
Warum Du Dich nicht trennen kannst - das sind die Gründe
„Warum handle ich nicht, obwohl ich längst weiß, dass ich so nicht weiterleben möchte?“ Wenn Du Dich darin wiedererkennst, dann möchte ich Dir gleich zu Beginn etwas sagen: Sich aus einer Beziehung zu lösen, ist nicht nur eine Entscheidung Deines Verstandes. Es ist ein Prozess, an dem drei Ebenen beteiligt sind: der Kopf, das Herz und der Körper. Und sie haben oft ganz unterschiedliche Bestrebungen. Ich stelle mir das manchmal wie einen Umzug von drei Mitbewohnern vor. Der Kopf hat seine Kisten längst gepackt. Er weiß schon, dass es Zeit ist zu gehen. Das Herz sitzt noch zwischen den Möbeln, blättert in alten Fotoalben, erinnert sich an all die schönen Momente und trauert. Und der Körper klammert sich an den Türrahmen, weil hinter dieser Tür alles liegt, was ihm vertraut ist – selbst dann, wenn es längst nicht mehr guttut. Erst wenn alle drei irgendwann bereit sind, wird aus einer inneren Entscheidung auch eine Handlung, zu der Du wirklich stehen kannst.
Transkription
Ich weiß,
Dass ich gehen müsste,
Aber ich schaffe es einfach nicht.
Vielleicht ist das einer der schwersten Sätze,
Die ein Mensch über sich selbst sagen kann.
Denn von außen betrachtet sieht es oft ziemlich einfach aus.
Die Beziehung macht schon lange nicht mehr glücklich,
Die Liebe ist verschwunden,
Die Gespräche sind verstummt.
Und nach unzähligen Versuchen ist auch die Hoffnung verkümmert.
Und trotzdem bleibt man.
Manchmal Jahre.
Und dann fragen sich Menschen,
Warum handle ich nicht,
Obwohl ich längst weiß,
Dass ich so nicht mehr weiterleben möchte.
Und wenn du dich daran wiedererkennst,
Dann möchte ich dir was sagen.
Sich aus einer Beziehung zu lösen,
Ist nicht nur eine Entscheidung deines Verstandes.
Es ist ein Prozess,
An dem drei Ebenen beteiligt sind.
Dein Kopf,
Dein Herz und dein Körper.
Und sie haben mitunter ganz unterschiedliche Bestrebungen.
Du kannst es dir so vorstellen wie einen Umzug von drei Mitbewohnern.
Der Kopf hat seine Kisten längst gepackt,
Er weiß,
Dass es Zeit ist zu gehen.
Und dein Herz sitzt noch zwischen den Möbeln,
Blättert in den alten Fotoalben,
Erinnert sich an die schönen Momente und trauert.
Und dein Körper,
Der klammert sich an den Türrahmen,
Weil hinter dieser Tür alles liegt,
Was ihm vertraut ist.
Selbst dann,
Wenn es schon lange nicht mehr gut ist.
Und erst,
Wenn alle drei irgendwann soweit sind,
Wird aus deiner inneren Entscheidung auch eine Handlung,
Zu der du wirklich stehen kannst.
Leben lieben lassen.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Hallo und herzlich willkommen bei Leben lieben lassen.
Hier gibt es Psychologie für dich,
Dein Leben und deine Beziehungen.
Jede Woche in drei neuen Folgen.
Und ich bin Claudia Bechert-Möckel.
Ich unterstütze Menschen dabei,
Sich selbst und andere besser zu verstehen,
Um gelingende Beziehungen zu leben.
In psychologischer Beratung,
Im Coaching und hier im Podcast.
Und immer wieder sind es die Gespräche mit Klientinnen und Klienten,
Die mich zu den Themen dieses Podcasts hier bringen.
Und das ist auch heute der Fall.
Denn das Thema begegnet mir immer wieder.
Menschen haben sich innerlich längst von ihrer Beziehung verabschiedet und sie schaffen den Absprung nicht.
Da ist eine riesige Kluft zwischen Kopf und Herz.
Sie merken,
Dass ihre Beziehung mehr tot als lebendig ist und sie haben keine Hoffnung mehr und trotzdem tauchen immer wieder dieselben Fragen auf.
Darf ich mich überhaupt trennen?
Ist das richtig?
Mache ich vielleicht was falsch?
Warum schaffe ich den Absprung nicht,
Obwohl ich doch längst weiß,
Dass wir am Ende sind?
Da entsteht ein enormer innerer Druck,
Ein Spannungsfeld,
Das unglaublich belastend sein kann.
Und klar,
Da tauchen auch Selbstzweifel auf.
Vor ein paar Tagen sagte eine Klientin zu mir,
Claudia,
Ich verstehe mich selbst nicht.
Was stimmt denn nicht mit mir?
Ich weiß längst,
Dass diese Beziehung keine Chance mehr hat.
Ich habe so lange gekämpft und dann habe ich Bücher gelesen,
Podcasts gehört und mir ist klar geworden,
Dass ich mir ein ganz anderes Leben wünsche,
Dass wir nicht zusammenpassen,
Dass ich innerlich schon weg bin.
Aber ich schaffe es nicht zu gehen.
Ich habe solche Angst,
Dass die Entscheidung falsch sein könnte,
Dass es vielleicht doch an mir liegt,
Dass ich nicht alles versucht habe.
Ich fühle mich schuldig.
Und dann sage ich wieder nichts und bleibe.
Ja,
Das ist mir sehr nahe gegangen,
Denn zu der belastenden Situation in der Beziehung kam bei dieser Klientin noch was dazu.
Sie hat sich selbst verurteilt oder in Frage gestellt für ihre Zögerlichkeit.
Und damit ist sie nicht allein.
Ich höre das besonders häufig von Menschen,
Die sich sonst eher entscheidungsfreudig erleben,
Menschen,
Die Verantwortung übernehmen können und die auch mutig die Veränderungen in ihrem Leben anpacken und ihren Weg gehen.
Und dann erleben sie sich ausgerechnet in Beziehungen so ganz anders,
Nämlich handlungsunfähig.
Das sieht erst mal widersprüchlich aus,
Oder?
Aber psychologisch ist es das überhaupt nicht.
Es ist unfassbar schwer,
Sich aus einer Beziehung zu lösen,
Selbst wenn man weiß,
Dass der Weg der richtige wäre.
Denn dieses Denken,
Wenn ich mir darüber klar geworden bin,
Muss ich es doch auch umsetzen können,
Das klingt zwar logisch,
Aber psychologisch stimmt es überhaupt gar nicht.
Schon gar nicht beim Thema Beziehungen.
Denn eine Meinung,
Eine Erkenntnis oder auch eine Entscheidung,
Das entsteht vor allem in unserem Verstand.
Die Trennung dagegen auch durchzuziehen,
Das wird vom gesamten Bindungs-,
Stress- und Nervensystem verarbeitet.
Da müssen viele Ebenen in dir an einem Strang ziehen.
Deshalb ist es so,
Dass viele nicht bleiben,
Weil sie sich noch nicht entschieden haben.
Sie bleiben,
Weil ihr gesamtes System der Entscheidung nach gar nicht folgen kann.
Und manchmal,
Und auch das ist normal,
Braucht es Monate und sogar Jahre,
Bis man der eigenen inneren Wahrheit folgen kann.
Innere Klarheit alleine,
Also das Bewusstwerden,
Reicht dabei überhaupt nicht aus.
Denn du bist ja nicht ein Verstand auf zwei Beinen.
Du bist auch ein emotionales Wesen.
Und du hast einen Körper,
Der in Sachen Bindung sein ganz eigenes Programm fährt.
Dein Verstand,
Deine Gefühle und dein Körper ziehen deshalb manchmal in völlig unterschiedliche Richtungen.
So wie ein inneres Tauziehen.
Und genau das hat gar nichts mit mangelnder Entscheidungskraft oder persönlichem Versagen zu tun.
In dir wirken gleichzeitig Hoffnung,
Bindung,
Loyalität,
Verantwortung,
Fürsorge,
Angst,
Liebe,
Gewohnheit und auch Trauer.
Und diese Kräfte ziehen eben nicht alle in die gleiche Richtung.
Lass uns das heute mal gemeinsam sortieren.
Schauen wir uns an,
Was dich festhält und was in deiner inneren Welt eigentlich bei dieser Zögerlichkeit passiert.
Und dafür unterteilen wir das ganze Geschehen mal in drei Ebenen.
Verstand,
Gefühle und Körper.
Ich habe sehr lange gewartet,
Dass was passiert.
Ich habe gekämpft,
Geweint und gebettelt.
Ich habe immer wieder gehofft,
Dass ein Wunder geschieht,
Dass er mich doch noch sieht.
Aber so möchte ich mein Leben nicht weiterleben.
Ich fühle mich einsamer,
Als ich das wahrscheinlich jemals alleine wäre.
Und trotzdem wache ich jeden Morgen neben ihm auf.
Ich mache die Wäsche,
Wir planen den Urlaub,
Obwohl ich das gar nicht mehr möchte.
Nichts passiert.
Warum?
Weil Erkenntnis alleine unser Verhalten nur selten verändert.
Einer der Gründe,
Warum das so schwierig ist,
Ist der versunkene Kostenirrtum,
Sankt-Kost-Fallacy.
Und dieses Phänomen beschreibt etwas,
Das wir alle kennen,
Nicht nur in Beziehungen.
Je mehr wir in eine Sache investiert haben,
Desto schwerer fällt es uns loszulassen.
Selbst dann,
Wenn wir längst spüren,
Dass es so nicht mehr passt.
In Beziehungen sind,
Wenn du so willst,
Diese Investitionen riesig.
Jahre,
Vielleicht sogar Jahrzehnte.
Gemeinsame Kinder,
Ein gemeinsames Zuhause,
Urlaube,
Geteilte Träume,
Unzählige gemeinsame Erfahrungen,
Gespräche,
Tränen und Versöhnungen und auch die Sachen,
Die man zusammen erlebt hat.
Und klar kommt einem da der Gedanke,
Das kann doch nicht alles umsonst gewesen sein.
Oder ich kann das doch jetzt nicht einfach wegwerfen.
Aber genau da liegt eben das Problem.
Denn wir glauben dann unbewusst,
Wir könnten all das retten,
Wenn wir nur noch ein bisschen durchhalten.
Noch ein Gespräch,
Noch eine Therapie,
Noch eine letzte Chance.
Aber die Wahrheit ist,
Alles was du reingesteckt,
Also was du investiert hast,
Macht nicht unbedingt deswegen mehr Sinn.
Oder mehr Ergebnis,
Nur weil du damit immer weitermachst.
Und das ist eben in Beziehungen besonders schmerzhaft,
Denn hier hast du nicht irgendwie Geld investiert.
Nee,
Hier geht's um Lebenszeit,
Um Liebe,
Um Hoffnungen,
Um den Traum von einer gemeinsamen Zukunft.
Du hast ein Stück Leben da reingesteckt.
Und wir lösen uns ja nicht nur von einem Menschen.
Wir verabschieden uns auch von der Geschichte,
Die wir mit ihm schreiben wollten.
Weißt du?
Von der Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft.
Und auch deshalb wird das Loslassen oft so schwer.
Vergangenheit nicht verlieren.
Ein anderer Grund ist Hoffnung.
Hoffnung ist eigentlich was sehr,
Sehr Schönes.
Sie hilft uns ja,
Schwere Zeiten zu überstehen und sie gibt uns Kraft,
Nicht vorschnell aufzugeben.
Das Problem ist nur,
Hoffnung kann in gewissen Fällen auch toxisch werden.
Nämlich dann,
Wenn sie nicht mehr unsere Entwicklung nährt,
Sondern unseren inneren Vermeider füttert.
Vielleicht verändert er sich ja doch noch,
Dachte meine Klientin.
Vielleicht gibt es noch eine gemeinsame Entwicklung.
Vielleicht ist das nur eine schwierige Phase.
Vielleicht merkt er endlich,
Was ich ihm bedeute.
Vielleicht wird es nach dem Urlaub besser.
Nach dem Umzug,
Nach der Paartherapie oder wenn die Kinder größer sind,
Wenn der Stress nachlässt,
Wenn endlich dieses Wunder passiert.
Es gibt immer noch ein Vielleicht.
Und genau das macht es so schwer,
Eine Entscheidung umzusetzen.
Denn solange Hoffnung da ist,
Fühlt sich das Loslösen und das Gehen fast wie Aufgeben an.
Und da lohnt sich natürlich eine ehrliche Frage.
Hoffe ich wirklich auf eine reale Veränderung?
Oder warte ich auf den Weihnachtsmann,
Der nicht kommt?
Und auch das ist ein wichtiger Punkt,
Der es uns schwer macht,
Uns zu lösen.
Es ist eben nicht alles schlecht.
Das wird in der Psychologie Ambiguität genannt.
Denn wirklich die allerwenigsten Beziehungen sind rund um die Uhr nur leer,
Traurig oder schwierig oder auch öde.
Da gibt es natürlich auch immer die schönen Momente.
Gemeinsame Freude,
Gemeinsame Erfahrungen.
Ihr verbringt einen schönen Urlaub,
Ihr habt einen richtig guten Abend und plötzlich denkst du,
Ja,
Vielleicht geht es ja doch.
Und genau diese Lichtblicke,
Die es eigentlich immer gibt,
Die machen es so schwer zu lösen.
Gehen.
Unter anderem auch deshalb,
Weil unser Gehirn vor allem die emotional bedeutenden Momente speichert.
Und wenn nach einer langen Phase der Distanz plötzlich wieder ein bisschen Nähe entsteht,
Fühlt sich das ganz schnell an wie ein Beweis,
Dass doch noch alles gut werden könnte.
Und das passiert dann selbst bei kleinsten Krümeln von Zuwendung.
Da ist es wieder.
Vielleicht gibt es doch noch etwas mehr davon.
Aber wenn du es bei Lichter betrachtest,
Kann es sein,
Dass diese schönen Momente nur noch kleine Inseln sind in einem Meer,
In dem du dich die ganze Zeit einsam,
Ungeliebt oder nicht gesehen fühlst?
Und es gibt noch einen anderen psychologischen Mechanismus,
Der uns hält,
Die sogenannte Verlust-Aversion.
Und auch das beschreibt was sehr Menschliches.
Verluste schmerzen uns ungefähr doppelt so stark,
Wie uns gleich große Erfolge freuen.
Auch deshalb denkt unser Gehirn zuerst an das,
Was verschwindet.
Ich verliere meinen Partner,
Mein Zuhause,
Meine Familie,
Wie sie gerade ist,
Vielleicht auch gemeinsame Freunde.
Was wir gewinnen könnten,
Sehen wir in dem Moment dagegen nur wenig.
Mehr Ruhe,
Mehr Freiheit,
Mehr Selbstachtung,
Vielleicht sogar die Chance auf eine erfüllende Beziehung?
Oder einfach mal das Gefühl,
Wieder ganz bei sich selbst zu sein?
Das liegt ja alles noch in der Zukunft.
Und Zukunft ist für unser Gehirn immer sehr abstrakt.
Der Verlust dagegen fühlt sich sofort real an.
Deswegen ist dieses Gefühl,
Ich verliere meine Beziehung,
Oft viel größer als der Gedanke,
Ich gewinne vielleicht mein Leben zurück.
Der Verlust fühlt sich also im ersten Moment größer an als die Freiheit dahinter.
Und dann gibt es noch was,
Das viel tiefer sitzt als Hoffnung oder Verlustangst.
Etwas,
Das wir meistens gar nicht auf dem Schirm haben.
Denn wir treffen unsere Entscheidungen nicht nur nach Faktenlage.
Wir treffen sie auch danach,
Was wir über uns selbst glauben.
Deine unbewussten Glaubenssätze und das Selbstbild,
Das du hast,
Beeinflussen deine Entscheidungen.
Und vielleicht denkst du diese Sätze gar nicht bewusst,
Aber irgendwo in dir laufen vielleicht doch Überzeugungen ab wie,
Ich darf doch nicht einfach gehen.
Man gibt eine Beziehung nicht auf.
Ich habe mich doch einmal für etwas entschieden.
Vielleicht muss ich mich nur noch etwas mehr bemühen.
Wenn ich gehe,
Habe ich versagt.
Oder noch viel tiefer,
Ich schaff das alleine nicht.
Alleine bin ich niemand.
Ich darf das nicht.
Ich bin ein schlechter Mensch,
Wenn ich meinen eigenen Bedürfnissen folge.
Ich könnte andere verletzen.
Oder auch,
Mich will sowieso niemand mehr.
Oder ich bin nicht stark genug.
Diese Sätze,
Die fühlen sich nicht wie vordergründige Gedanken an,
Sie fühlen sich wie innere Wahrheiten an,
Unbewusst,
Und genau das macht sie so machtvoll.
Denn unsere Entscheidungen treffen wir nicht nur nach dem,
Was objektiv richtig wäre.
Wir treffen sie auch danach,
Für wen wir uns halten.
Wenn du tief in dir glaubst,
Dass dein Wert davon abhängt,
In einer Beziehung zu sein,
Dann fühlt sich ein Loslösen,
Eine Trennung,
Die du auch noch wählst,
Nicht nur wie das Ende einer Partnerschaft an,
Sie fühlt sich dann an wie der Verlust eines Teils von dir selbst.
Eigentliche Frage oft gar nicht,
Warum schaffe ich den Absprung nicht,
Sondern welcher alte Glaubenssatz hält mich noch in einer Beziehung fest,
Die ich innerlich längst verlassen habe?
Und dann wirken ja auch noch andere Stimmen in dir,
Die gar nicht deine eigenen sind.
Sie kommen aus deiner Familie,
Aus deiner Erziehung,
Aus unserer Gesellschaft.
Das Bild vom Durchhalten und die Angst vor dem Urteil anderer,
Das steckt ganz tief in uns drin.
Da gibt es so Botschaften,
Die du gar nicht selbst gewählt hast,
Aber die du dein ganzes Leben gehört hast.
Man gibt doch nicht einfach auf.
In guten wie in schlechten Zeiten.
Man muss nur genug an einer Beziehung arbeiten.
Früher konnte man auch nicht einfach hinwerfen.
Wer sich trennt,
Hat versagt.
Oder hat es noch nicht so richtig versucht.
Man muss sich auch zusammenreißen.
Das Leben ist kein Ponyhof.
In früheren Beziehungsmodellen,
Da wurde nicht gefragt,
Wie geht es dir eigentlich in dieser Beziehung,
Sondern hast du durchgehalten?
Durchhalten in Beziehungen,
Das galt früher als Stärke.
Loslassen wurde ganz schnell mit Aufgeben verwechselt.
Dabei braucht es manchmal viel mehr Mut zu gehen als zu bleiben.
Und dann ist ja auch noch diese wirklich tiefsitzende Angst vor dem Urteil anderer in uns drin.
Was werden meine Eltern sagen?
Wie erkläre ich es den Kindern,
Selbst wenn sie erwachsen sind?
Was denken Freunde oder Kollegen von mir?
Haben uns doch immer als das Traumpaar gesehen.
Und dann ist der Wunsch nach einer Trennung eben nicht mehr wie eine private Entscheidung,
Sondern wie etwas,
Das du vor der ganzen Welt rechtfertigen musst,
Weil du was falsch machst.
Und weißt du,
Was ich in Beratungen immer wieder höre?
Ich habe Angst,
Alle zu enttäuschen.
Aber wenn wir genau drauf gucken,
Ist ja die entscheidende Frage gar nicht,
Ob andere deine Entscheidung verstehen,
Sondern ob du bereit bist,
Dein eigenes Leben weiter nach ihren Erwartungen zu leben oder eben doch nach deinen eigenen Bedürfnissen.
Du siehst also,
An deinem Kopf ist eine Menge los.
Obwohl ein Teil längst verstanden hat,
Dass diese Beziehung nicht mehr gut für dich ist und du alle Gründe kennst und auch die Fakten und sogar die Lösung,
Gibt es in deinem Kopf auch Sorgen und Gedanken,
Die dich halten.
Schauen wir gleich mal auf die zweite Ebene,
Auf das Herz,
Auf deine Gefühle.
Denn die haben bei einer Trennung mindestens genauso viel mitzureden wie dein Verstand.
Und Gefühle folgen keiner Logik.
Dein Herz spricht eine ganz andere Sprache.
Und genau deshalb geraten Kopf und Herz so oft miteinander in Kontakt.
Streit.
Schauen wir uns mal an,
Welche Gefühle dich so richtig festhalten können.
Die Trauer zum Beispiel.
Die Trauer beginnt oft schon lange vor der eigentlichen Trennung.
Viele Menschen glauben,
Die Trauer beginnt erst nach der Trennung.
Aber das stimmt häufig gar nicht.
Mir sagen Menschen oft,
Eigentlich habe ich schon vor zwei Jahren angefangen Abschied zu nehmen.
Jedes Mal nach einem enttäuschten Gespräch.
Jedes Mal,
Wenn ich mich verloren gefühlt habe.
Nach jedem Streit,
Nach jeder schlaflosen Nacht.
Jeder Geburtstag,
An dem ich mich einsam gefühlt habe.
Jeder Urlaub,
An dem ich gemerkt habe,
Wir sind kilometerweit voneinander entfernt.
Das waren alles kleine Abschiede.
Stück für Stück.
Ich war sehr lange sehr traurig.
Und wer diesen Prozess der Trauer um die Beziehung,
Die es nicht mehr gibt,
Erlebt,
Der fühlt dann oft bei der eigentlichen Trennung nicht mehr nur Schmerz,
Sondern oft auch Erleichterung,
Weil die Trauerarbeit schon sehr viel früher begonnen hat.
Und auch ein anderes Gefühl ist unglaublich mächtig.
Schuldgefühle.
Es geht um die Verantwortung,
Die ich habe.
Zum Beispiel die Frage,
Zerstöre ich gerade meine Familie?
Wer wird unter meiner Entscheidung leiden?
Kann ich es aushalten,
Dass es dem anderen damit nicht gut geht,
Wenn ich gehe?
Bin ich egoistisch?
Nehme ich meinen Kindern ihre heile Welt?
Oder auch,
Wie soll mein Partner das ohne mich schaffen?
Vor allem Menschen,
Die sehr feinfühlig sind und die es gewöhnt sind,
Sich nach den Bedürfnissen anderer auszurichten oder sich aufgrund ihrer eigenen Geschichte sehr schnell schuldig fühlen,
Die tragen oft das Leid aller anderen auf ihren Schultern.
Sie übernehmen Verantwortung für Gefühle,
Entscheidungen und Konsequenzen,
Die gar nicht alleine ihre sind,
Weil sie das ihr ganzes Leben lang schon so kennen.
Und dann bleiben sie gar nicht aus Liebe,
Sondern aus Schuldgefühl.
Und oft geht es auch um ein ganz anderes Gefühl.
Wer bin ich ohne diese Beziehung?
Vielleicht warst du 20 Jahre Ehefrau.
Vielleicht warst du immer Teil dieses Paares.
Vielleicht warst du die Mutter dieser Familie,
Die Organisatorin,
Die dir alles zusammengehalten hat.
Und mit einer Trennung gehen auch diese Rollen verloren.
Auch die Gewohnheiten,
Die Zukunftspläne und sogar manchmal das Bild,
Das man von sich selbst hat.
Es geht um deine Identität.
Ein ganz wichtiges Thema auch,
Loyalität.
Das wirkt oft wie ein unsichtbares Band.
Denn du hast dir mal versprochen,
Für immer zumindest hast du es dir so vorgestellt.
Und ihr habt gemeinsam Krisen überstanden,
Krankheiten,
Finanzielle Sorgen,
Vielleicht den Tod eines geliebten Menschen.
Das alles schweißt euch zusammen.
Und vielleicht kommst du aus einer Familie,
In der Trennung als Scheitern galt,
In der es um Zusammenbleiben um jeden Preis ging.
Und Loyalität,
Verstehe mich nicht falsch,
Das ist was Wunderbares.
Machen wir zu viel davon.
An der falschen Stelle,
Kann sie wirklich auch gegen uns selbst wirken.
Nämlich,
Wenn du anfängst,
Dich dafür selbst zu verraten.
Und natürlich geht es auch um eine Angst,
Über die kaum jemand spricht.
Es geht nicht nur darum,
Alleine zu sein.
Es geht um eine viel tiefere Frage.
Was,
Wenn mich nie wieder jemand liebt?
Was,
Wenn ich niemanden mehr finde?
Was,
Wenn ich den Rest meines Lebens alleine bleibe?
Das ist eine existenzielle Angst für viele Menschen,
Denn wir sind Bindungswesen.
Zugehörigkeit,
Nähe,
Verbundenheit,
Das ist uns wichtig.
Einsamkeit wirkt auf unser Gehirn nicht einfach nur unangenehm,
Es kann sich anfühlen wie eine Bedrohung,
Obwohl Einsamkeit nicht dasselbe ist wie alleine sein.
Und auch aus diesem Grund entscheiden sich viele Menschen lieber für eine vertraute Unzufriedenheit als für eine ungewisse Freiheit.
Die Angst vor dem Alleinsein vielleicht größer erscheint als die Hoffnung auf ein neues Leben.
Und auch dieser Schmerz scheint mir enorm wichtig.
Der Verlust der gemeinsamen Zukunft.
In einer Beziehung haben wir ein Bild davon,
Wo wir hinwollen zusammen,
Wie wir zusammen leben wollen.
Es gibt Ziele und Träume,
Es gibt Projekte,
Zumindest gab es sie ganz sicher einmal.
Die Reisen,
Die ihr machen wolltet,
Das Haus,
Das ihr zusammen bauen wolltet,
Die Kinder,
Die ihr euch vorgestellt habt,
Was es auch immer ist.
Vielleicht auch ein gemeinsames Projekt.
Die Vorstellung vom Älterwerden,
Von den Enkeln,
Von all den Bildern,
Die ihr euch zusammen ausgemalt habt.
Und der Punkt ist jetzt der,
Wenn du gehst,
Verabschiedest du dich auch von dieser gedachten Zukunft.
Und wenn man das alles so bedenkt,
Dann kann man sich das so vorstellen.
Bei einer Trennung,
Bei einer Ablösung,
Da gehen nicht nur zwei Menschen auseinander.
Das ist das,
Was man an der Oberfläche sehen kann.
Aber mit den Jahren wächst unterm Radar der Beziehung sowas wie ein riesiges Wurzelwerk,
Das euch verbindet.
Erinnerungen,
Gewohnheiten,
Gemeinsame Freunde und Rituale,
Kinder,
Urlaube,
Zukunftspläne.
Du siehst diese Wurzeln nicht,
Aber sie machen das Loslassen so schwer.
Wer schon mal versucht hat,
Einen Baum mit all seinen Wurzeln aus der Erde zu lösen,
Der weiß,
Wie viel Kraft das kostet.
Man muss graben,
Man muss ziehen und manchmal reißt man etwas ab und oft entsteht dabei ein riesengroßes Loch.
Ihr seid über die Zeit,
Über die Jahre miteinander verwachsen.
Und ich finde,
Es ist wichtig,
Sich das viel öfter einzugestehen.
Ja,
Und obwohl ich hier in diesem Podcast,
Wie du weißt,
Vor allem einen individuellen Ansatz verfolge,
Möchte ich noch was sagen.
Neben all diesen inneren Prozessen gibt es auch ganz reale,
Strukturelle Hürden.
Äußere Faktoren,
Die es schwer machen.
Finanzielle Abhängigkeit zum Beispiel,
Gemeinsame Kinder,
Eine schwierige Wohnsituation oder gesundheitliche Themen.
Das alles kann eine Trennung zusätzlich noch erschweren.
Denn es spielt sich nicht alles nur in unserer Psyche ab.
Wir leben auch in einer Umgebung,
Einer Welt und sind Faktoren ausgesetzt.
Und da gibt es sehr,
Sehr oft ganz praktische Gründe,
Warum Menschen,
Und das sind oft Frauen,
Nicht einfach ihre Koffer packen und gehen können.
Ja,
Aber selbst das ist noch nicht alles.
Denn selbst wenn Herz und Verstand irgendwann bereit wären,
Gibt es noch jemanden,
Der sich mit aller Kraft gegen die Trennung stemmen kann.
Unser Körper.
Und genau den schauen wir uns gleich an.
Jetzt kommen wir zu einer Ebene,
Die viele völlig unterschätzen.
Beim Thema sich ablösen.
Denn wenn wir auf den Körper schauen,
Ist es vorbei mit der Klarheit.
Deinem Bindungssystem ist es nämlich ziemlich egal,
Was du da oben in deinem Kopf beschlossen hast.
Sobald du dich auf einen Menschen eingelassen hast,
Hat sich dein Nervensystem mit diesem Menschen verbunden.
Es hat angedockt.
Es hat Sicherheit gefunden.
Und genau diese Sicherheit möchte es erhalten.
Denn der Körper ist auf Bindung programmiert und auf die Suche nach Sicherheit.
Das ist nicht zufällig,
Sondern weil uns das als Menschheit unser Überleben gesichert hat.
Wir konnten nur überleben,
Weil wir uns miteinander verbunden haben,
Weil wir fähig sind,
Beziehungen aufzubauen,
Familien,
Gemeinschaften,
Stämme.
Bindung ist also kein romantisches Extra,
Es ist ein biologisches Überlebensprogramm.
Und auch deswegen will dein Bindungssystem Nähe,
Auch wenn sie dir gar nicht mehr gut tut.
Von Geburt an,
Musst du dir vorstellen,
Sind wir darauf angewiesen,
Dass jemand für uns da ist.
Deshalb ist unser Bindungssystem nicht nur darauf programmiert,
Bindungen einzugehen,
Sondern auch sie zu erhalten und Gefahren von ihnen abzuwehren.
Und so kann es passieren,
Dass dein Kopf sagt,
Diese Beziehung ist für mich an ein Ende gekommen,
So möchte ich das nicht mehr.
Nervensystem sagt,
Das geht auf gar keinen Fall.
Ich halte fest.
Und es hat noch nicht mal zwingend mit der Qualität der Beziehung zu tun.
Denn für unser Nervensystem ist Vertrautheit oft wichtiger als Wohlbefinden oder Glück.
Selbst wenn ihr euch ständig streitet,
Selbst wenn du dich einsam fühlst,
Selbst wenn du innerlich längst aufgegeben hast,
Dieser Mensch ist über Jahre zu deiner wichtigsten Bindungsperson geworden.
Dein Nervensystem kennt seine Stimme,
Seinen Geruch,
Seine Gewohnheiten,
Seine Anwesenheit.
Alles ist in dir mit Sicherheit assoziiert.
Und da kann es zu Verwechslungen kommen.
Manche Menschen sagen mir,
Ich kann sie oder ihn nicht loslassen,
Also muss ich sie oder ihn wahrscheinlich doch noch lieben.
Aber das stimmt nicht unbedingt.
Du kannst jemanden sehr schmerzlich vermissen,
Obwohl du genau weißt,
Dass diese Beziehung dir nicht mehr gut tut.
Du kannst Sehnsucht spüren und trotzdem wissen,
Dass eine gemeinsame Zukunft keine gute Zukunft wäre.
Bindung und Liebe sind nicht das Gleiche.
Oft gesprochen,
Verwechselt nämlich oft Vertrautheit mit Sicherheit.
Dabei ist nicht alles,
Was uns vertraut ist,
Auch gut für uns.
Ein weiterer Grund liegt in unseren früheren Bindungserfahrungen.
Hier kommen wir zu den Bindungsverletzungen und auch den Traumabindungen.
Wenn du als Kind erlebt hast,
Dass Nähe was Unberechenbares ist oder etwas,
Das sogar bedrohlich war,
Dann haben sich zwei Dinge in dir miteinander verbunden,
Nämlich Nähe und Angst.
Dann brauchst du diese Nähe,
Aber sie fühlt sich auch bedrohlich an.
Und genau diese erlernten Muster in Sachen Beziehung und Bindung sorgen dann dafür,
Dass wir diese Programme wiederholen,
Weil es uns nicht bewusst ist.
Und so kann es passieren,
Dass das ständige Wechselspiel von Nähe und Distanz dein Bindungssystem regelrecht an einen Menschen bindet.
Und überall dort,
Wo emotionale Verletzungen und kurze Momente der Nähe sich ständig abwechseln,
Kann eine außergewöhnlich starke Bindung entstehen.
Und auch deswegen kommen viele Betroffenen nicht los.
Starke Bindung,
Schlechte Beziehung erzeugt sowas wie eine Sogwirkung.
Das liegt daran,
Dass das Nervensystem Liebe mit Hoffen,
Kämpfen und Unsicherheit verbunden hat.
Es ist so wie diese dicken Gummibänder.
Je weiter du dich entfernst,
Desto stärker ziehen sie dich zurück.
Genauso funktionieren manche Beziehungen.
Du denkst,
Jetzt schaffe ich es und plötzlich zieht dich etwas mit voller Kraft wieder zurück.
Das ist nicht Schwäche,
Das ist,
Weil Bindung genau dafür gemacht ist,
Menschen zusammenzuhalten.
Und es kommt noch hinzu,
Auch dein Körper muss sich erst entwöhnen.
Das habe ich vorhin schon kurz angedeutet.
Im Laufe der Jahre ist dein Partner,
Deine Partnerin nicht nur ein Mensch geworden,
Den du liebst oder geliebt hast,
Es ist auch Teil deines Regulationssystems geworden.
Klingt vielleicht erst mal komisch,
Ich weiß.
Aber denk mal kurz darüber nach.
Die Stimme,
Der Geruch,
Die Schritte im Flur,
Das gemeinsame Frühstück,
Die Umstände und den ihr zusammengelebt habt,
Der Platz auf dem Sofa,
Der Platz im Bett,
Das Geräusch des Schlüssels in der Haustür.
Das sind alles kleine Dinge,
Aber sie geben deinem Nervensystem Orientierung.
Sie sagen,
Das ist die Welt,
Wie ich sie kenne.
Und wenn du gehst,
Bedeutet das ja auch,
Deine vertraute Welt verändert sich komplett.
Und deswegen fühlen sich die ersten Wochen nach einer Trennung oft körperlich so überwältigend an.
Und dazu zeigt auch die Forschung was Erstaunliches.
Wenn wir einen Menschen verlieren,
Zu dem wir eine enge Bindung hatten,
Und ich erinnere nochmal,
Das heißt nicht,
Dass die Beziehung gut war.
Jedenfalls werden im Gehirn ähnliche Netzwerke aktiv wie bei einem Entzug.
Deshalb verspüren viele Menschen den fast zwanghaften Drang,
Doch nochmal anzurufen,
Nochmal das Handy zu kontrollieren,
Nochmal die Fotos anzusehen,
Nochmal zur Wohnung zurückzufahren oder auch den anderen wahnsinnig zu vermissen,
Weil der Körper quasi auch auf Entzug ist.
Liebeskummer oder Ablösungsschmerz ist deshalb nicht nur was Emotionales.
Es ist auch ein biologischer Anpassungsprozess.
Und unser Nervensystem liebt ja etwas Besonderes.
Nämlich die Vorhersagbarkeit.
Selbst wenn deine Beziehung unglücklich ist,
Du weißt,
Wie der andere reagiert,
Du kennst alle Macken,
Die Routinen,
Die schlechten Tage.
Das ist so schön vorhersagbar,
Also sicher.
Das Neue dagegen ist ungewiss.
Und Unsicherheit bewertet unser Gehirn zunächst erstmal als Gefahr.
Ja,
Das war eine ganze Menge,
Oder?
Deshalb hoffe ich,
Am Ende dieser Folge ist dir klar,
Loslassen ist nicht einfach nur eine Entscheidung,
Es ist ein Umlernen.
Und deshalb möchte ich dir zum Schluss noch was mitgeben.
Wenn du dich gerade fragst,
Warum du den Absprung nicht schaffst,
Oder auch wenn du dich fragst,
Warum es dir nach einer Trennung,
Die du nicht wolltest,
Immer noch so schlecht geht,
Warum dieser Ablöseprozess so lange dauert,
Dann hör bitte auf,
Dich dafür selbst zu beurteilen oder zu bewerten.
Denn du kämpfst nicht gegen mangelnde Willenskraft.
Du kämpfst gleichzeitig mit deinem Verstand,
Mit deinem Herzen und einem Nervensystem,
Das nur versucht,
Dich zu beschützen.
Aber du bist nicht schwach und du bist nicht verrückt und es dauert so lange,
Wie es dauert.
Und du bist ganz sicher nicht gescheitert.
Du bist ein Mensch,
Dessen Kopf längst verstanden hat,
Dessen Herz noch trauert und dessen Körper noch lernen muss,
Dass auch mit anderen Menschen wieder Sicherheit auf dich warten kann.
Und auch in dir selbst wohnt.
Treffen Sie Ihren Lehrer
