst in mindestens zwei,

Funktioniert der ganze Vorgang nicht,

Somit ist also Raum geschaffen und zuvor Zeit.

Durch diese Betrachtungsweise wird deutlich,

Dass der Verstand lediglich ein scheinbares Verständnis dessen,

Was ist,

Liefert.

Vielmehr generiert er durch seine Aktivität ein Ausweichmanöver von der Wahrheit in die Dinglichkeit.

Er weicht,

Wie gerade gezeigt worden ist,

Sowohl räumlich als auch zeitlich aus.

Aber die Frage ist berechtigt,

Warum das Ganze,

Warum passiert dort ein Ausweichen?

Ein möglicher Ansatz,

Welchen scheinbaren Zweck dieses Ausweichmanöver innerhalb der Story haben könnte,

Wird deutlich,

Wenn ein Blick auf die Beschaffenheit der Ego-Struktur geworfen wird.

Die innerpsychische Dynamik,

Die mit dem Schaffen von Realität durch den Verstand einhergeht,

Sorgt nämlich im Erleben für Ich Bin für den Eindruck der Kontrollmöglichkeit.

Analysieren,

Messen und Bewerten schaffen scheinbar eindeutige Ergebnisse,

Produzieren so etwas wie Vorhersagbarkeit und sorgen innerhalb von Ich Bin für das Auftauchen des Gefühls von Sicherheit.

Warum jedoch dieses Bestreben nach Sicherheit?

Weil das Erleben von Ich Bin sich zwangsläufig als bedroht empfindet.

Ich Bin sieht sich selbst innerhalb seiner Story als Trennungsprodukt des Verstandes,

Als aus der Einheit gefallen.

Ich Bin ängstigt sich,

Weil es sich in seiner Fragilität und Unbeständigkeit ausgesetzt sieht und die unklaren eigenen Grenzen zu verteidigen sucht.

Diese Angst ist dabei weniger ein Gefühl,

Obwohl auch ein damit assoziiertes Gefühl auftauchen kann,

Als vielmehr eine Bewegung hin zu Verdichtung.

Angst kommt vom lateinischen Begriff angustis,

Enge,

Und genau diese Bewegung des Engwerdens geschieht im Erleben von Ich Bin.

Da ist Abgrenzung vom Anderen,

Selbstbehauptung eines geschaffenen Bildes und Verteidigung dieses Selbstbildes bei einer vermuteten Bedrohung.

Dieses Szenario lässt Sicherungsmaßnahmen notwendig werden,

Denn es gilt die Not abzuwehren,

Dass sich Ich Bin auflöst.

Freiheit von Angst klingt im Allgemeinsprachgebrauch als hohes Gut,

Jedoch ist der Wegfall von Angst für Ich Bin überhaupt nicht denkbar.

Die Aufgabe aller Sicherungsmaßnahmen,

Welche die Freiheit von Angst mit sich bringen würde,

Wäre gleichzeitig der Wegfall von Ich Bin.

Die Enge der Angst würde in der Weite des So-Seins aufgehen und die Getrenntheit durch Ich Bin würde als Illusion erkennbar.

Das Gewahrsein von Einheit,

Bedingungsloser Liebe und absoluter Freiheit würde als immer schon da,

Nie verändert und nie bedroht offenbar.

Für die verstandesgemachte Realität von Ich Bin ist das So-Sein,

Also das,

Was ist,

In gewisser Weise nichts,

Weil es durch den Verstand nicht greifbar ist.

Nichts ist als Nicht-Etwas kein Ding,

Das begreifbar wäre.

Die Faßbarkeit wird erst durch die Funktion des Verstandes gewährleistet.

Die erreichte Verdinglichung von dem,

Was ist,

In Form gedanklicher Vorstellung ist für Ich Bin deshalb so nah und vertraut erscheinend,

Weil Ich Bin selbst eine Vorstellung ist und ohne Vorstellung aufhören würde zu sein.

Ich Bin schaut als Bündel von Gedanken und Vorstellungen mit Augen,

Die selbst aus Dingen bestehen.

Somit erblickt Ich Bin immer auch nur Dinge.

Es geht gar nicht anders.

Und im Gegensatz zur gängigen Vorstellung,

Dass ich eine Welt da draußen erblicke,

Handelt es sich vielmehr um eine dingliche Projektion von Ich Bin.

Auch dazu später noch mehr.

Die Frage ist nun,

Was ist da außerhalb der Verstandesperspektive der Ego-Augen?

Die Antwort wurde bereits gegeben.

Nichts.

Nichts im Sinne vom englischen nothing,

No thing,

Also nicht etwas,

Kein Ding.

Das,

Was ist,

Vor der Vergegenständlichung,

Vor der Verdinglichung.

Und dies ist gleichzeitig immer frisch und neu,

Da es spontan auftaucht.

Spontan kann es sein,

Da es nicht gebunden ist,

Also unmittelbar geschieht und somit Ausdruck absoluter Freiheit ist.

Es taucht in einer Weite auf,

Die jenseits der Kategorien des Raumes ist,

Da es überhaupt nicht berührt ist von den gedanklichen Einteilungen Zeit und Raum.

Nicht etwas ist gleichzeitig alles und spätestens jetzt wird klar,

Dass es sprachlich kaum möglich ist,

Sich dem Ganzen zu nähern,

Ohne sich in scheinbare Widersprüche zu verwickeln oder das Ausdrucksvermögen der Sprache an ihre Grenzen zu bringen.

Nicht etwas oder das,

Was ist,

Ist in seiner Unmittelbarkeit jenseits eines Verständnisses,

Welches als verstandesmäßiges Erkennen immer auf Erinnerungen,

Also auf gedankliche Abbilder aus der Vergangenheit zurückgreifen muss.

Nicht etwas ist jetzt,

An diesem Nicht-Ort und in dieser Nicht-Zeit,

Jedenfalls dort,

Wo ich bin mit seinem Verständnis und Erleben niemals hingelangen kann,

Da das Verstandesego selbst angesammelte Vergangenheit ist und somit immer aus der Perspektive der Vergangenheit blickt.

Wir sind also selbst Gedankenbilder und somit Vergangenheit und somit auch.

Und somit ist auch alles,

Was wir erblicken,

Zwangsläufig nicht nur ein verdinglichtes Gedankenbild,

Welches von uns produziert,

Ja projiziert wird,

Sondern dieses Bild,

Diese Vorstellung ist niemals aktuell.

Die Realitätsvorstellung des Ego ist ein Vergangenheitsprojekt und hat mit dem Jetzt nie etwas zu tun.

Ebenenverwirrung.

Wir wollen im Jetzt etwas sein,

Tun und wirken,

Können dieses Jetzt aber gar nicht erreichen,

Da wir mit unseren Werkzeugen auf der komplett falschen Fährte sind,

Bzw.

Unsere Instrumente dort zu suchen und pflegen,

Wo das,

Was wir suchen,

Nicht sein kann.

Gleichzeitig weisen die gedanklichen Abbilder in Realitätsformat immer eine Unvollständigkeit auf.

Nicht,

Weil sie Mangelware wären oder wir zu dumm sind,

Sondern weil sie eben Trennungsprodukte sind und Trennungsprodukte bleiben.

Sie zeigen uns Ausschnitte,

Fragmente.

Unser Wissen bleibt Stückwerk.

Und vor dem Hintergrund dessen,

Dass wir also letzten Endes gar keine Welt da draußen sehen,

Sondern eine fragmentarische Bildervorstellung aus gedanklichen Dingen projizieren,

Durch die scheinbare Erfahrung unserer scheinbaren Vergangenheit,

Wird nur noch deutlich,

Weshalb bereits die Wahrnehmung verzerrt ist.

Ja,

Verzerrt sein muss.

Unverzerrte Wahrnehmung würde bedeuten,

Dass da eine zeitlose Schau stattfindet,

Ohne den Ballast der Vergangenheit und sozusagen frei von Zukunftserwartungen.

Die Schau wäre eine Wahrnehmung ohne Geschichte.

Aber innerhalb der Geschichte sehen wir die Dinge nun mal nicht so,

Wie sie sind,

Sondern wie wir sind.

Scheinbare Innenwelt und scheinbare Außenwelt sind nicht getrennt,

Sondern durch die Projektion miteinander verknüpft.

Und so geht das persönliche Traumtheaterstück weiter.

Und Maya tanzt dem blinden Schöpfer,

Der sich selbst nicht kennt,

Weiter eine Welt vor,

Die er für Realität hält.

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