34:32

Einschlafmärchen: Der Hellseher (Kasachstan)

by Alexandra Matthes

rating.1a6a70b7
Bewertet
4.7
Group
Aktivität
Meditation
Geeignet für
Alle
Aufrufe
18.4k

Lasse Dich von mir in den Schlaf begleiten. Nach einer meditativen Entspannungs-Sequenz erzähle ich Dir das Märchen aus Kasachstan: "Der Hellseher". Du darfst jederzeit einschlafen, denn Du kannst sicher sein, dass es gut ausgehen wird. Ich wünsche Dir eine gute Nacht und schöne Träume!

Transkription

Der Hellseher,

Meditative Abendentspannung und ein Einschlafmärchen aus Kasachstan.

Mach's dir in deinem Bett bequem,

Rückel dich noch mal so richtig angenehm zurecht,

Drecke und strecke dich noch mal,

Bring ein wenig Bewegung in den Körper,

Atme dabei ganz tief ein und aus,

Vielleicht überkommt dich auch ein Gähnen oder ein Seufzen,

Schließe deine Augen,

Wenn du das noch nicht getan hast und dann wäre still,

Bewege dich nicht mehr und beobachte für ein paar Momente einfach nur deinen Atem.

Wohlmöglich gehen dir noch ein paar Gedanken durch den Kopf oder eine gewisse Unruhe ist vielleicht noch zu spüren.

Versuche dich von dieser Unruhe und diesen Gedanken jedoch nicht so sehr beeindrucken zu lassen.

Nimm wahr,

Was ist und gehe dann ganz gelassen immer wieder mit der Aufmerksamkeit zurück zum Atmen.

Spüre wie die Luft ein- und ausströmt,

Spüre die sanften Bewegungen bei jedem Atemzug,

Dann lege die linke Hand auf dein Herz und die rechte auf deinen Bauch und spüre die Verbindung mit dir selbst,

Mit deinem Körper.

Das bist du heute am Ende dieses einmaligen Tages.

Versuche alles was ist gut sein zu lassen,

Dann finde einen bequemen Platz wieder für deine Hände.

Du kannst dich natürlich in jedem Moment noch mal zurecht rückeln,

Dich so betten,

Wie es für dich gemütlich ist.

Und nun am Ende dieses Tages,

Lasse doch noch mal wie in einem Film die Bilder des Tages in deinem Bewusstsein kommen.

Schau mal welche Bilder sich zeigen in der nächsten Minute,

Was hat diesen Tag heute ausgemacht.

Und dann lenke deine Aufmerksamkeit noch mal auf die Dinge,

Die heute besonders schön waren.

Dein Best-of und die Dinge für die du besonders dankbar bist.

Sammel mindestens drei Aspekte,

Drei Bilder zusammen,

Dann lasse die Bilder des Tages wieder aus deinen Gedanken entweichen,

Nach oben ziehen,

Zu den Wolken am Himmel.

Vielleicht kannst du spüren,

Wie dein Körper immer schwerer wird,

Dein Geist immer leichter,

Wie du vielleicht schon mehr und mehr davon schlummerst.

Du weißt,

Du darfst jeden Moment einfach einschlafen.

Es gibt nichts mehr zu tun heute,

Es ist alles gut,

Alles getan,

Alles gesagt für heute.

Morgen wartet wieder ein neuer Tag auf dich und während dein Körper immer ruhiger,

Immer friedlicher,

Immer schwerer,

Schon langsam davon schlummert,

Nehme ich dich mit auf eine kleine Reise.

Eine Reise in ein fernes Land,

In dem du ganz sicher und ganz geheim belauschen darfst,

Was so vor sich geht.

In einem kleinen Ort wohnte einmal vor langen Zeiten ein armer Mann.

All sein Hab und Gut bestand aus einer großen Fuchsmütze mit langen Ohrenklappen und einem Pferd.

Die Mütze war zerschlissen,

Loch an Loch.

Dafür hatte er ein Pferd,

Das seinesgleichen suchte.

Die Sonne beneidete es um seine Kraft,

Der Wind beneidete es um seine Schnelligkeit.

In einem anderen Ort lebten zwei Reiche,

Das waren die älteren Brüder des Armen.

Sie besaßen 30 Pferdeherden,

30 Schafherden,

30 Jurten und Teppiche und daneben noch Geschirr und Waffen im Übermaß.

Aber all das brachte ihnen keine Freude.

Sie konnten es nicht verwinden,

Dass der jüngere Bruder ein Pferd besaß,

Das seinesgleichen suchte,

Und sannen nur darüber nach,

Wie sie dem Pferd den Garaus machen könnten.

Eines Tages setzte der Arme seine löchrige Fellmütze auf,

Sprang auf das Pferd und ritt zu seinen Brüdern.

Als die ihn sahen,

Wandten sie ihm den Rücken zu und ihre Gesichter wurden schwarz vor Zorn.

Der Arme aber verneigte sich tief vor ihnen und sprach,

»Brüder,

Die Armut ist über mich hereingebrochen.

Ich will mich als Knecht verdingen,

Das Pferd aber bindet mich.

Könnt ihr es nicht bis zum Herbst in eurer Herde weiden lassen?

Euch kostet das nichts,

Mir aber wird eine Sorge genommen.

Im Herbst möchte ich eure Dienste entlohnen.

Die Reichen warfen sich vielsagende Blicke zu,

Zwinkerten und antworteten dem Armen freundlich und einschmeichelnd,

»Lieber Bruder,

Wir sind immer froh,

Wenn wir dir helfen können.

Lasse dein Pferd bis zum Herbst in unserer Herde,

Wir fordern nichts dafür.

« Der Arme dankte den Brüdern,

Führte das Pferd zur Herde und kehrte zufrieden und fröhlich nach Hause.

Der Frühling ging vorüber,

Der Sommer begann.

Der Arme arbeitete als Knecht und war guten Muts.

Er war satt und sein Pferd war gut aufgehoben.

Eines Tages allerdings trat ein fremder Mann an ihn heran und erklärte,

Er wolle ihm unter dem Spiegel der Verschwiegenheit eine wichtige Nachricht bringen.

Der Arme folgte ihm und als sie alleine waren,

Gab sich der Fremde als Pferdehirt seiner Brüder zu erkennen und erzählte,

»Etwas Furchtbares ist geschehen,

Dein Pferd liegt in den letzten Zügen.

Es wird wohl kaum noch drei Tage überleben.

Ich erbarmte mich deiner und eilte her,

Um dir das zu sagen.

Nur verrate es nicht bei deinen Brüdern,

Denn sie trifft die Schuld für den Zustand deines Pferdes.

Und wirst du gefragt,

Wer dir die Wahrheit sagte,

Dann antworte,

Ich bin Hellseher und weiß alles,

Was sich in der Welt tut.

« Damit ging der Fremde fort.

Der Arme meinte bittere Tränen und begab sich sogleich zu seinen Brüdern.

Er traf sie unterwegs,

Beschimpfte und schmähte sie schluchzend,

»Habt ihr denn kein Gewissen,

Dass ihr einem hilflosen Armen so viel Leid zufügt?

Was habe ich euch Schlechtes getan?

Weshalb schindet ihr mein Pferd so sehr?

« Nun wussten die Reichen,

Dass der Arme alles erfahren hatte und sie stritten es ab.

»Du hast anscheinend den Verstand verloren oder bist betrunken.

Was faselst du?

Dein Pferd lebt und ist gesund.

Es weidet wohlbehalten in unserer Herde.

« »Nein,

Brüder,

Ihr hintergeht mich.

Ihr habt meinem Pferd zugesetzt und es überlebt keine drei Tage.

Von wem weißt du das?

« fragten die Reichen.

»Von niemandem.

Ich kann jetzt hellsehen und weiß alles,

Was sich in der Welt tut«,

Entgegnete der Arme.

Unterdessen hatte sich Volk um die drei Brüder angesammelt und alle wollten wissen,

Worum der Streit ging.

Der Arme wiederholte,

Was ihm der Pferdehirt gesagt hatte,

Und die Menge strömte zu den Herden der Reichen,

Um sich zu vergewissern,

Ob er seine Brüder nicht verleumdet.

Sie sahen,

Dass der Arme die Wahrheit sprach.

Sein halbtotes Pferd lag schwer atmend auf dem Boden.

Er forderte die entrüstete und drohende Menge,

Dass die Reichen dem Armen als Ersatz für sein Pferd zehn der besten Reitpferde geben sollten.

Die Reichen mussten sich fügen.

Sie gaben dem Armen ihre zehn besten Pferde,

Und das kranke Pferd wurde gepflegt und versorgt.

Fortan aber hassten sie ihren Bruder noch mehr,

Und sie lauerten nur auf eine Gelegenheit,

Ihn ins Verderben zu stürzen.

Nun geschah es,

Dass dem Kahn des Landes,

In dem die Brüder lebten,

Ein unsäglich kostbarer Goldbarren gestohlen wurde.

Der Kahn ließ im ganzen Reich verkünden,

Wer das Versteck des Goldes findet,

Erhält tausendfette Hammel und dreihundert Stuten als Lohn.

Als das den Reichen zu Ohren kam,

Eilten sie zum Kahn und sprachen.

»O großer Kahn,

Unser jüngerer Bruder gibt sich als Hellseher aus.

Wir hörten,

Wie er sich vor seinen Freunden brüstete,

Er könne in einer Nacht den Dieb finden.

Nur will er dir nicht gefällig sein.

Drohe ihm mit Todesstrafe,

Und im Morgengrauen hast du deinen Barren wieder.

« Der Kahn glaubte den Brüdern und befahl sogleich,

Den Armen zu holen.

Als der Arme vor ihm stand,

Sagte der Kahn,

»Man sagt,

Du nennst dich Hellseher.

Ich möchte wissen,

Ob du wahr sprichst.

Wenn du im Morgengrauen den gestohlenen Goldbarren gefunden hast,

Gebe ich dir,

Außer den fetten Hammeln und den dreihundert Stuten,

Auch noch obendrein eine Kamel-Karawanne.

Wenn du mein Befehl jedoch nicht erfüllst,

So droht dir der Tod.

« Der Arme ahnte,

Dass seine Brüder dahinter steckten,

Und antwortete dem Kahn,

»O großmächtiger Kahn,

Heiße deine Diener in der Steppe eine Jurte für mich aufstellen.

Darin will ich übernachten,

Beschwörungen aufsagen,

Und vielleicht finde ich am Morgen dein Gold.

« Im Stillen dachte er,

»Mögen Sie erst einmal in der Steppe eine Jurte aufstellen.

Um Mitternacht stehle ich mich irgendwie davon.

« Dem Armen wurde also in der Steppe eine kostbare Jurte aufgebaut,

In der er alleine blieb.

Um Mitternacht stülpte er sich die Fellmütze auf und schlich vorsichtig zum Ausgang.

Da kam gerade der Dieb vorbei,

Der den Goldbarren des Kahns gestohlen hatte.

Er sah die kostbare Jurte und glaubte,

Dass hier etwas zu holen war.

Der Dieb wollte gerade die Jurte öffnen,

Da tat sie sich von selbst vor ihm auf,

Und der Dieb schlug der Länge nach vor dem Armen hin.

Kurz entschlossen barf sich der Arme auf den Dieb und packte ihn an der Gurgel.

Der flehte,

»Habe erbarmen,

Lass mich frei.

Ich gebe dir den Goldbarren,

Den ich dem Kahn gestohlen habe.

« »Ich lasse dich frei,

Doch sage mir,

Wo du den Goldbarren versteckt hast«,

Forderte der Arme.

»Geh von hier gen Osten,

Da siehst du einen hohen Hügel und ganz oben einen großen schwarzen Stein.

Unter diesem schwarzen Stein ist der Schatz vergraben.

« Der Arme ließ den Dieb laufen und begab sich,

Da bereits der Morgen graute,

Zum Kahn.

Er führte den Kahn gen Osten,

Gefolgt von vielen Dienern.

Am schwarzen Stein angelangt,

Hieß der Arme die Diener,

Die Erde aufbuddeln,

Und sie gruben den Barren heraus.

»He,

He,

Du scheinst mir wahrhaftig ein Hellseher zu sein.

Dich will ich im Auge behalten«,

Der Kahn war so froh,

Dass er dem Armen auf der Stelle tausend Hammel,

Hundert Stuten und eine Kamelkarawane geben ließ.

Dann ließ er den Armen nach Hause ziehen.

Bald darauf stahl der gleiche Dieb das Lieblingspferd des Kahns.

Der Kahn wurde krank,

Vor Kummer.

Wieder ließ er den Armen kommen und wandte sich mit den Worten an ihn.

»Wenn du Hellseher bist,

Dann sage mir,

Wo mein Pferd ist«,

Und du erhältst eine doppelte Belohnung.

»Wenn du mir aber keine Antwort gibst oder die falsche,

Dann wird dir das nicht gut bekommen«.

Dem Armen lief ein Schauer über den Rücken.

Doch er wagte nicht,

Dem Kahn zu widersprechen.

Nur bat er wieder,

Für ihn in der Steppe eine Jurte aufzustellen.

Und der Kahn erfüllte seinen Wunsch.

Allein geblieben sann der Arme darüber nach,

Wie er mit dem Leben davonkommen könnte.

So saß er bis Mitternacht,

Schlich sich dann heimlich aus der Jurte und rannte davon.

Immer der Nase nach.

Er geriet an eine einsame Schlucht zwischen zwei hohen Bergen.

Dort warf er sich unter einen Baum und fiel in einen tiefen Schlaf.

Nun begab es sich,

Dass der Dieb auf dem gestohlenen Pferd in eben diese Schlucht ritt.

Er schaute sich um,

Glaubte sich hier in Sicherheit und wollte in der Schlucht den neuen Morgen abwarten.

Er band das Pferd an einen Baum,

Legte sich,

Ohne den schlafenden Mann zu bemerken,

Nieder und schnarchte,

Dass es durch die Schlucht heilte.

Der Arme erwachte von dem fürchterlichen Geschnarche und konnte sich lange nicht erklären,

Woher es kam.

Da sah er neben sich einen Mann liegen und am Baum ein Pferd.

Kein Zweifel,

Das waren der Dieb und das Pferd des Kahns.

Sein Herz hämmerte vor Angst und vor Freude.

Leise stand er auf,

Band das Pferd los und war mit einem Satz im Sattel.

Von dort aus jagte er juchzend zur Jurte des Kahns.

Als der Kahn am Morgen das Pferdegetrappel hörte,

Lief er,

So wie er war,

Aus der Jurte.

Und als er sein Lieblingspferd sah,

Wollte er lange seinen Augen nicht trauen.

Erst als er näher trat und das Pferd wierte,

War er beruhigt.

Vor lauter Freude befahl der Kahn,

Dem Armen sogleich alles zu geben,

Was ihm versprochen war.

Und als Zeichen besonderer Gnade lud er den Armen auf eine Schale Stutenmilch ein.

Die Diener brachten für den Kahn ein Seidenkissen und setzten ihm eine goldene Schale mit der besten,

Berauschenden Stutenmilch vor.

Der Arme saß ein Stückchen weiter ab auf der blanken Erde und die Diener gossen ihm in eine Holzschale zur Hälfte Schafmilch,

Gemischt mit Stutenmilch,

Ein.

Als der Kahn seine Stutenmilch fast zur Neige getrunken hatte,

Sprang ein riesiger Grashüpfer in die Schale.

Der Kahn wollte ihn fangen,

Doch der Grashüpfer hopste weg.

Dann versuchte es der Kahn auf ein Neues,

Ihn mit der Hand zu zerquetschen.

Schließlich sprang der Grashüpfer wieder in die Schale.

Jetzt stellte sich der Kahn Geschickte an.

Er bekam den Grashüpfer zu packen und versteckte ihn in seiner Faust.

Der Arme hatte davon nichts gemerkt.

»He,

Hellsichtiger,

Ich will dich zum letzten Mal auf die Probe stellen.

Sag mir doch,

Was ich in der Hand halte.

« »Oh weh,

Jetzt bin ich in der Falle«,

Dachte der Arme.

Nun kennt der Kahn gewiss kein Erbarmen.

Und nach einem schweren Seufzer sagte er laut »Einmal entkommen,

Zweimal entkommen,

Das dritte Mal den Tod gefunden«.

Der Kahn glaubte,

Der Arme spreche von dem Grashüpfer.

»Richtig geraten«,

Sagte der Kahn und tötete den Grashüpfer.

Noch lange lachte er über die Antwort des Armen.

Dann beschenkte er ihn reichlich und ließ ihn seiner Wege ziehen.

Von nun an litt der Arme nie mehr Not.

Und wenn er nicht gestorben ist,

So lebt er auch heute noch.

Und dir wünsche ich eine gute Nacht und wundervolle Träume.

4.7 (164)

Neueste Bewertungen

Regina

February 24, 2025

Immer wieder schön, deine Märchenreihe. Danke für die tolle Auswahl der Geschichen.

Miriam

September 11, 2024

Das ist eine herrliche Kombination. Aus Entspannung und Meditation !

Sylvie

February 13, 2024

Die Stimme war ruhig und die Geschichte schön.

Pascale

January 14, 2024

Milena

November 8, 2023

Die Stimme von ihnen ist sehr beruhigend

Ilo

October 15, 2023

sehr gut

LongCovid

July 4, 2023

Ich liebe es mit den Märchen einzuschlafen

Stefanie

March 28, 2023

So tolle Geschichten🌟 und eine ganz wunderbare Stimme 🙏🏼 Dankeschön - auch mein 9-jähriger Sohn liebt sie

© 2026 Alexandra Matthes. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

Trusted by 35 million people. It's free.

Insight Timer

Get the app

How can we help?

Sleep better
Reduce stress or anxiety
Meditation
Spirituality
Something else