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Der Kleine Lotus, | Meditation & Geschichte Zum Einschlafen

by Alexandra Matthes

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Meditation
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„Ich bin nichts Besonderes“, seufzt der kleine Lotus, der sich nicht zu blühen traut, während am Ufer ein Mädchen sitzt, das sich genauso fühlt. Meditatives Abendritual für innere Ruhe und besseren Schlaf und eine Geschichte von Alexandra Matthes. Was in der Geschichte passiert: Am Rande eines indischen Dorfes liegt ein stiller See, den die Alten den See der Tausend Spiegel nennen. Dorthin zieht es Anima, ein zartes Mädchen, von dem zu Hause immer viel erwartet wird und das sich nur am Wasser wirklich frei fühlt. „Der kleine Lotus“ war eine meiner ersten eigenen Geschichten, inspiriert von indischen Märchen. Eine eigene Geschichte, extra für meine Hörerinnen geschrieben. Eine Folge aus meinem Podcast Die Märchentante, Was Schönes zum Einschlafen.

Transkription

Der kleine Lotus.

Meditative Abendentspannung.

Und eine Geschichte von Alexandra Mattes.

Willkommen zu einer weiteren Folge meines Märchensommers.

Während meiner kleinen Sommerpause stelle ich einige ältere Folgen neu vor,

Liebevoll überarbeitet und neu vertont von meinem Partner Helga.

Der kleine Lotus ist eine meiner ersten selbstgeschriebenen Geschichten.

Von den indischen Märchen inspiriert,

Voller Wärme,

Hoffnung und kleiner Wunder.

Wie immer beginnen wir mit einer Abendmeditation.

Und ich wünsche dir jetzt schon mal einen entspannten Abend.

Und eine gute Nacht.

Mach es dir in deinem Bett bequem,

Kuschel dich ein und genieße diesen friedlichen Ausklang des Tages.

Wenn du willst,

Dann bring nochmal ein bisschen Bewegung in deinen Körper.

Kreise deine Handgelenke.

Deine Fußgelenke.

Strecke und strecke dich!

Und atme dabei tief und genüsslich ein.

Und aus.

Spanne mit dem nächsten Einatmen deinen Körper und alle Muskeln nochmal ganz fest an.

Halte die Spannung.

Und lasse dann mit einem tiefen Seufzer los.

Und noch einmal.

Atme tief ein und spanne deine Muskeln ganz fest an.

HALTE HALTE Und lass los!

Du darfst nun angenehm schwer und gemütlich in deine Matratze sinken.

Darfst es dir bequem machen.

Und wenn noch nicht getan?

Dann schliesse jetzt ganz sanft.

Deine Augen.

Komm an!

Hier in deinem Bett.

Jetzt,

Am Ende dieses einzigartigen Tages.

Und es darf sich gut anfühlen.

Ganz schwer und immer entspannter.

In die Kästen zu senken.

Nichts mehr zu tun.

Nur noch entspannen.

Stell dir vor wie eine Decke der Entspannung.

Sich sanft über dir ausbreitet.

Meine Augenlider immer schwerer.

Dein Kiefer immer lockerer.

Ein ganzer Körper.

Mehr.

Und mehr entspannt.

Und wie nebenbei?

Sanft und gleichmäßig.

Fließt dein Atem.

Strömt ein.

Und aus.

Beobachte das sanfte Ein- und Ausströmen.

Das sanfte Heben und Senken deines Oberkörpers.

Mit jedem Atemzug.

Und das darf sich gut anfühlen.

Jedem Atemzug entspannter.

Darfst du nun mehr und mehr loslassen.

Lass.

Nass.

Und wie nebenbei?

Dürfen gleich,

Wenn ich es sage.

Deine Bilder des Tages nochmal.

Vor deinem inneren Auge vorbeiziehen.

Einfach so,

Während du da liegst und immer mehr entspannst.

So als würdest du in einem bequemen,

Samtenen Kinosessel sitzen oder halbliegen.

Und dir einen Film ansehen.

Einen Film,

In dem du die Hauptrolle spielst.

Ohne zu bewerten,

Ob jetzt etwas gut oder schlecht war.

Sondern schau einfach.

Welche Bilder sich?

Von dir von heute.

So zeigen mögen.

Ab jetzt?

Eine Minute.

Für deinen Film.

Des heutigen Tages.

Dann lasse nochmal die Sequenzen auftauchen,

Die heute besonders schön waren.

Das,

Wofür du besonders dankbar bist.

Sammeln mindestens drei Dinge zusammen.

Für die du heute dankbar bist.

Nimm nun gerne einen etwas tieferen Atemzug ein.

Und lasse mit dem Ausatmen die Bilder des Tages los.

Lasse den Tag gut sein.

Und wenn doch noch der eine oder andere Gedanke auftaucht.

Erlasse ihn Richtung Himmel schweben.

Hinauf.

Zu den weißen Wolken.

Die der Wind ganz sanft davonbläst.

Während dein Körper Vielleicht schon angenehm müde und schläfrig.

Immer schwerer,

Immer bequemer in die Matratze sinkt.

Du weißt.

Du darfst jederzeit.

Einfach einschlafen.

Ob jetzt?

Oder gleich während der Gute-Nacht-Geschichte.

Oder vielleicht auch erst danach.

Das ist ganz gleich.

So wie es sich heute ergibt.

So ergibt es sich eben.

Und schon die Momente der Ruhe.

Die Momente.

Des Liegens.

Und des Entspannens.

Und deinem Körper gut.

Denn er kann regenerieren.

Heilend.

Instandsetzen.

Alles,

Was tagsüber vielleicht in Aufruhr war,

Kann sich nun setzen.

Erholen.

Sortieren.

Kann wieder.

In die genau für dich richtige Ordnung gebracht werden.

Sodass du morgen Erholt und frisch.

Den neuen Tag beginnen kannst.

Aber auch das.

Ist jetzt im Moment gar nicht wichtig.

Du bist behütet.

Beschützt und geborgen.

Und es ist gut.

Dass du da bist.

Und ganz nebenbei .

.

.

Erzähl ich dir eine kleine Geschichte.

Und der Wind des Südens.

Nimm dich mit.

Auf eine kleine Reise.

Weit,

Weit weg.

In ein fernes,

Fernes Land.

Es war einmal.

Ein kleines Dorf.

Im Süden Indiens.

Umgeben von Reisfeldern.

Dicht im Dschungel.

Und heiligen Tempeln.

In deren Inneren?

Der Duft von Räucherberg schwebte.

Am Rande des Dorfes.

Verborgen hinter Mangobäumen und dem zarten Rascheln von Zuckerrohr.

Lag ein stiller,

Fast vergessener See.

Die alten Dorfbewohner nannten ihn den See der tausend Spiegel.

Denn an windstillen Tagen konnte man nicht nur die Wolken auf seiner Oberfläche tanzen sehen,

Sondern manchmal auch Dinge,

Die tiefer lagen.

Es wurde gesagt,

Man könne seine Träume.

Seine Hoffnungen.

Und vielleicht auch kleine Wunder in ihm erkennen.

Und genau dorthin.

Zu diesem See.

Zog es Anima jeden Tag.

Anima war ein zartes Mädchen mit großen,

Stillen Augen.

Ihre Eltern erwarteten viel.

Sie sollte brav sein.

Fleißig,

Ordentlich und klug sein.

Alles auf einmal.

Du musst stark sein.

Sagten sie.

Du musst dich anpassen.

Anima sprach wenig.

In ihrem Herzen aber lebte eine Sehnsucht.

Nach Freiheit.

Und nach einem Ort,

An dem sie einfach sie selbst sein durfte.

Und diesen Ort fand sie am See.

Dort zwischen schimmernden Wasseradern und schwankenden Libellen entdeckte sie eines Tages.

Eine kleine Lotuspflanze.

Es war die einzige Pflanze,

Die auf dem See wuchs.

Seine Blätter waren grün und rund.

Durch eine Knospe,

Schimmerte es sanft rosa.

Doch die Knospe.

War geschlossen.

Anima beobachtete den kleinen Lotus.

Sie saß am Ufer und streckte ihre Füße ins warme Wasser.

Eines Tages.

Begann sie mit ihm zu reden.

Warum blühst du nicht?

Fragte sie ihn.

Ich weiß nicht wie.

Flüsterte der Lotus.

Von da an setzte sich Anima jeden Tag für eine Weile an den See und redete mit dem kleinen Lotus.

Und immer hatte sie ein kleines Notizbuch unter dem Arm.

Dass sie manchmal öffnete und ihre Gedanken hineinschrieb.

Anima war ein junger Mensch,

Voller Fragen und mit einem Kopf voller Geschichten.

Zu Hause musste sie funktionieren.

In der Schule folgen.

Im Leben genügen.

Aber am See?

Durfte sie atmen.

Sie erzählte dem Lotus von sich.

Von der Schule,

Von den Erwartungen.

Von den Träumen.

Die wie bunte Drachen in ihr lebten.

Aber sich nirgends entfalten konnten.

Also.

In ihrem kleinen Notizbuch.

Der kleine Lotus ließ sie wissen,

Was ihn bedrückte.

Ich bin nichts Besonderes.

Seufzte er und betrachtete sein Spiegelbild im Wasser.

Die Sterne leuchten in der Nacht.

Der Wind kann tanzen.

Selbst die Fische haben glänzende Schuppen.

Aber ich,

Ich bin nur eine langweilige grüne Wasserpflanze.

Tag für Tag sah er,

Wie die Sonne über dem Wasser aufstieg,

Ihre goldenen Strahlen über den Teich legte.

Und das Wasser glitzern ließ.

Er liebte die Sonne.

Er wagte nicht.

Seine Blüte zu öffnen.

Anima lächelte.

Aber jeder trägt seine eigene Schönheit in sich.

Öffne dich.

Du wirst es selbst sehen.

Der Lotus schwieg.

Er fürchtete sich.

Was,

Wenn ein Nehmer Unrecht hatte?

Ich glaube,

Wir sind uns ähnlich.

Sagte Anima irgendwann.

Auch ich bin wie eine Knospe,

Verschlossen,

Weil ich Angst habe,

Nicht genug zu sein.

Und so weiter.

.

.

Begann ihre Freundschaft.

Einmal sprach sie von einem Traum.

Ich will schreiben,

Geschichten erzählen.

Dann hielt sie inne.

Ob er würde mir zuhören?

Ich bin doch nur ein Mädchen aus einem kleinen Dorf,

Das sich kaum traut zu sprechen.

Der Lotus neigte seine Knospe.

Und dann?

Eröffnete er ein einzelnes Blütenblatt.

Anima lächelte.

Etwas in ihr?

Eröffnete sich mit.

Sie lief nach Hause.

Und schrieb einen Brief.

An eine Stiftung.

In der großen Stadt.

Ein Programm?

Für junge Autorinnen.

Sie schickte den Brief ab.

Und wartete.

Nach und nach.

Öffnete sich derweil ein Blütenblatt nach dem anderen.

Hanimas Stimme wurde zu jener Zeit immer klarer.

Und immer bestimmter.

Sie sprach mehr denn je.

Und traute sich,

Sich ihrer Umwelt mitzuteilen.

Und dann eines Morgens.

Der See lag still wie nie.

Geschah etwas Wunderbares.

Der kleine Lotus stand in voller Blüte.

Seine Farben waren so zart,

Dass der Himmel selbst innehielt.

Die Wasseroberfläche spiegelte sein Bild zurück.

Und er sah sich zum ersten Mal wirklich.

Seine Blüte war sanft rosa.

Sein Inneres.

Strahlte golden.

Bienensummen herbei.

Und tab in.

Verbreitete seinen wundervollen Duft.

Hanima sah ihn strahlend an.

Und sie sah auch sich selbst.

In der Wasseroberfläche.

Mutig,

Fein und kraftvoll.

Am gleichen Tag kam ein Brief zurück.

Ein Platz in einem Programm für junge Autorinnen.

Ein Zimmer,

Ein Stipendium.

Interesse für ihre Geschichten?

Und eine Bühne?

Für ihre Stimme.

Als Anima am nächsten Tag zum See kam,

Um dem kleinen Lotus von dem Stipendium zu erzählen,

Sah sie einen Fremden am See.

Sie versteckte sich schnell hinter einem Felsvorsprung und beobachtete ihn.

Ein Mann mit Kamera.

Fernglas und einem Notizbuch.

Eine seltene Blüte.

Unglaublich,

So etwas habe ich noch nie gesehen.

Murmelte er.

An Nimas Herz raste.

Was,

Wenn er den Lotus mitnahm?

Was,

Wenn er ihn ausriss und alles zerstörte?

Hanima beobachtete wie der Mann,

Ohne etwas zu zerstören,

Verschwand.

Doch Anima?

War alles andere als erleichtert.

Sie beschloss zu bleiben und das Stipendium auszuschlagen.

Denn sie wollte ihren Freund,

Den kleinen Lotus,

Beschützen.

Sie schob jeden Gedanken an ihre Zukunft und Möglichkeiten beiseite.

Jeden Tag kam sie nun früher.

Und ging später.

Sie wachte.

Achtsam und stumm.

Mit den Tagen schien der kleine Lotus schwächer zu werden.

Ein Blatt nach dem anderen schloss sich,

Als würde er sich zurückziehen.

Anima war verzweifelt.

Was mache ich falsch?

Flüstert sie.

Ich will dich doch nur bewahren.

Und dann?

Nach einer langen Weile sprach der Lotus.

Aus Angst?

Kann nichts wachsen.

Ich nicht.

Und auch du nicht.

Anima spiegelt.

Sie verstanden.

Beschützen es nicht dasselbe wie festhalten.

Vertrauen bedeutet manchmal,

Den Mut aufzubringen,

Um loszugehen.

Und so weiter.

.

.

Packte sie ihre Sachen.

Und King.

Sie nahm das Stipendium an.

Reiste in die Stadt?

Schrieb.

Erzählte.

Lachte.

Weinte.

Sie fand Worte für Dinge,

Die lange keine Worte hatten.

Und im nächsten Jahr?

Kehrte sie zurück.

Zum See?

Zum kleinen Lotus.

Mit der Zeit ist ein ganzer Kreis aus Blüten um ihn herumgewachsen,

Still und selbstverständlich.

Anima.

Wurde eine bekannte Schriftstellerin.

Ihre Bücher lagen in den Händen von Menschen.

Die sich in ihren Geschichten wiederfanden.

In einem Spiegel.

Und irgendwann baute sie ein Haus,

Ein kleines,

Helles Haus am See.

Mit offenen Fenstern.

Und mit vielen Büchern an den Wänden.

Dort lebte sie mit ihrer Familie.

Und ihre Kinder liebten es,

Am Wasser zu spielen.

Jedes Jahr,

Wenn die ersten Lotusknospen sich langsam öffneten,

Erzählte Anima ihren Kindern vom kleinen Lotus.

Von sich selbst.

Als sie noch ein schüchternes Mädchen war.

Und sie lebten in Glück und Frieden.

Und wenn sie nicht gestorben sind?

So leben sie.

Auch heute noch.

Und dir?

Wünsche ich eine gute Nacht.

Einen tiefen und erholsamen Schlaf.

Und schöne Träume.

Untertitel von Stephanie Geiges

© 2026 Alexandra Matthes. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

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