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JA zur eigenen Originalität

by Jürgen Noll

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Keiner erlebt die Welt und das Leben gleich. Wir sind zur Einmaligkeit und Originalität geboren. Die Bedeutung des eigenen Lebens liegt darin, im Puzzle des Seins den eigenen Platz auszufüllen. In diesem Vortrag nach Wilhard Becker gehen wir Gedanken des Selbstwerts und der eigenen Entwicklung nach.

Transkription

Jedes Lebewesen auf dieser Erde ist ein Original.

Es gibt kein Leben,

Das nach Schablone gefertigt wäre.

Selbst die vielen Blätter eines Baumes sind voneinander verschieden,

Keines ist dem anderen gleich.

Jedes hat seine unverwechselbare Größe,

Farbe,

Form und Lebensdauer.

Zwar kann man an einem einzelnen Blatt die Baumart bestimmen,

Doch bleibt jedes für sich ein Original.

Wenn sich diese Einmaligkeit schon bei einfachen Lebensformen beobachten lässt,

Um wie viel mehr dann erst beim Menschen.

Seine Einzigartigkeit zeigt sich schon im kleinsten Detail.

Die feinen Zeichnungen auf der Haut einer Fingerkuppe zum Beispiel sind so unverwechselbar,

Dass man jeden Menschen an seinem Fingerabdruck identifizieren kann.

Und wie verschieden sind die Gesichter?

Selbst jede einzelne Zelle unseres Körpers hat ihre spezielle Art,

Aufgabe und Lebensdauer.

Aber nicht nur körperlich sind wir Original,

Sondern auch in unserem Ausdruck,

In unserer Haltung,

Unserer Gestik,

Unserer Stimme.

Noch unvergleichbarer sind wir in unserem Inneren.

Kein Mensch kann genau so fühlen und denken wie ein anderer.

Keiner erlebt die Welt und das Leben gleich.

Das trifft auch für die Träume,

Wünsche,

Hoffnungen und Ängste zu.

Vom Augenblick unserer Zeugung an sind wir zur Einmaligkeit bestimmt.

Diese Entdeckung kann aber auch Angst auslösen.

Was für ein einsames Schicksal trage ich?

Kann ich überhaupt erwarten,

Dass ein anderer Mensch mich versteht?

Kann ich hoffen,

Dass jemand sich ganz in mich einfühlt?

So ist das Einmaligsein nicht nur ein Geschenk,

Sondern auch ein Geschick,

Das uns in tiefe Einsamkeit und notvolle Isolation bringen könnte.

Es gehört Mut dazu,

Zu seiner Originalität,

Zu seiner Persönlichkeit Ja zu sagen.

Es ist Mut-Sache,

Die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und sich nicht ständig mit anderen Menschen zu vergleichen.

Wenn ich überhaupt an einen Sinn in meinem Leben glauben will,

Dann nur unter der Perspektive,

Dass mir mit meiner Originalität auch eine einmalige Aufgabe gestellt ist.

Diese Aufgabe entspricht meinen einmaligen Möglichkeiten.

In dem Puzzle des Lebens kann nur ich meinen Platz ausfüllen.

Tue ich das nicht,

Dann wird mich das beunruhigende Gefühl nicht verlassen,

Am falschen Platz zu sein.

Ich werde mein Leben verfehlen.

Dieses Empfinden kann meinen Mut und meine Lebenskraft lähmen.

Wenn ich nicht bin,

Was ich bin und nicht tue,

Was nur ich tun kann,

Bleibt die Welt an dieser Stelle unvollständig.

Andere müssen dann als Lückenbüßer für mich einspringen.

Es ist wichtig,

Dass ich alles daran setze,

Die Verantwortung für mein Leben mit seinen Möglichkeiten selbst zu übernehmen.

Vielen Menschen fällt es allerdings schwer,

An ihre Originalität zu glauben und sich ernst zu nehmen.

Statt aus ihrer Einzigartigkeit und Einmaligkeit auch ihre Bedeutung für sich und die Welt abzuleiten und daraus ihren Wert zu beziehen,

Verweigern sie sich dem Leben.

Die Bedeutung meines Lebens liegt darin,

Welchen Wert ich mir beimesse.

Niemand kann mir letztlich einen Wert und eine Bedeutung geben,

Wenn ich sie nicht annehme.

Ich habe ein Leben,

Das bedeutungsvoll ist,

Denn niemand kann das sein,

Was ich bin.

Ich bin nicht messbar,

Ich bin nicht zu bewerten und nicht zu ersetzen.

Unsere Umwelt,

Unsere Gesellschaft scheinen uns allerdings ständig das Gegenteil beweisen zu wollen.

Wir werden gemessen,

Bewertet,

Verglichen und gerade dadurch oft in unserem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen erschüttert.

Schon in der Schule beginnt die Benotung.

Bei jeder Bewerbung werde ich nach meinen Zeugnissen gefragt.

In keiner Stellenbeschreibung wird Wert auf meine Originalität gelegt.

Überall fragt man mich nach Fähigkeiten,

Die viele andere auch haben.

Ich soll ja in einen Plan,

In ein vorgegebenes Gefüge hineinpassen.

Man erwartet meine Einpassungs- und Anpassungsfähigkeit und nicht meine Eigenart.

Diese ist meistens sogar störend.

Von daher ist es verständlich,

Dass die meisten Menschen kein ausgeprägtes Selbstbewusstsein entwickeln.

Manche Menschen versuchen,

Ihr Minderwertigkeitsgefühl zuzudecken,

Indem sie für andere eine Rolle spielen.

Für andere wichtig zu sein,

Gibt ihnen ihr Gewicht.

Sie machen sich für andere brauchbar und unersetzlich und bessern damit ihren inneren Minderwert auf.

Das bringt sie in Abhängigkeiten und macht sie letztlich auch nicht glücklich.

Außerdem ist diese Art zu leben auf die Dauer sehr anstrengend.

Für Suchende,

Unsichere und solche,

Die mit sich unzufrieden sind,

Gibt es Angebote genug,

Die sie der Aufgabe entheben,

Selbstständig zu werden.

Sie sind leicht zu organisieren,

Man gibt ihnen Ordnungen und Normen und das Gefühl,

Dass sie nur gemeinsam etwas wert seien.

Sie brauchen dann nicht mehr ihren eigenen Wert zu suchen.

Selbstständigkeit und Reife bleiben dabei auf der Strecke.

Äußere Vorschriften und Verordnungen können hilfreich sein zur Orientierung,

Letztlich reichen sie aber nicht aus,

Dem Einzelnen seinen individuellen Weg zu zeigen,

Sie werden ihm nicht gerecht.

Es gibt keine allgemeingültigen Lebensbahnen.

Jeder muss seinen Weg von innen her selbst finden,

Aber um diesen seinen Weg zu finden,

Muss er sich zunächst selbst gefunden haben.

Mein Wert liegt nicht in der Brauchbarkeit,

Auch nicht in der Leistung,

Die ich für die Gesellschaft erbringe,

Sondern allein in mir.

Nur wenn ich mich selbst schätze,

Kann ich auch für andere ein Schatz sein.

Jede Normierung und jede falsche Anpassung richtet sich gegen die Würde des Menschen.

Sich ständig mit anderen zu vergleichen und zu messen kann unzufrieden oder auch eitel machen.

In jedem Fall wird diese Verhaltensweise ein Hindernis sein,

Die eigene Bestimmung zu finden.

Wer an die Einzigartigkeit seiner Person glaubt,

Wird alles versuchen herauszufinden,

Wer er ist.

Er wird sich fragen,

Ob er sich eigentlich so verhält,

Wie es seinem Inneren entspricht.

Vielleicht stellt er fest,

Dass gerade der Ort,

An dem er sich befindet,

Der geeignete Platz für ihn ist.

Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein.

Vielleicht muss er sich dann mutig auf den Weg machen und seine Verhältnisse so verändern,

Dass sie ihm entsprechen.

Solche Selbstfindungsprozesse sind existenzielle Herausforderungen,

Die nicht selten harte Konsequenzen erfordern.

Die Wandlung der Persönlichkeit beginnt immer im Ich,

Dem Kern der Person.

Für viele hat das Wort Ich einen negativen Beigeschmack.

Es klingt scheinbar nach Egoismus oder Ich-Sucht.

Aber die Mitte eines jeden Menschen ist das Ich.

Ohne ein Ich zu sein,

Kann ich für niemanden ein Du werden.

Was ist dieses Ich?

Wie entsteht es?

Wie kann man es vor Fehlentwicklungen und Erkrankungen schützen?

Bevor ein Kind lernt,

Ich zu sagen,

Erlebt es sich als ein Es,

Als Teil seiner Umwelt,

Von der Es völlig abhängig ist.

Erst wenn Symbiose mit der Mutter,

Die selbstverständliche Geborgenheit durch deren Liebe und Versorgung unterbrochen wird,

Entsteht das Bewusstsein der eigenen Person.

Die Entdeckung,

Ein Ich zu sein,

Ist wie eine zweite Geburt.

Mit dem Ich erwächst auch der eigene Wille und damit die Auseinandersetzung mit dem mächtigen Willen des Erziehernden.

Ich-Bildung und Willensbildung entstehen parallel.

Werden das Ich und der Eigenwille als etwas Natürliches und Wichtiges anerkannt,

Dann hat das Kind es leichter,

Sich zu einer gesunden,

Selbstständigen und selbstbewussten Persönlichkeit zu entwickeln.

Die Entwicklung des Ich-Bewusstseins und des Selbstbildes ist für die Persönlichkeitsentwicklung ausschlaggebend.

Das Bild,

Das ich von mir selbst habe,

Bildet mich.

Zur inneren Reifung gehört also ein Nachdenken über sich selbst.

Das führt oft in die Krise.

Die Krise kann jedoch der Anfang einer Heilung sein.

Ich kann mich neu entscheiden.

Wie will ich in Zukunft leben und wer will ich eigentlich sein?

Ist es überhaupt möglich,

Sein Leben von Grund auf zu ändern?

Viele werden bei dieser Frage an eine Reihe von Enttäuschungen mit sich und mit anderem denken.

Es gibt jedoch Erlebnisse,

Die in uns das Gefühl erwecken,

Als seien wir neu geboren.

Das entscheidende Kriterium ist jedoch die Tiefe,

In der sich dieser Prozess abspielt.

Wenn nur das Gefühl vom Erleben betroffen ist,

Wird das Neue schnell verblassen und wenn nur Vernunft und Wille eingeschaltet sind,

Wird alles im Bereich der Anstrengung und Selbstbeherrschung stecken bleiben.

Echte,

Dauerhafte Wandlungen erfassen den ganzen Menschen.

Das innere Erlebnis eines Neuanfangs ersetzt aber nicht die Arbeit,

Die zu leisten ist,

Um Ich und Willensstärke zu entwickeln.

Es gibt allerdings den Anstoß und die Motivation dazu.

Ein Leben,

Das von innen gespeist wird,

Kann von äußeren Situationen unabhängig machen.

Menschen,

Die von innen heraus leben,

Sind eine Wohltat für ihre Umwelt.

Sie fordern,

Nichts zu geben und wenn sie sich verausgabt haben,

Ziehen sie sich zurück,

Um neu zu sich selbst zu kommen und ihre inneren Quellen wieder zum Fließen zu bringen.

Manchmal sind solche aus dem Inneren lebenden Menschen allerdings auch eine Zumutung,

Denn sie sind nicht verfügbar.

Man kann sie nicht für alle Zwecke einspannen.

Sie sind sehr sensibel für Echtheit und Lebendigkeit und opfern ihr Leben nicht auf falschen Alteren.

Ihr Interesse gilt allem,

Was in Bewegung ist.

So sind sie meist unbequeme Glieder einer Gruppe oder eines Vereins.

Sie begnügen sich nicht mit absichernden Richtigkeiten,

Sondern treiben wie Hefe im Teig Entwicklungen voran.

Eine Gemeinschaft von solchen Menschen ist sicher nicht unkompliziert.

Sie wird nur dort lebbar sein,

Wo Liebe die Grundlage des gemeinsamen Lebens ist.

Eine solche Liebe will nicht gleich machen,

Sondern sie respektiert den Einzelnen mit seinem individuellen Erleben.

Die Entwicklung des Einzelnen darf nicht dem gemeinsamen Anliegen geopfert werden.

Die Liebe zum Nächsten setzt die Liebe zu sich selbst voraus.

Wer bin ich eigentlich?

Was will ich unbedingt?

Diese Fragen gewinnen zentrale Bedeutung für den,

Der von innen heraus leben will.

Das hat nichts mit krampfhafter Selbstverwirklichung zu tun,

Sondern diese Einstellung nimmt die eigene Originalität ernst.

Nur wer aus diesem neuen Ich-Bewusstsein herauslebt,

Was er ist,

Kann damit seinen Beitrag für dieses Leben und für diese Welt leisten.

Dabei geht es nicht darum,

Perfekt oder ideal zu sein,

Sondern unterwegs zu bleiben,

Im Werden und im Lernen.

Ungeahnte Lebenskräfte können frei werden,

Wo ein Mensch die innere Berechtigung in Anspruch nimmt,

Der zu sein,

Der er ist,

Und der zu werden,

Der er sein kann.

Erst dann liegt das Leben mit all seinen Möglichkeiten und Chancen vor ihm wie ein offener Raum,

Wie ein weites Land,

Das ihm gehört und darauf wartet,

Von ihm in Besitz genommen zu werden.

4.8 (24)

Neueste Bewertungen

Mohel

September 25, 2024

Danke 🌞

Werner

August 18, 2024

Hat mich sehr beeindruckt. Evt. ist dies begründet in meinem ganz ähnlichen Denken und Fühlen und weil mich dieser Vortrag bestätigt. Er ist voller Klarheit. Vor allen Dingen aber bestärkt er mich weiter zu gehen auf diesem Weg, denn genau dort lauert das Glück 😉 Danke!

Monika

June 26, 2024

Super Vortrag, hat mir sehr geholfen

Mareike

September 17, 2023

Sehr heilsam. Vielen Dank dafür! 🙏

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