
Warum Selbstoptimierung nicht funktioniert
Unsere mediale Welt ist voller Experten und Verheißungen über den optimalen Weg zum Glück in allen Lebensbereichen. Mir begegnen immer wieder Menschen die glauben, nur das richtige Erfolgsbesteck zu brauchen fürs perfekte Lebensglück. Und das erzeugt einen unglaublichen Perfektionsdruck, der sich auch auf die Optimierung von Beziehungen ausweitet. Aber das ist Bullshit. Vielleicht ist das nicht gerade das, was Du von mir hören wolltest- ausgerechnet von mir? Wo ich doch in diesem Podcast von Veränderung spreche. Verstehe ich. Und ich werde Dir in dieser Folge gerne erklären, wie ich zu dieser Ansicht komme und ich lade Dich ein entspannter und vertrauensvoller zu werden in Bezug auf Dein Leben und Deine Beziehungen. Und eine kleine Selbstcoaching- Übung mit Aha Effekt wird am Ende auch noch geben.
Transkription
Die ultimative Methode reich zu werden,
5 Strategien,
Wie Du Deinen Ex zurückbekommst,
Das einzig wahre Geheimnis,
Wie Deine Beziehung perfekt wird.
Vielleicht bist Du auf Social Media,
In Blogartikeln und Podcasts auch schon mal auf solche Versprechen gestoßen und hast in irgendeiner Krise oder Verzweiflung sogar für einen Moment an so eine Wundersache glauben wollen?
Tja,
Wir alle haben gelegentlich so eine innere Bereitschaft,
Den kurzen Weg nehmen zu wollen und zu glauben,
Dass doch irgendwie alles möglich sein kann.
Aber Fakt ist,
Das Internet ist voller Experten und Verheißungen über den optimalen Weg zum Glück in allen Lebensbereichen.
Und mir begegnen immer wieder Menschen,
Oftmals sehr junge,
Die glauben nur das richtige Erfolgsbesteck zur Brauchung fürs perfekte Lebensglück.
So als ob alles machbar wäre.
Und das erzeugt einen unglaublichen Perfektionsdruck,
Der sich auch auf die Optimierung von Beziehungen ausweitet.
Aber das ist Bullshit.
Bäm,
Vielleicht nicht gerade,
Was Du hören wolltest?
Ausgerechnet von mir,
Wo ich doch die ganze Zeit von Veränderungen spreche?
Verstehe ich total gut und ich werde Dir in dieser Folge gerne erklären,
Wie ich zu dieser Ansicht komme und ich lade Dich ein,
Etwas entspannter und vertrauensvoller zu werden in Bezug auf die Gestaltung Deines Lebens und Deiner Beziehungen.
Und zwei kleine Selbstcoaching-Übungen mit Aha-Effekt wird's auch noch geben.
Leben,
Lieben,
Lassen – der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Herzlich willkommen hier bei Leben,
Lieben,
Lassen,
Deinem Selbstcoaching-Podcast mit Herz und Verstand.
Ich bin Claudia Bechert-Möckel,
Persönlichkeits- und Beziehungscoach.
Ich unterstütze Menschen dabei,
Sich selbst und andere besser zu verstehen,
Um gelingende Beziehungen zu führen.
Und wenn Du diesen Podcast hörst,
In dem es ja um Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungen geht,
Dann gehörst Du wahrscheinlich auch zu den Menschen,
Die ihr Leben gerne selbst in die Hand nehmen.
Die Gestalterin oder Gestalter ihrer Beziehungen sein wollen,
Die Ziele haben und dafür Verantwortung übernehmen.
Wunderbar.
Selbstbestimmtheit und Selbstwirksamkeit gehören ja zu den wichtigsten Faktoren für unsere Lebenszufriedenheit.
Menschen,
Denen das Leben einfach so passiert,
Die das Gefühl haben,
Dass sie ausgeliefert sind,
All den Erfahrungen,
Den Menschen und Situationen,
Menschen,
Die so leben,
Als hätten sie keinen Einfluss,
Egal ob ihnen eine Situation,
In der sie stecken,
Gefällt oder nicht.
Die leben fremdbestimmt und eher passiv.
Sie halten aus und hoffen auf ein bisschen Glück,
Das zufällig vorbeikommt oder ein Wunder oder zumindest günstige Umstände.
Auf irgendwas oder irgendwen,
Der oder das von außen auf sie zukommt und ihnen zur Zufriedenheit verhilft.
Das sind ja,
Wenn man das mal so anschaut,
Zwei sehr unterschiedliche Perspektiven auf das Leben und ich habe dazu eine sehr steile These,
Die Du vielleicht nicht unbedingt teilen wirst.
Beides sind Positionen,
Die wie zwei sich gegenüberliegende Pole funktionieren.
Und in beiden Positionen steckt ein Quäntchen Wahrheit.
Und man kann auch mit beidem maßlos übertreiben.
So,
Dass es auf Dauer nicht funktionieren wird und Dich ganz weit wegtreibt von Glück und Zufriedenheit.
Die Wahrheit aber liegt für mich in der Mitte.
Ja,
Es ist wichtig,
Dass Du Verantwortung für Dich,
Dein Leben und Deine Beziehungen übernimmst.
Und dass Du Deine Möglichkeiten ausschöpfen willst.
Und nein,
Du bist nicht allmächtig und Du hast auch nicht auf alles Einfluss.
Das ist eine Kontrollellusion.
Denn wir sind ja nicht allein auf der Welt,
Wir gestalten unsere Realität,
Unser Leben,
Unsere Beziehungen nicht nur allein,
Sondern zusammen mit anderen.
Wenn Du also eher zur Fraktion der alles richtig machenden Optimierer gehörst,
Dann darfst Du lernen,
Mehr Vertrauen zu wagen und auch mal Verantwortung abzugeben,
Mal was geschehen zu lassen.
Bist Du eher so ein abwartender Beobachter und passiv,
Dann darfst Du lernen,
Deine Möglichkeiten zu sehen,
In die Hand zu nehmen und aktiv zu nutzen,
Loszugehen für das,
Was Du willst,
Verantwortung für Dich und Dein Leben zu übernehmen.
Und genau darum geht es in dieser Folge gleich mehr dazu.
Ja,
Diese ganz unterschiedlichen Positionen erlebe ich nur zu oft in meiner Arbeit mit Klientinnen und Klienten,
Ganz egal ob ich mit Paaren spreche oder mit Einzelklienten.
Da gibt es Menschen,
Die wie verbissen die ganze Verantwortung für das Gelingen,
Zum Beispiel ihrer Beziehung,
Allein übernehmen und schwer daran schleppen.
Wenn ich alles richtig mache,
Perfekter bin,
Lösungen für alles finde,
Alles weiß und verstehe,
Auch am besten den anderen gleich noch mit,
Wenn ich uns beide glücklich mache,
Dann wird es gelingen mit uns.
Wie Leistungssportler glauben sie,
Sie müssten nur die richtige Strategie,
Die richtigen Skills finden,
Das richtige Training und dann die ganze Zeit dranbleiben,
Um das perfekte Liebesglück dann doch noch hinzukriegen.
Diese Menschen strengen sich irre an.
Und wenn man das macht,
Dann ist es natürlich sehr schwer zu verdauen,
Dass man dann manchmal mit so viel Power und mit so viel guter Absicht direkt in die Machtlosigkeit reinrennt,
Die dann kommt,
Wenn der andere nicht mitziehen will.
Und dann gibt es da auch das genaue Gegenstück.
Menschen,
Die sich wie stoisch daran festhalten,
Dass all die Probleme in ihrer Beziehung nichts,
Aber auch gar nichts mit ihnen selbst zu tun haben.
Hoch die Hände,
Mit mir hat es nichts zu tun.
Menschen,
Die die Verantwortung,
Aber damit ja auch den Einfluss auf die Situation vollkommen beim anderen abgeben.
Ich kann nichts machen.
Paradoxerweise übernehmen diese Menschen damit versehentlich auch noch die Macht darüber,
Wo es mit der Beziehung hingehen soll.
Denn sie haben durch ihre Passivität,
Durch ihr Nichtstun die Entscheidung über den weiteren Verlauf der Beziehung für den anderen getroffen.
Das ist so eine Art Kontrolle,
Die sie gar nicht haben wollen.
Denn Partner oder Partnerin hängen ja irgendwie davon ab,
Dass sie sich am Gelingen beteiligen.
Es ist verrückt,
Oder?
Aber,
Und das ist ja,
Worauf ich hinaus will,
Es geht nicht um das eine oder das andere,
Um entweder ich mache alles oder ich lasse alles fahren.
Es geht im Leben nie um die Extreme.
Es geht um das Und,
Das Sowohl-als-auch.
Die Balance zwischen den Polen.
Und wenn ich irgendwas gelernt habe bisher her,
Dann ist es das.
Leben ist Balance.
Das ist für mich die wichtigste Gesetzmäßigkeit des Lebens.
Sie gilt in allen Bereichen und gerade in unseren Beziehungen.
Da gibt es nämlich zum Beispiel die Balance zwischen Verantwortung übernehmen und geschehen lassen,
Zwischen Akzeptanz und Wirksamkeit,
Zwischen Autonomie und Bindung,
Zwischen Kontrolle und Vertrauen.
Wahrscheinlich hast du genau wie ich schon einige Lektionen darüber lernen dürfen.
Als ich klein war zum Beispiel,
Da war meine Welt so beengt und so unfrei für mich,
Dass meine Gestaltungsmöglichkeiten sehr,
Sehr gering waren.
Als Kinder sind wir ja abhängig von unserem Umfeld und ich war maximal fremdbestimmt und zwar durch gesellschaftliche als auch durch familiäre Autoritäten.
Und daher hat mich ja auch von klein her der Gedanke beseelt,
Dinge gestalten zu können,
Ziele haben zu dürfen,
Meine Ideen verwirklichen zu wollen,
Meine Möglichkeiten erstmal zu entdecken und dann auszuschöpfen und meinen Spielraum zu erweitern.
Die Einengung in Bezug auf meine Entfaltung hat dann so eine Art Sogwirkung in mir hervorgerufen in Bezug auf das Selbstwirksamwerden.
Wahrscheinlich ist es deswegen auch so,
Dass ich mich ganz und gar der Entfaltung von Potenzial verschrieben habe,
Dass wir halt so mitbringen als Mensch,
Die Möglichkeiten sein Leben zu verändern und zu gestalten und ein bisschen geht es ja auch mit dem Zeitgeist konform,
Alles beeinflussen zu können und alles im Griff zu haben,
Alles durch Machen zu erreichen,
Wenn man nur weiß wie.
Und das ist eben eine Übertreibung der Selbstwirksamkeit und deswegen leben wir,
Finde ich,
Heute inzwischen in so einer Art Kontrollellusion.
Noch nie war es Menschen möglich,
So viel in ihrem Leben zu gestalten.
Wir haben heute so viele Möglichkeiten,
Wie die Menschen noch nie hatten.
Und noch nie gab es so leichten Zugang zu Wissen.
Es ist alles verfügbar,
Wenn du willst.
Das gilt jetzt zumindest für die westliche Welt,
Was ich hier sage.
Aber ich glaube auch,
Diese Möglichkeiten überfordern uns inzwischen.
Wir sind eben nicht allmächtig,
Wir sind keine statistische Machbarkeitsgröße und unser Leben auch nicht.
Wir sind Menschen und wir lernen immer noch aus Versuch und Irrtum.
Und es kann einem auch einen enormen Druck machen,
Wenn man diesem modernen Alles-ist-machbar-Mythos verfällt.
Dann hängt mein Glück nämlich nur an mir selbst und daran,
Dass ich alles hinkriege und dann muss ich perfekt sein und bin eine Versagerin oder ein Versager,
Wenn ich es nicht schaffe.
Und was dabei auf der Strecke bleibt,
Bei all diesem Druck und Ansporn,
Ist die Freude an der Gestaltung.
Die Leichtigkeit,
Das Ausprobieren,
Auch mal das Auf-die-Nase-Fallen und sich Zeit nehmen dafür,
Aus Fehlern zu lernen,
Die wir halt machen in unserem Leben und in unseren Beziehungen.
Die wir,
Wie ich glaube,
Immer wieder machen werden.
Ich sag gern zu Klienten,
Die diesen übertriebenen Ansporn an ihre Optimierung haben,
Wenn du denn so bewusst bist,
Dass du keine Fehler mehr machst,
Dann bist du wie Buddha,
Dann sag mir bitte Bescheid,
Wie das geht,
Dann will ich das auch und bis dahin habe ich ein ganz normales Leben und darf auch mal Fehler machen.
Aber die Vorstellung,
Die mir inzwischen immer wieder begegnet,
Ist die,
Alles muss optimiert werden,
Liebe,
Karriere,
Geld,
Alles muss 100% und drüber sein,
Das ist der neue Maßstab für Lebenserfolg.
Sehen wir ja dann auch auf Social Media,
Wo das so ausgestellt wird.
Ich will gar nicht wissen,
Was da hinter der Fassade ist.
Aber wenn wir das dann so sehen und wenn wir ja wissen,
Wie das mit dem Lebenserfolg geht und wenn wir das dann nicht schaffen,
Dann ist ja logischerweise der Rückschluss,
Haben wir irgendetwas nicht richtig gemacht oder sind noch nicht gut genug und dann muss das auch noch verbessert werden.
Aber wir sind halt keine Maschinen und wir gestalten unser Leben,
Das finde ich auch ganz wichtig,
Auch nicht allein,
Sondern immer in unseren jeweiligen Umständen und mit anderen zusammen.
Du hast nicht bei allem die Zügel in der Hand.
Leben ist Ko-Kreation.
Du bist immer auch dem Einfluss des Außen ausgesetzt,
Den Menschen in deinem Umfeld,
Dem Wetter,
Der Gesellschaft,
Der Politik,
Whatever.
Und manches passiert uns tatsächlich einfach,
Ohne dass wir es wollen.
Menschen zum Beispiel tun Dinge,
Sie fragen dich nicht,
Ob es dir gefällt.
Wenn deine Partnerin dich verlässt oder dein Partner,
Weil sie oder er den Fokus woanders hingerichtet hat,
Dann ist das furchtbar und es tut sehr,
Sehr weh,
Aber ändern kannst du es nicht.
Auch nicht,
Wenn du denkst,
Du müsstest ihn oder sie nur überzeugen.
Eine Klientin erzählte mir letztens nach einer schlimmen,
Verletzenden Trennung und obwohl es ihr gerade sehr,
Sehr schlecht ging,
Sie wolle doch aber wieder zurück in das Gefühl der grenzenlosen Liebe finden,
Denn wenn sie das könnte,
Wenn sie genug Großherzigkeit und Verständnis aufbringen würde,
Dann würde doch alles wieder gut werden.
Und sie weinte,
Weil ihr dieses mit der grenzenlosen Liebe gerade nicht gelingen wollte.
Und das ist eine andere Form der Kontrollillusion,
Dass sich rettend in eine Fantasiewelt,
Bei der sie mit der Vorstellung,
Es hing jedoch alles nur von ihr und ihrer Einstellung ab,
Einen Rest von Einfluss auf die Beziehung bewahren wollte.
Und sie überging sich und ihren Schmerz und auch die verletzenden Umstände der Trennung vollkommen.
Und natürlich überging sie damit auch die Wahrheit,
Dass sich ihr Partner längst verabschiedet hatte.
Und als ich ihr sagte,
Dass es jetzt erst mal ganz wichtig sei,
Sich liebevoll um sich selbst zu kümmern,
Ihre emotionalen Wunden zu versorgen,
Sich zu konsolidieren und zu schauen,
Was sie brauchte,
Damit es ihr Schritt für Schritt wieder besser gehen konnte und sie die Trennung verarbeiten könne,
Da wollte sie das nicht hören.
Die Überverantwortung,
Diese Idee,
Man müsse nur bewusst und offen und liebevoll genug sein,
Dann würden die negativen Erfahrungen einen Bogen um einen machen und alles wäre gut,
Die waren einfach noch zu fest in ihr verankert,
Das hat mich richtig betroffen gemacht.
Und wie gesagt,
Ich musste das auch erst lernen,
Dass es zwar gut und richtig ist,
Den Gestaltungsspielraum,
Den wir haben,
In unserem Leben und unseren Beziehungen auch zu nehmen,
Dass es eben aber auch genauso wichtig ist,
Zu akzeptieren,
Dass es Bereiche gibt,
Die wir nicht beeinflussen können.
Paradoxerweise,
Versuch das gerne mal in deinem eigenen Leben zu beobachten,
Versuchen wir super gerne,
Den Teil an einer Situation zu beeinflussen,
Den wir nicht beeinflussen können,
Während wir vergessen oder übersehen oder nichts sehen wollen,
Was an der Situation tatsächlich in unserer Macht liegt.
Weißt du,
Was ich meine?
Wenn du verlassen wirst,
Wie die Klientin,
Dann kannst du das nicht mehr ändern,
Dass er gegangen ist,
Es ist dir bereits geschehen.
Das Kämpfen und Bemühen und das Selbstkastein macht keinen Sinn,
Es ist verlorene Energie,
Natürlich wollen wir das erstmal nicht wahrhaben.
Aber es gibt etwas in dieser Situation,
Das wir beeinflussen können.
Es ist die Art,
Wie wir mit der Trennung umgehen werden,
Wie wir dafür sorgen werden,
Dass es uns wieder besser gehen kann.
Darüber haben wir Macht.
Und wie du siehst,
Ist das genau das,
Was meine Klientin nicht wahrhaben wollte,
Jedenfalls nicht in diesem Moment.
Und das ist wirklich typisch für unser manchmal recht absurdes menschliches Verhalten.
Und falls du auch gerade in irgendeinem Lebensproblem steckst oder du hast ein Beziehungsproblem,
Dann mach doch mal folgende kleine Übung.
Du kannst sie im Kopf machen,
Aber es ist natürlich besser,
Wenn du es aufschreibst.
Teile dein Blatt in zwei Hälften auf.
Links schreibst du alles auf,
Was du an deinem Problem nicht beeinflussen kannst.
Was außerhalb deiner Macht liegt,
Außerhalb deiner Reichweite.
Sei dabei ganz ehrlich zu dir.
Ein Beispiel.
Wenn dein Partner und du einen Streit haben,
Irgendeine Meinungsverschiedenheit,
Was daran kannst du nicht beeinflussen?
Wie er denkt,
Zum Beispiel.
Dass er diese Ansicht hat,
Die dir nicht gefällt.
Dass er das zum Ausdruck bringt und darauf beharrt.
Das liegt außerhalb deines Einflusses,
Denn es liegt im Einflussbereich deines Partners.
Was aber kannst du beeinflussen?
Schreib das mal auf die rechte Seite.
Du kannst zum Beispiel beeinflussen,
Ob du Interesse,
Verständnis oder Akzeptanz entgegenbringen kannst.
Oder ob du in deiner Abwehr stecken bleiben willst.
Du kannst beeinflussen,
Ob du zuhören willst oder Recht haben willst.
Du kannst auch beeinflussen,
Wie du deine eigene Ansicht kommunizieren willst.
Ob du sie wie ein Schwert auf ihn niedersaußen lässt oder mit offenem Visier auf ihn zugehst.
Das sind jetzt nur Beispiele,
Aber wenn du das notiert hast,
Für dein Problem,
Dann schau dir mal die beiden Seiten an.
Mit der Frage,
Auf was genau hast du denn bisher versucht Einfluss zu nehmen?
Auf das,
Was außerhalb deiner Macht liegt?
Oder auf das,
Was du beeinflussen kannst?
Hm,
Wahrscheinlich hast du dich auf der machtlosen Seite abgearbeitet und wolltest deinen wirklichen Gestaltungsspielraum gar nicht nehmen.
Das ist ganz normal und es geht uns allen so und es ist auch gut,
Mal über sich und dieses paradoxe Ding zu schmunzeln.
Aber diese kleine Übung kann gut helfen,
Die Richtung deiner Kraft jederzeit neu auf deine Wirksamkeit auszurichten.
Ich mach das regelmäßig,
Wenn ich in irgendwas feststecke und ich geb es auch immer wieder gerne an meine Klientinnen und Klienten weiter.
Ich sehe so viele Menschen,
Die mit Verbissenheit versuchen,
Eine perfektere Form von sich selbst zu werden und dabei an sich vorbeirennen.
Ich sehe Menschen auf der Jagd nach der idealen Beziehung,
Dabei hat diese Beziehung vielleicht in der Realität bei aller Anstrengung gar nicht den Rahmen oder die Basis,
Um dauerhaft gelingend zu sein,
Zum Beispiel,
Weil die Gefühle und Bemühungen zu einseitig sind.
Wir können Beziehungen gestalten,
Aber wir können Beziehungen nicht machen,
In dem Sinne,
Dass das Ergebnis absehbar wäre.
Es ist immer auch wie ein offenes Experiment,
Ein lebendiger Prozess eben,
Und ich bin der Meinung,
Dass wir da auch mit 70 bis 80 Prozent zufrieden sein können.
Wir brauchen nicht die 100 Prozent und drüber.
Weißt du,
Was du für ein geiles Leben hast mit 70 bis 80 Prozent Zufriedenheit?
Was für eine geniale Beziehung!
Anstatt Perfektion erreichen zu wollen und irgendwelche übertriebenen Ideale,
Zähle ich gerne darauf ab,
Auf die Verbesserung zu schauen.
Verbesserung,
Das liebe ich,
Da bin ich dabei.
Ich bin nicht mehr im Team Perfektion.
Perfektion ist selbstdestruktiv.
Klar dürfen es punktuell auch mal 100 Prozent sein,
Aber es ist viel entspannter,
Wenn du die Messlatte für Zufriedenheit,
Egal in welchem Lebensbereich,
Nicht übertrieben hochlegst.
Na klar lohnt es sich,
Unverschämte Träume und Visionen zu haben,
Aber das ist keine Messlatte,
Das ist eine Ausrichtung.
Denn es geht ja nicht nur um das Erreichen von etwas,
Es geht auch um den Weg dahin.
Ums Genießen der Zwischenetappen,
Um das schöne Leben,
Die entspannte Beziehung.
Ich wünsche mir für dich,
Dass du mit Verbesserung zufrieden bist und dass du Akzeptanz findest für Sachen,
Die du gar nicht beeinflussen kannst.
Dass du loslassen und auch mal einen Haken dran machen kannst,
Auch wenn etwas nicht perfekt gelungen ist oder du vielleicht einen Fehler gemacht hast.
Ich sag jetzt mal noch was Gewagtes.
Ich finde,
Uns sind die Demut und die Hingabe ein bisschen abhandengekommen.
In unserem Wollen können wir heute so richtig anmaßend sein,
Weil wir eben in unserer modernen Welt all diese Möglichkeiten haben,
Zwischen denen man sich auch sehr leicht verirren kann.
Will ich heiraten oder nicht?
Will ich meine Beziehung öffnen,
Polyamor leben oder asexuell?
Kinder kriegen oder nicht?
Im Ausland leben,
Meine Berufung finden,
Nochmal studieren oder ein Sabbatical machen?
Das sind so viele Entscheidungen und so viele Richtungsmöglichkeiten und das alles ist nicht nur Freiheit,
Es ist ein enormer Verantwortungsdruck in unserem Leben auf der Jagd nach dem Richtigen richtig.
Deshalb,
So erkläre ich mir das,
Gibt es da vielleicht auch auf der anderen Seite so einen Hype um die Spiritualität,
Entdecken immer mehr Menschen den geheimen Wunsch,
Dass es eine höhere Macht geben möge,
Der wir etwas übergeben können,
Die etwas für uns vorgesehen hat.
Mal loslassen zu können,
Mal nichts mehr entscheiden zu müssen,
Verstehe ich nur zu gut.
Und wenn man da genau hinschaut oder ein bisschen rein spürt,
Dann zeigt uns doch das Leben auch selbst,
Wo Schluss mit unserem Einfluss ist.
Denn das Leben spricht mit uns.
Vielleicht warst du ja auch schon mal an so einem Punkt,
Wo du gemerkt hast,
Okay,
Ich wollte das unbedingt,
Ich hab mich sehr angestrengt,
Ich hab zwar noch nicht alles probiert,
Aber irgendwie spüre ich,
Hier ist jetzt Schluss.
Das war's.
Hier muss ich jetzt loslassen.
Ich kenn das nur zu gut.
Ein Beispiel?
Okay.
Ich kann nicht mehr 20 sein,
Egal wie sehr ich mich anstrenge.
Und wenn ich es auf Krampf versuche,
Es gibt ja da heute so allerlei Möglichkeiten,
Ne?
Bin ich dann glücklich?
Nein.
Wenn man zum Beispiel nur mal auf diesen ganzen medialen Körperkult schaut,
Dem wir uns nicht entziehen können.
Das ist schon schwierig,
Oder,
Wenn wir das dann mit unserer Realität vergleichen?
Ich sehe mir wirklich super gerne schöne Körper an und ich bin auch gerne schön,
Aber mein Körper hat ein Kind bekommen,
Hat Schnitte und Narben und er ist nicht mehr wie mit 20,
Aber ich mag ihn heute mehr.
Das hat wie bei vielen Menschen so ein bisschen gedauert,
Aber ich bin auf dem Weg.
Es war nicht immer leicht,
Aber ich hab da ein gutes Maß an Akzeptanz und Wohlwollen gegenüber mir selbst entwickelt.
Weil ich nicht alles muss,
Was ich kann oder was möglich ist.
Ich muss auch nicht alles haben,
Auch wenn es mir Freude macht,
Was zu erreichen.
Aber genieße ich das denn auch wirklich?
Nur wegen des Habens?
Das frage ich mich dann gerne.
Weil eigentlich wollen wir doch Freude haben,
Bei unserem Prozess oder beim Erreichen von Zielen,
Oder?
Wenn ich zum Beispiel mal wieder zu tief meine Nase in die Podcast-Optimierung gesteckt habe,
Dann merke ich,
Wie ich verbissen werde,
Weil ich denke,
Was ich noch alles muss und dann entsteht so ein Jagen und es gibt so viele Möglichkeiten,
Da noch was zu verbessern.
Aber steige ich erst ein in dieses galoppierende Hamsterrad der Perfektion,
Wo scheinbar alles möglich ist,
Dann ertappe ich mich inzwischen sehr gut selbst und ziehe mich zurück.
Warum eigentlich mache ich das ganz genau?
Weil es mir so,
So viel Spaß macht und nicht,
Weil ich irgendetwas muss.
Und es ist wunderschön,
Noch mehr Menschen zu erreichen,
Aber ich bin nicht bereit,
Alles,
Was möglich ist,
Dafür zu tun,
Dann würde ich nämlich gar nichts mehr anderes machen.
Und vielleicht kannst du das ja auch ein bisschen auf dein Leben übertragen.
Ich will es,
Aber nicht um jeden Preis.
Ich will es fließen lassen.
Und wenn du an dieser Stelle vielleicht merkst,
Dass du schon lange verbiestert an etwas dranhängst,
Dann halt doch mal inne.
Wo stehe ich?
Wo bin ich losgelaufen?
Was habe ich schon alles versucht?
Tut es mir gut?
Habe ich Freude auf diesem Weg?
Oder ist das,
Was ich hier verfolge,
Inzwischen einfach nur noch Anstrengung und ein großes Muss?
Ist das wirklich mein Weg?
Oder darf ich diesen Pfad auch mal verlassen und einen neuen suchen?
Das Leben folgt dem Sog,
Nicht dem Druck.
Loslassen und geschehen lassen kann wunderbar sein als Ausgleich zum Wirksamwerden und Selbstgestalten.
In früheren Zeiten,
Da waren die Menschen sehr viel mehr in diesem hingebungsvollen Modus.
In diesem,
Man kann es nicht beeinflussen und es kommt,
Wie es kommt.
Gott wird es richten.
Und ich sage nicht,
Dass das besser war.
Es war halt nur ganz anders.
Heute sind wir die Götter unseres Lebens und ich glaube,
Wir übertreiben damit in die andere Richtung.
Und was wir alle viel mehr brauchen,
Ist eine gesunde Balance zwischen gestalten wollen und geschehen lassen.
Das ist immer ein bisschen wie ein Drahtseilakt,
Aber wenn wir Freude finden wollen,
Wenn wir unsere Lebensreise auch genießen wollen,
Dann bedeutet es auch Akzeptanz von Grenzen,
Die uns das Leben setzt,
Die uns andere setzen,
Die uns die Umstände setzen.
Und wir sind oft überfordert mit der Summe der Möglichkeiten,
Weil alles möglich scheint.
Theoretisch.
Realistisch ist es nicht.
Aber dabei geht nicht nur das spielerische vollkommen verloren.
Das Entwicklungspotential und das in die Sackgassen laufen,
Das gehört nämlich auch dazu.
Denn wie gesagt,
Wir sind ein lebendiger Prozess.
Wir sind Entwicklung und Evolution und das bedeutet Versuch und Irrtum,
Aufstehen und Weitergehen.
Und hier die zweite der versprochenen Übungen.
Eine Übung,
Mit der du schauen kannst,
Wie es um deine Balance zwischen gestalten wollen und geschehen lassen bestellt ist.
Mal dir dazu mal eine Gerade mit zwei Endpunkten.
Sie symbolisieren die zwei sich gegenüberliegenden Pole.
Und dann schreibst du an den einen Pole,
Verantwortung,
Aktiv werden,
Handeln.
Und an den anderen,
Geschehen lassen,
Wahrnehmen,
Empfangen.
Und jetzt nimm dir doch mal einen Lebensbereich heraus,
Deine Beziehung zum Beispiel.
Wo würdest du dich selbst einordnen auf dieser Gerade,
Auf dieser Balancebene?
Bist du eher auf der Seite von Anstrengung,
Verantwortung,
Richtig machen?
Oder eher auf der Seite geschehen lassen,
Beobachten,
Empfangen?
Mach das ganz intuitiv,
Nicht aus dem Kopf.
Nimm einen roten Stift und mach ein Kreuz genau dort auf der Linie,
Wo du spürst,
Ja,
Hier bewege ich mich auf der Balancebene zwischen Selbstwirksamkeit und geschehen lassen.
Und,
Was siehst du?
Wenn du dein Kreuz in der Mitte gemacht hast,
Bist du in diesem Lebensbereich schon gut in Balance.
Wenn du zu sehr auf Seiten der Verantwortung und Aktion bist,
Weißt du,
Dass es gilt,
Mehr auf dich zukommen zu lassen,
Mal loszulassen,
Mal nicht einzugreifen,
Nicht zu kontrollieren,
Mal zu schauen,
Was dir entgegenkommt.
Und wenn du dich auf der Seite geschehen lassen und passiv bleiben eingezeichnet hast,
Dann geht es für dich darum,
Mehr Einfluss und mehr Verantwortung zu nehmen.
Was will ich wirklich?
Was tue ich dafür aktiv?
Für was bin ich bereit,
Loszugehen und auch die Konsequenzen zu tragen?
Fang einfach an und mach's einfach und mach's dir einfach.
Denn am Ende deines Lebens wirst du dich sehr wahrscheinlich nicht fragen,
Ob du alles richtig oder perfekt gemacht hast,
Sondern du wirst dich fragen,
Ob du dir entsprochen hast,
Ob du deine Möglichkeiten genutzt hast und aus deinen Erfahrungen gelernt hast,
Um ein für dich stimmiges Leben zu führen.
Und du wirst dich fragen,
Ob du Freude hattest.
Und vielleicht,
Wenn du ein neugieriger Mensch bist,
Wirst du dich auch fragen,
Ob du in alle möglichen Ecken geschaut hast,
In die du schauen wolltest,
Ob du etwas probiert und erfahren und gelernt hast.
Und ich kann jetzt schon mal so viel sagen,
Das ist kein linearer Weg.
Der führt nicht nur geradeaus,
Der ist eher so wie eine Bergwanderung.
Alles Liebe für dich,
Deine Claudia.
Treffen Sie Ihren Lehrer
